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14.09.10 10:42

Blickwechsel in Ahlen - NRW-Austellungsprojekt im Herbst 2010

„Geist“ (oder: welche Suppe kocht denn da) von Susanne Lorenz (Berlin), Ausstellung im öffentlichen Raum vom 12. September bis 21. Oktober 2010 in Ahlen, Hintergleis-Werbefläche, Bahnhof

Blickwechsel in Ahlen: „Geist“ von Susanne Lorenz

Blickwechsel in Ahlen: „Geist“ von Susanne Lorenz

Aus dem Kochtopf in Ahlen kocht es. Seit den 50er Jahren steht der blaue Emailletopf, der eigentlich ein Betontopf ist, auf dem Dach der ehemaligen Fabrik für Handgeschirre.

Prominent an der Bahnlinie gelegen ist der Topf für Vorbeireisende und Einheimische ein Erkennungszeichen für Ahlen und Zeuge für einen wichtigen Wirtschaftszweig in der Stadt und Region.

Seit einigen Jahren ist die Fabrik nun geschlossen. Angedacht war mal der Abriss, um einem Shoppingcenter Platz zu machen. Auf der Werbefläche, die dieses Schicksal bereits impliziert, macht sich ein Geist bemerkbar .... .

Ein Blickwechsel findet zum Einen ganz wörtlich statt:
Das Foto, das dem Plakat zu Grunde liegt, ist nur wenige Meter entfernt aufgenommen worden, es gibt also eine leichte räumliche Verrückung des Blicks.
Ein inhaltlicher Blickwechsel erfolgt mit dem Transfer des Motivs in ein Plakat, wobei offen bleibt, ob ein Wahrzeichen beworben wird oder die Zukunft eines Ortes, an dem kommerzielle Werbung zum entscheidenden Inhalt wird.

So kann das Plakat eine Projektionsfläche werden zur Reflektion und Meinungsbildung über den Umgang mit regionaler Geschichte und Tradition, der Umnutzung oder dem Abriss von Industriekultur und der Bedeutung spezifischer Merkmale in einer im Wandel befindlichen Region.

Und: die fertige Arbeit ist zugleich ein Entwurf. Die erste Idee nämlich war, den Ahlener Topf im Sinne eines lebendigen Wahrzeichens tatsächlich zum Kochen zu bringen, wofür es von Seiten des Besitzers jedoch kein Interesse gab.

Welche Suppe hier also letztlich gekocht wird, bleibt offen.



Künstlerin Susanne Lorenz, Berlin

1969 in Hannover geboren, lebt und arbeitet Susanne Lorenz aktuell in Berlin. Nach ihrem Studium der Bildenden Kunst an der HBK Braunschweig und dem Studium der Kunstwissenschaft an der HDK Berlin folgten weitere Studien in der Architekturwissenschaft und im Großfach Kunst an der TU Braunschweig und der TU Berlin. Mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, hat Susanne Lorenz seit 2006 eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Hamburg.

Die Berliner Künstlerin Susanne Lorenz ist insbesondere für ihre Arbeiten im Außenraum bekannt. Der Bezug zum jeweiligen Ort führt dabei zu formal und konzeptuell sehr unterschiedlichen Projekten: von Installationen, die benutzbar sind (z.B. Badeschiff, Berlin 2004), über gebaute, dreidimensionale Bilder aus natürlichen Materialien (z.B. Tagbouquett, 2006) zu solchen, die, wie auch in Ahlen, Bilder oder Projektionsflächen sind (z.B. Suchbilder, 2004). Weitere Arbeiten der Künstlerin finden Sie unter www.susanne-lorenz.de)



BLICKWECHSEL, Konzept

BLICKWECHSEL möchte die Aufmerksamkeit der Stadtbewohner auf ein Detail in ihrer Umgebung lenken. Die teilnehmenden internationalen Künstler sind eingeladen, sich mit den alltäglichen Gegebenheiten in den Städten auseinanderzusetzen, seien sie architektonischer, situativer, soziologischer, struktureller, prozesshafter, künstlerischer oder auch virtueller Art. Gefragt ist ein künstlerischer Blick, der eine Alltäglichkeit im öffentlichen Raum dazu erwählt, Kunstwerk zu werden. Den Charakter eines Kunstwerkes erhält die Alltäglichkeit durch diese Auswahl und einen kleinen Eingriff des Künstlers in diese Alltäglichkeit oder in deren Kontext. Die Intervention sorgt für eine Bedeutungsverschiebung, die den Betrachter dazu anregt, wie bei einem Vexierbild plötzlich eine zweite Wirklichkeit aufscheinen zu sehen – ein Blick-Wechsel eben.
 
Die Auswahl der Künstler erfolgte in Zusammenarbeit mit einer Jury, die sich aus Vertretern der Teilnehmerstädte zusammensetzte. Um Künstler und Städte ohne subjektive Vorlieben zusammen zu bringen, wurden die Zuordnungen ausgelost. BLICKWECHSEL vereinigt dabei Künstler, die mehrheitlich in den 1960er und 1970er Jahren geboren sind und künstlerisch über rein skulpturale Positionen hinausgehen. Denn Ziel von BLICKWECHSEL ist es nicht, größere Skulpturen in den Städten temporär zu installieren, sondern die Künstler sind eingeladen, mit wenig Aufwand in bestehende städtische Strukturen unterschiedlichster Art einzugreifen, um den Stadtbewohnern einen BLICKWECHSEL auf ihre Umgebung zu ermöglichen.

BLICKWECHSEL wird in Ahlen unter der Projektleitung des Kunstmuseum Ahlen in Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Ahlen sowie der Kulturgesellschaft der Stadt Ahlen e.V. durchgeführt.