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17.01.12 10:24

Niederländische Abgeordnete studieren das „Ahlener System“

Eine Delegation des niederländischen Parlamentsausschusses für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport machte jetzt für einen Tag Station in Ahlen. Die sieben Politikerinnen aus dem Parlament in Den Haag reisten eine halbe Woche lang durch Nordrhein-Westfalen, um über Einrichtungen der kurz- und langfristigen Pflege von Senioren zu recherchieren.

(obere Reihe v. l.) Sozial-Fachbereichsleiter Burkhard Knepper, Jürgen Ribbert-Elias (Verein Alter und Soziales), (zweite Reihe v. l.) Alois Steinkamp, Erwin Sjerp (Parlament Den Haag), Ralf Marciniak, Bert de Wilde (Niederländische Botschaft in Berlin), (dritte Reihe v. l.) Linda Voortman, Agnes Wolbert, Ursula Woltering, Renske Leijten, Pia Dijkstra, (untere Reihe v. l.) Esmé Wiegman-van Meppele Scheppink, Pauline Smeets, Tamara Venrooy-van Ark

(obere Reihe v. l.) Sozial-Fachbereichsleiter Burkhard Knepper, Jürgen Ribbert-Elias (Verein Alter und Soziales), (zweite Reihe v. l.) Alois Steinkamp, Erwin Sjerp (Parlament Den Haag), Ralf Marciniak, Bert de Wilde (Niederländische Botschaft in Berlin), (dritte Reihe v. l.) Linda Voortman, Agnes Wolbert, Ursula Woltering, Renske Leijten, Pia Dijkstra, (untere Reihe v. l.) Esmé Wiegman-van Meppele Scheppink, Pauline Smeets, Tamara Venrooy-van Ark

Erfahrungsaustausch an den Thementischen im Rathaus

Erfahrungsaustausch an den Thementischen im Rathaus

„Sie treffen in Ahlen auf die Champions League“, griff Sozialausschussvorsitzender Alois Steinkamp in seiner Begrüßung zu einem Bild aus dem Sport, um die in ganz Deutschland vorbildliche Seniorenpolitik der Stadt Ahlen zu beschreiben. So war es auch das Düsseldorfer Sozialministerium, das den niederländischen Abgeordneten empfahl, „das Ahlener System“ näher zu betrachten.

Die Zusammenarbeit mit den Ministerien ist Ursula Woltering sehr wichtig. So sei man immer „nah dran“ an den Themen, die die Diskussion aktuell bestimmen, sagte die Sozialplanerin der Stadt Ahlen. Wie hochvernetzt die Seniorenarbeit in Ahlen ist, verdeutlichte sie am Beispiel des Vereins Alter und Soziales. Seit 1993 arbeiten in dem Verein die Wohlfahrtsverbände, das Krankenhaus, die Seniorenheime, die Hospizbewegung, die Familienbildungsstätte und die Stadt Ahlen abgestimmt und gemeinschaftlich an der Verbesserung der Lebens- und Versorgungssituation älterer Menschen. Das erklärte Ziel ist, die Dienste und Angebote auf der Grundlage eines "Integrierten Handlungskonzeptes" aufeinander abzustimmen und Versorgungslücken zu schließen. Die freien Träger beraten früh gemeinsam, um die Interessen der Zielgruppen unter einem Dach zu bündeln. „Woanders gibt es häufig Konkurrenzen, wir haben das anders gemacht“, überzeugte sie die niederländischen Gäste eindrucksvoll davon, wie wichtig die Kommunikation und der Austausch untereinander sind.

„Das ist ein ganz interessantes Modell“, war Esmé Wiegman-van Meppelen Scheppink sichtlich angetan von dem kooperativen Ansatz. Ihre Bemerkung, die Politik könne „dann ja nichts mehr gegen den Verein sagen“, rief allerdings sanften Widerspruch bei Ralf Marciniak hervor. „So ist es auch nicht“, korrigierte der stellvertretende Vorsitzende des Sozialausschusses. Schließlich koste ja auch alles Geld, so dass die Politik ihre unverzichtbare Rolle im System behalte und mitentscheide.

Die Niederlande stehen wie alle anderen europäischen Staaten vor der großen Herausforderung des demografischen Wandels. „Bis 2050 haben wir viel zu organisieren“, sieht Pauline Smeets gewaltige Aufgaben in den kommenden Jahrzehnten auf die Politik zukommen. Dabei geht die Vorsitzende des Ausschusses mit unerschütterlichem Optimismus an die großen Herausforderungen. „Wichtig ist es, den Blick auf das Alter zu ändern“, so die Limburgerin. Nicht nur Gebrechen prägten den letzten Lebensabschnitt, er habe auch viele schöne Seiten. Um das erlebbar zu machen, sei es wichtig, die Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu versorgen. Das „Ahlener System“ enthalte viele Bausteine, um dieses Seniorinnen und Senioren zu ermöglichen.

Für die Zukunft wünscht sich Pauline Smeets, den Kontakt zwischen den Niederlanden und Ahlen sowohl auf der politischen Schiene als auch zwischen den Verwaltungen nicht abreißen zu lassen. Unterstützung findet sie darin bei Ursula Woltering. „Wir sind für die in Ahlen ansässige Landesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros (LaS) ohnehin auf der Suche nach Partnern in den Niederlanden“, warb die Sozialplanerin um Ansprechpartner im Nachbarland.

Smeets bedankte sich bei ihren Gastgebern für das "sehr interaktive Besuchsprogramm", welches neben allgemeinen Vorträgen auch zahlreiche Gesprächsmöglichkeiten mit haupt- und ehrenamtlich Aktiven sowie einen Besuch des Elisabeth-Tombrock-Hauses bot.