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Silberjubiläum des „Museum im Goldschmiedehaus“ am 8. November 2009

Als ein „strahlendes Kleinod in der Museumslandschaft“ bezeichnet Bürgermeister Benedikt Ruhmöller das Museum im Goldschmiedehaus. Am 8.11.2009 feierte dieses private Museum, das sich vor allem der sakralen Kunst und der Zeitmessung widmet, sein 25jähriges Jubiläum. Dazu gratulierte Ruhmöller dem Museumsgründer Werner Fischer im Namen der ganzen Stadt. Hier die Ansprache im Wortlaut:

„Gott fügt die Dinge, und sie werden gut sein.“ Diese Devise Dantes hat sich Werner Fischer zu Eigen gemacht. Vielleicht auch den Satz meines verehrten Vorgängers Herbert Faust: „Der Herrgott tut nichts anderes als fügen.“ Auf jeden Fall sind Sie, lieber Herr Fischer, von einem gesunden Gottvertrauen und einer tiefen Verwurzelung in der religiösen Tradition geprägt.

Schon seit Ihrer Kindheit sind Sie mit der katholischen Liturgie vertraut. Sie waren Ministrant in Hopsten bei Rheine und in Münster, und später haben Sie den Beruf des Goldschmieds in der Umgebung des Münsteraner Domes bei der Fa. Heinrich Abeler erlernt. Bei so viel liturgischer Affinität verwundert es nicht, dass Werner Fischer eine besondere Liebe zu sakraler Goldschmiedekunst entwickelt hat und ihn diese Neigung bis heute begleitet.

Schon in der Lehrzeit hatte er den Wunsch, selbst sakrale Objekte anzufertigen. Früh begann er auch mit dem Aufbau einer Sammlung religiöser Gerätschaften. An dieser Sammlung arbeitet er bis heute, mit zwar großer und zunehmender Sachkenntnis.

Weil es seinerzeit in Ahlen neben dem Heimathaus kein weiteres Museum gab, hatte Werner Fischer zunächst die Idee, Werke der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks dem Publikum in Wechselausstellungen zugänglich zu machen. Dafür richtete er zunächst das „Studio 18“ an der Ecke Hellstraße/Im Kühl ein.

Eröffnet wurde dieses ambitionierte Projekt 1964 mit der Ausstellung „Internationale Gold-schmiedekunst, Creation 64“. Gezeigt wurden Unikate namhafter Künstler nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Skandinavien, den Niederlanden, der Schweiz und Italien. Die Ausstellungen im „Studio 18“ zogen weite Kreise, sie haben es sogar bis in die Tages-schau gebracht. Eine der meistbesuchten Ausstellungen war „Zeitmesser gestern und heute“ – eine Uhrenausstellung, die mehr als 5000 Besucher verzeichnete.

1974 zogen die Fischers mit ihrem Ladenlokal von der Oststraße 35 in die 69. Auch hier hielt die Kunst Einzug. 1975 lockten ganz besondere Schätze die Schaulustigen aus nah und fern: Kronen und Insignien funkelten in den Schaufenstern des Hauses. Ein Highlight war sicherlich die Nachbildung der Krone des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“, die in der Schatzkammer der Wiener Hofburg aufbewahrt wird. Weitere Aktionen im Gold-schmiedehaus folgten, so eine Präsentation von Fossilien, Mineralien und Edelsteinen.

Mit den Jahren nahm der Gedanke immer konkretere Formen an, die eigene Sammlung sakraler Kunst den Menschen nahe zu bringen. Aber Religionen zu präsentieren, stellt Museen vor besondere Herausforderungen. Wie vereint man dabei wissenschaftliche Ansprüche, gesellschaftliche Verantwortung und den Respekt vor den Gläubigen? Wie kann man Kultgegenstände angemessen ausstellen? Mit diesen Fragen setzte sich Werner Fischer intensiv auseinander. Am 8. November 1984 konnte er dann endlich das „Museum im Goldschmie-dehaus“ eröffnen – übrigens ein Name, den der damalige Stadtdirektor Dr. Walter Priesnitz kreiert hat.

Der Sammlungs- und Präsentationsschwerpunkt dieses Hauses liegt auf der sakralen Kunst, auf Werken der Gold- und Silberschmiede seit dem Mittelalter. Kunst war in der Geschichte immer sehr eng mit Glauben und Kirche verbunden. Frömmigkeit hat seit jeher neben der privaten Komponente auch eine öffentliche Schauseite. Hier kommt der Goldschmiedekunst eine besondere Rolle zu. Man bedient sich dieses Kunsthandwerks vornehmlich für sakrale Gefäße und Geräte. In der Dauerausstellung des „Museums im Goldschmiedehaus“ kann sakrales Gerät aus dem 15. bis 21. Jahrhundert bewundert werden, darunter zum Beispiel Kelche, Ciborien zur Aufbewahrung des geweihten Brotes oder Monstranzen. Darüber hinaus gibt es auch Exponate aus der Reliquienverehrung und der Volksfrömmigkeit, die uns einen Eindruck vom reli-giösen Alltag unserer Vorfahren geben.

Alles hat seine Zeit, heißt es schon in der Bibel in Prediger 3,11. „Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit.“ Die Zeit ist ein wesentlicher Faktor im menschlichen Leben. Wie hat der Mensch die Zeit gemessen? Welcher Techniken hat er sich dabei bedient? Auch diesen wesentlichen Fragen widmet sich das „Museum im Goldschmiedehaus“. Die Technik der Zeitmessung wird hier durch Uhren aus vier Jahrhunderten von der Elementaruhr bis hin zu modernen Stücken den Besuchern vermittelt. Besonders gerne höre ich von Museumsdi-rektor Werner Fischer die Geschichte von der Uhr Napoleons, der Tochter des rheinländischen Wirtes und dem Glück des Karten spielenden Ahlener Bergmanns.

1998 wurde die „Woche der Brüderlichkeit“ in diesem Museum mit der Ausstellung „Jüdisches Kultgerät – Jüdisches Leben“ eröffnet. Damit wurde nicht nur ein dritter Sammlungsbereich in die ständige Ausstellung des Museums eingeführt, sondern vor allem ein Zeichen für die Verständigung zwischen Juden und Christen gesetzt. Wie heißt es auf einem jüdischen Haussegen: „Durch dieses Tor soll keine Traurigkeit treten. In diesem Haus soll kein Leid sein. Durch diese Tür soll nichts Schreckliches kommen. In diesem Haus sollen keine Auseinandersetzungen stattfinden.

Museen und Ausstellungen können die Probleme der Welt zwar nicht lösen, aber sie können zum Nachdenken und zum Diskurs anregen. Denn Museen sollten keine verstaubten Musentempel sein, sondern Orte der lebendigen Kommunikation. Die Mitglieder des Arbeitskreises „Woche der Brüderlichkeit“ haben einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und die Dokumenta-tion des wenigen noch überlieferten traditionellen jüdischen Kultgerätes geleistet. Denn vieles ist in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet worden. So bringt uns die Sammlung Fischer Judaika, wie zum Beispiel Andachtsbücher, den siebenarmigen Leuchter Menora als ein wesentliches Symbol des jüdischen Volkes, Hochzeitsringe und Gebetsriemen nahe.

Darüber hinaus präsentiert das Museum Skulpturen, Andachts- und Ritualgegenstände aus dem buddhistischen Leben, ergänzt durch Exponate aus dem Hinduismus und anderen fernöstlichen Religionen.

Das „Museum im Goldschmiedehaus“ hat sich einen guten Ruf erworben, der weit über die Stadtgrenzen Ahlens hinaus reicht. Experten wie interessierte Laien finden regelmäßig ihren Weg hierher und werden sachkundig in die Materie eingeführt.

Museen verfügen über ein ungeheures Potenzial, die Welt zu erklären und verständlich zu machen. Sie können in der Verantwortung für die Zukunft die Geschichte anschaulich vermitteln. Der Blick zurück hilft uns bei der Orientierung in unserer schnelllebigen Zeit. Womit können Museen Geschichte greifbar werden lassen? Die Objekte sind der Schlüssel – aussagekräftige Exponate, die das Interesse des Besuchers wecken, ihn fesseln und eine interessante Geschichte erzählen. An exquisiten Schaustücken mangelt es in diesem Hause wahrlich nicht. Sie ermöglichen einen Streifzug durch die Geschichte der Religionen und der Zeitmessung.

Ich wünsche dem „Museum im Goldschmiedehaus“ als eines der wenigen Häuser in der Bundesrepublik ist, das sich interreligiös ausgerichtet hat, auch künftig viel Erfolg. Möge dieses „Fischer-Netz“ weiterhin reich gefüllt sein mit wissbegierigen Besuchern.