Rathaus & Politik
- 1 Bürgermeister.
- 1.1 Grußwort des Bürgermeisters.
- 1.2 Vita des Bürgermeisters.
- 1.3 Sprechstunde des Bürgermeisters.
- 1.4 Aufgaben außerhalb der Stadtverwaltung.
- 1.5 Reden 2012.
- 1.6 Reden 2011.
- 1.7 Reden 2010.
- 1.8 Reden 2009.
- 1.8.1 11.01.2009 Neujahrsempfang.
- 1.8.2 11.01.2009 Ehrung von Schulen.
- 1.8.3 27.03.2009 Eröffnung der 3. Neuen Ahlener Woche.
- 1.8.4 08.04.2009 Gegen rechtsradikale Umtriebe.
- 1.8.5 26.06.2009 Eröffnung des Stadtfestes.
- 1.8.6 27.10.2009 Antrittsrede zur 1. Ratssitzung nach der Kommunalwahl.
- 1.8.7 29.10.2009 Verleihung des Wirtschaftspreises 2009.
- 1.8.8 08.11.2009 Jubilarehrung des Sängerkreises Emsland.
- 1.8.9 08.11.2009 Silberjubiläum "Museum im Goldschmiedehaus".
- 1.8.10 09.11.2009 Kundgebung am Jüdischen Mahnmal.
- 1.8.11 15.11.2009 Gedenkfeier zum Volkstrauertag.
- 1.8.12 17.12.2009 Einbringung des Haushaltes 2010.
- 1.8.13 20.12.2009 Verleihung der Augustin-Wibbelt-Plakette.
- 2 Virtuelles Rathaus.
- 3 Ortsrecht.
- 4 Verwaltung.
- 5 Finanzen.
- 6 Sitzungsdienst.
- 7 Formulardepot.
- 8 Ausbildung.
- 9 Ausschreibungen.
- 10 Bekanntmachungen.
- 11 Heiraten in Ahlen.
- 12 Sauberes Ahlen.
- 13 Politik.
- 14 Foto-Galerien.
15 Bürgerservice online
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18 Stadtnetz Ahlen
Ehrung von Schulen für die Erinnerungsarbeit im Rahmen des Neujahrsempfangs 2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ahlen ist eine Stadt mit über 1200jähriger Geschichte, mit vielen geschichtlichen Ereignissen, mit guten wie mit schlechten Zeiten. Uns allen ist bewusst, dass der Faschismus und Nationalsozialismus, die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung ganzer Bevölkerungsgruppen sowie die Kriegstreiberei in Deutschland im letzten Jahrhundert eine ganz besonders schreckliche Phase unserer Geschichte ausmachen.
In der Nazizeit fand in Deutschland, von Deutschland ausgehend und auch in Ahlen ungeheures Unrecht statt. Was mich immer wieder erschüttert im Blick auf diese Zeit, das ist die Feststellung, wie unglaublich verführbar doch ein angeblich zivilisiertes und kulturell reiches Volk ist, wie viele Menschen zugeguckt oder sogar mitgemacht und sich tief in Schuld verstrickt haben.
Uns muss es heute unablässig ein Anliegen sein, an das damalige Unrecht, seine Ursachen und Auswirkungen zu erinnern, besonders der Opfer zu gedenken und jedem neuen Ansatz solchen Unrechts den Garaus zu machen. Uns muss es ein großes Anliegen sein, besonders auch den nachwachsenden Generationen die Verpflichtung, dass so etwas nie mehr geschehen darf, zu vermitteln.
Dazu haben wir uns beeindruckend bekannt, als wir am 5. März 2006 Imo Moszkowicz zum Ehrenbürger von Ahlen ernannt haben. Dieses Bekenntnis haben wir erneuert, als am 9. November 2008 Marga Spiegel sowie jene Bauernfamilien, die Familie Spiegel vor der Verfolgung gerettet haben, mit der Ehrenmedaille der Stadt Ahlen ausgezeichnet wurden.
Ich bin ungemein froh darüber, dass der Verpflichtung zur Erinnerung, zur Geschichtsforschung und zur Mahnung in unserer Stadt besonders einige weiterführende Schulen nachkommen. Dieses geschieht teilweise ganz handfest, teilweise mit einem hohen wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Anspruch. Die Spanne reicht von der Pflege des Grabes der Therese Münsterteicher auf dem Südfriedhof, wofür wir schon letztes Jahr die Geschwister-Scholl-Hauptschule geehrt haben, bis zu der beeindruckenden szenischen Darbietung des Michael-Gymnasiums bei unserem heutigen Empfang.
Ich möchte jetzt das Gymnasium St. Michael, unser Städtisches Gymnasium sowie die Fritz-Winter-Gesamtschule mit einem speziell gravierten Wappenteller und einem kleinen Geldbetrag für ihre Geschichts- und Erinnerungsarbeit würdigen. Diese drei Schulen bieten sich dafür mit einer Vielzahl verschiedener Projekte an, die größtenteils von engagierten Lehrkräften verantwortet werden. Viele dieser Projekte sind Ihnen sicher schon aus der öffentlichen Berichterstattung bekannt.
Deshalb hier nur einige Beispiele:
Unser Städtisches Gymnasium sieht sich als Pate des zwischen seinem Haupteingang und der Werse platzierten Denkmals für die Opfer der Konzentrationslager. Jedes Jahr wird an dem Gedenktag am 27. Januar eine beeindruckende Gedenkstunde durch Schülerinnen und Schüler gestaltet. Diese verdient übrigens eine weitaus größere Beachtung und Beteiligung aus der Bevölkerung.
Die heutige Klasse 13 des Gymnasiums hat in die Gedenkstunde vor drei Jahren ihre Eindrücke aus dem Konzentrationslager in Auschwitz eingebracht. Diese Klasse wirkt auch mit an einem Film über das Schicksal jüdischer Schüler und Lehrer an dem Gymnasium.
Das Bischöfliche Gymnasium St. Michael beeindruckt uns heute mit der szenischen Darstellung "Filmriss – hell hinterm Licht". Eine ebenfalls sehr eingehende Darstellung präsentierten die Schülerinnen und Schüler in den Jahren 2007/2008 mit dem Stück "Schlussklappe". Darin setzten sie die Zivilcourage der westfälischen Bauern, die die Familie Spiegel vor den Nazis geschützt hatten, nach dem Drehbuch von Imo Moszkowicz in Szene. Diese Theaterarbeit mündete in die kontinuierliche Werkstatt zur Erinnerungskultur, in der auch die heute angebotene DVD "Unter Bauern" erarbeitet wurde.
Die Fritz-Winter-Gesamtschule kümmert sich kontinuierlich um die Gräber der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem Ostfriedhof. Die Geschichte dieser oft vergessenen Opfer des Nationssozialismus wurde von der Gesamtschule vor einigen Jahren akribisch aufgearbeitet. Danach befassten sich Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal von italienischen Militärinternierten, die während des zweiten Weltkrieges hier Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Schülerinnen und Schüler führten Interviews mit noch Lebenden der ehemaligen Internierten und präsentierten ihre Forschungsergebnisse in einer viel beachteten und prämiierten Ausstellung.
Mit der Würdigung dieser Projekte verbinde ich meinen herzlichen Dank an die Lehrkräfte, die sich immer wieder für die Geschichtsforschung und Erinnerungsarbeit an unseren Schulen einsetzen. Dieses ist eine höchst wertvolle und wichtige Arbeit, um auch den Opfern des Nationalsozialismus und des Krieges gerecht zu werden. Ich hoffe auf viele weitere Projekte und darauf, dass sie auch in die Öffentlichkeit hinein wirken.


