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Verleihung des Wirtschaftspreises 2009

Sehr geehrte Damen und Herren!

Eine versierte und fundierte Würdigung des mittelständischen Unternehmers habe ich gestern Abend vernommen. Die CDU-Mittelstandsvereinigung hatte den renommierten Wirtschaftjournalisten und Wirtschaftspolitiker Friedhelm Ost zu Gast; er sprach auf unserem Galgenberg zu dem Thema „Erfolg durch Werte“. Ein paar markante Aussagen aus dem umfangreichen Vortrag möchte ich Ihnen zitieren:

- Für den mittelständischen Unternehmer sind die Werte die Basis für seine Wertschöpfung. Er sucht die Balance zwischen Erfolg und Ethos.
- Das wichtigste Kapital sind für diesen Unternehmer seine Arbeitnehmer. Deshalb wollen 87 % aller Arbeitnehmer möglichst in familiengeführten mittelständischen Unternehmen arbeiten.
- Der mittelständische Unternehmer arbeitet wie ein Förster: gelassen, geduldig und nachhaltig, das heißt stets auch mit Blick auf die nächste Generation.
- Er arbeitet nach der Maxime der Buddenbrooks: „Seid mit Lust an den Geschäften des Tages, aber macht nur solche, dass ihr nachts gut schlafen könnt.“

Schon diese wenigen Kernsätze aus dem Vortrag machen uns bewusst, dass wir uns darüber freuen können, in Ahlen über eine so breit angelegte, vielfältige und stabile Struktur mittelständischer Unternehmen zu verfügen, die sich größtenteils auch nach vielen Jahrzehnten noch in Familienbesitz befinden. Dank dieser wirtschaftlichen Struktur werden die krassen Ausschläge der wirtschaftlichen Entwicklung aufgrund der weltweiten Finanzkrise abgefedert. Dank unserer mittelständischen Unternehmer werden wir auch die noch bevorstehenden Phasen der anhaltenden Krise vielleicht sogar gestärkt überstehen.

Die klugen Ausführungen von Friedhelm Ost, des früheren WISO-Moderators und späteren Regierungssprechers von Helmut Kohl, machten mir jedoch auch deutlich, dass wir gut daran tun, in Ahlen unsere mittelständischen Unternehmen und Unter-nehmer zu fördern und zu würdigen und immer wieder ihre Bedeutung für unsere Stadt zu betonen.

Heute verleihen wir zum vierten Mal den Ahlener Wirtschaftspreis, das Ahlener Mammut. Dazu begrüße ich Sie alle herzlich! Ich begrüße Sie ausdrücklich auch im Namen meiner Co-Gastgeber, des Vorsitzenden von Pro Ahlen e.V., Dieter Ritter, und des Geschäftsführers unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Peter Vaerst.

Auch im Namen dieser beiden Herren gestehe ich: Wir vergeben den Ahlener Wirt-schaftspreis vor allem, aber nicht nur, um damit verdiente Persönlichkeiten des Ahlener Wirtschaftslebens auszuzeichnen. Nein – wir möchten uns auch selbst im Glanz dieser Würdenträger sonnen. Denn natürlich ist es so, dass wir mit der Preisverleihung deutlich machen wollen, dass wir in Ahlen über hervorragende Persönlichkeiten mit unternehmerischem Mut und Weitblick und Erfolg verfügen.

Unser Willkommen zu dieser Preisverleihung gilt vor allem den Angehörigen der Fami-lien Buschhoff und namentlich den langjährigen Chefs des Familienunternehmens, Herrn Dr. Peter Buschhoff in Begleitung seiner Gemahlin und Herrn Werner Buschhoff. Sie sind die Hauptpersonen des heutigen Abends. Ich freue mich, dass Ihnen zu Ehren zahlreiche Familienangehörige und Freunde, Geschäftspartner und Mitarbeiter unserer Einladung gefolgt sind.

Für viele auswärtige Gäste und Freunde des Hauses Buschhoff darf ich namentlich den Prinzipal der Fa. Miele, Herrn Dr. Peter Zinkann sowie Frau Dr. Karin Zinkann in Ahlen begrüßen. Sie verbindet mit der Familie Buschhoff nicht nur das unternehmeri-sche Engagement, sondern auch familiäre Bande.

Ich begrüße die anwesenden bisherigen Träger des Ahlener Wirtschaftspreises, Frau Hannelore Weber-Michels und Herrn Hans Heitkamm. Mein Willkommen gilt unserem Ehrenbürger Herbert Faust und unserem Landtagsabgeordneten Bernhard Recker, dem stellvertretenden Landrat Franz-Josef Buschkamp sowie den anwesenden Da-men und Herren des Stadtrates, des Vorstandes von Pro Ahlen e. V. und des Auf-sichtsrates unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft und schließlich – mit Dank für die intensive Mitarbeit – der Kommission für die Auswahl des Wirtschaftspreisträgers. An dieser Stelle auch ein Gruß an den Künstler Andrzej Irzykowski, der den Preis nach dem original Ahlener Mammut geschaffen hat.

Ich freue mich sehr, dass bedeutende Unternehmer und die Repräsentanten wichtiger Institutionen der Stadt und der Region an dieser Festveranstaltung teilnehmen. Gestatten Sie, dass ich mit außerordentlicher Freude unseren Festredner begrüße: den Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Karl-Josef Laumann.

Ich glaube, diese Persönlichkeit brauche ich nicht lange vorzustellen. Ich gehöre hier sicher zu denen, die Karl-Josef Laumann am längsten kennen, nämlich schon seit gemeinsamen Tagen in der Jungen Union. Aber jeder hier weiß doch, dass er heute einer der wichtigsten Minister in unserer Landesregierung ist, der Kopf der CDU im Münsterland, der Chef der Christdemokratischen Arbeitnehmerschaft, schließlich der Garant dafür, dass auch die neue Bundesregierung für sozialen Ausgleich und Gerechtigkeit sorgen wird. Dafür braucht er nicht am Berliner Kabinettstisch zu sitzen.

Dies alles erklärt allerdings nicht, warum Karl-Josef Laumann heute unser Festredner ist. Dies hat folgenden Hintergrund: Jedes Mal, wenn er in den letzten zehn Jahren nach Ahlen kam, und das war nicht selten, dann fragte er: „Benedikt, gibt es eigentlich noch die Firma Buschhoff?“ Und jedes Mal erzählte ich ihm von der Firma, und irgendwann war ich es leid und arrangierte einen Betriebsbesuch. Dabei war es faszinierend zu beobachten, wie aufmerksam und sachkundig der Minister Laumann sich das Unternehmen Buschhoff anschaute. Denn vor seinem Leben als Berufspolitiker hat er selbst als Maschinenschlosser in Riesenbeck gearbeitet, und aus dieser Zeit noch war ihm Buschhoff als guter Name bekannt.

So lag es nahe, diese großartige politische Persönlichkeit als Festredner zu der heuti-gen Wirtschaftspreis-Verleihung einzuladen, und postwendend sagte er zu – auch zur großen Freude unserer Preisträger.

Sehr geehrter Herr Minister, ich begrüße Sie wieder einmal in Ahlen und danke Ihnen für die Übernahme der Festrede, auf die wir uns alle schon freuen. Bevor Sie dafür das Wort bekommen, bitte ich unseren Landrat um sein Grußwort. Denn die heute im Fokus stehende Fa. Buschhoff ist für die ganze Region von Bedeutung, und es ist nur angemessen, dieses Unternehmen auch aus Sicht des Kreises zu würdigen.

Ich wünsche uns allen einen freudvollen Abend!

 

Laudatio von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller auf den Träger des Wirtschaftspreises 2009


1873 wurde das Unternehmen Buschhoff gegründet. Das ist schon lange her, aber lassen Sie mich einleitend noch weiter in der Geschichte zurückgehen – auf das Jahr 1835. Da wurde die Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth eingeweiht. Die erste Lokomotive hieß Adler, kam aber komplett aus englischer Produktion. Sogar ein schottischer Ingenieur steuerte die Lokomotive, weil sich deutsche Konstrukteure komplett blamier-ten. Sie konnten eine bestellte Maschine nicht rechtzeitig liefern, und Deutsche waren in den Betrieb der englischen Maschine auch nicht eingeweiht. Den damals so schmerzlich erkannten technologischen Vorsprung der Engländer haben die Deut-schen jedoch schnell aufgeholt, indem sie natürlich auch Ingenieurwissen aus Eng-land importierten, wie es später die Japaner und heute die Chinesen und Inder hier in Deutschland tun.

Diese Zusammenhänge kannte der erst 22jährige Theodor Buschhoff vermutlich nicht, als er sich 1873 mit einer Schmiede selbstständig machte. Er konnte aber auf die be-schriebenen technologischen Entwicklungen seit 1835 und auf die nicht nur technolo-gische Aufbruchstimmung im Deutschen Reich nach zwei gewonnenen Kriegen sowie der Reichsgründung aufbauen. Dazu kam eine damals schon sehr gründliche handwerkliche Ausbildung, die den jungen Theodor schon als Schmiedemeister sah, als er 1873 ans Werk ging. Neben der Herstellung von Pflügen und Eggen für den Ackerbau nutzte der Firmengründer die Gunst seines Standortes in der Nordstraße schräg gegenüber der Posthalterey; er verdiente zusätzliches Geld mit dem Hufbeschlag der Wechselpferde und mit Reparaturen an den Postkutschen.

Einschneidend für das Unternehmen war dann das Jahr 1886, als Theodors jüngerer Bruder Hermann mit frisch erworbenem Ingenieurwissen in das junge Unternehmen eintrat. Damit eröffnete sich die Möglichkeit, unter anderem technisch hochwertigere Dreschgarnituren herzustellen. Übrigens ist es bezogen auf Hermann auch belegt, dass er, ohne Uhrmacher zu sein, die Kirchenuhr von St. Lamberti in Dolberg reparier-te und mit einem Minutenzeiger versah.

Angesichts der geschilderten Entwicklung überrascht es nicht, dass die Buschhoff-Brüder 1900 mit der mutigen Entscheidung in das neue Jahrhundert starteten, zunächst die Grundstücke an der Ecke Kapellenstraße / Walstedder Straße und später gegenüber an der Ecke Walstedder Straße / Hammer Straße zu erwerben. Hier sollte sich viele Jahrzehnte lang das Buschhoff’sche Werk entwickeln. Der Platz davor wurde von der Stadt schon offiziell als Buschhoff-Kreisel benannt.

Wir können hier schon mal festhalten: Der Unternehmensgründer Theodor Buschhoff und seine Nachfolger nutzten durchgängig die günstigen Zeitläufe, die Vorteile des jeweiligen Standortes, den sie bei Bedarf zielstrebig wechselten, sie vertrauten auf ihr gediegenes technisches Können und bauten auf die Familie.

Damit wären wir nach einem Zeitsprung von 136 Jahren schon bei den heutigen Preisträgern. Denn Sie, Herr Dr. Peter Buschhoff und Herr Werner Buschhoff handelten und handeln exakt nach denselben Maximen wie der junge Theodor und Ihre weiteren Vorfahren, die das Unternehmen bis heute prägen.

Ich weiß, dass Sie besonderen  Wert darauf legen, dass die Aufbauleistung von Theodor, Hermann und später Wilhelm und Paul besonders gewürdigt wird. Es war ja auch Wilhelm Buschhoff, der als Leiter der technischen Nothilfe im Zweiten Weltkrieg so manche Ahlener Mitbürger aus zerstörten Häusern rettete. Nach dem Krieg nahm er in den ersten Friedensmonaten das Amt des Bürgermeisters von Ahlen wahr. Er gehörte zu den Gründungsvätern der hiesigen CDU und war von 1945 bis 1969 im Stadtrat.

Dieses sicher besonders intensive öffentliche Engagement des Wilhelm Buschhoff steht stellvertretend dafür, dass sich die Unternehmerfamilie stets auch politisch, gesellschaftlich und sozial dem Standort und der Heimatstadt Ahlen verpflichtet sah und sieht. Den Buschhoffs liegt das Gedeihen dieser Stadt insgesamt am Herzen. Dies beweist vor allem auch das großartige Engagement von Dr. Peter Buschhoff für unser Kunstmuseum und die Kultur überhaupt.

Sie, Herr Dr. Buschhoff traten 1967 in das Unternehmen ein. Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium studierten Sie Maschinenbau an der Technischen Hochschule Aachen. In zwei Duisburger Unternehmen erwarben Sie praktische betriebliche Erfahrungen. Nach dieser Duisburger Zeit schloss sich 1966 eine Promotion zum Dr. Ing. in Aachen an. Seit dem Ausscheiden aus der Geschäftsführung stehen Sie dem Beirat des Unternehmens vor.

Sie, Herr Werner Buschhoff sind seit 1970 für die Firma tätig. Nach dem Abitur am Städtischen Gymnasiums studierten Sie Maschinenbau an der Ingenieurschule Soest und arbeiteten danach zwei Jahre in einem Unternehmen am Niederrhein.

Ganz in der Tradition des mittelständischen Familienunternehmens ist Ihr Sohn seit 2008 im Unternehmen aktiv. Damit schließen Sie, Herr Dr. Christian Buschhoff den – bisherigen – Kreis einer beeindruckenden Firmengeschichte.

Bodenständig und weltgewandt, zumal ja sehr exportorientiert, versiert in der technischen Entwicklung und solide in der wirtschaftlichen Aufstellung, bescheiden aber selbstbewusst: So möchte ich die Firma „Buschhoff“ aus Sicht der Stadt zusammenfassend charakterisieren. So stellt die Marke „Buschhoff“ ein weithin bekanntes und viel gerühmtes Aushängeschild des Wirtschaftsstandortes Ahlen dar. Ein Unternehmen, auf das die Stadt stolz ist, das ich als vorbildlich bezeichnen möchte.

Wenn man die ausgezeichnet sortierten Akten unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft studiert, stößt man auf ein schönes Zitat von Ihnen, Herr Dr. Peter Buschhoff, anlässlich der Einweihung des neuen Betriebes. Am 24. August 1998 – ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Unternehmensgeschichte – ist das Unternehmen von der Hammer Straße umgezogen in das Olfetal. Sie sagten damals, ich zitiere: „Dass wir uns im Tal befinden, ist uns noch nicht so richtig aufgegangen, weil wir uns durchaus auf der Höhe fühlen.“

Ich finde, besser kann man auch die heutige Verfassung der Träger des Ahlener Wirt-schaftspreises 2009 nicht umschreiben. Ich darf damit zur eigentlichen Preisverleihung kommen, indem ich den Text der Verleihungsurkunde verlese und Ihnen hier auf der Bühne gratuliere.