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Ansprache von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller bei der Kundgebung gegen Rassismus auf dem Marienplatz am 19. März 2010

Foto: Bürgermeister Benedikt Ruhmöller bei seiner Rede zur Eröffnung der Kundgebung auf dem Marienplatz.
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller bei seiner Rede zur Eröffnung der Kundgebung auf dem Marienplatz.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie alle herzlich zu dieser Kundgebung! Diese Veranstaltung ist unser gemeinsamer Beitrag zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Da passt es gut, dass wir uns auf einem Platz treffen, der ausdrücklich nach einer bekannten Jüdin benannt ist. Diese Frau – Maria – war wahrscheinlich eine Aramäerin aus dem heutigen Israel. Sie wird übrigens in allen drei großen monotheistischen Religionen – im Judentum, im Christentum und im Islam – als eine außergewöhnliche und heilige Frau verehrt. Nehmen wir sie doch als Symbol dafür, dass uns Toleranz, Weltoffenheit und Gerechtigkeit am Herzen liegen!

Es ist mir eine überaus große Freude, dass sich so viele Menschen zu dieser Kundgebung auf dem Marienplatz versammelt haben. Mit Ihrer Teilnahme beweisen Sie alle ganz persönlich, dass in Ahlen sehr vielen Menschen an einem guten, friedlichen und offenen Miteinander liegt. Wir wollen einander respektieren und helfen. Wir verabscheuen jede Intoleranz, Ungerechtigkeit und Fremdenfeindlichkeit. Dies wollen und müssen wir heute und bei allen erdenklichen anderen Gelegenheiten beweisen.

Ahlen ist eine Stadt, und darauf bin ich als Bürgermeister stolz, die aus ihrer Geschichte bewusst die richtigen Lehren zieht und die diese Lehren in Gegenwart und Zukunft bewusst anwendet. Wir wissen und setzen uns damit auseinander, dass Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz zu den schlimmsten Verbrechen unserer Geschichte geführt haben. Diese nationalsozialistischen Verbrechen liegen unauslöschlich als schmutziger Schatten auf unserem Land und unsere Stadt als ständige Mahnung, Toleranz, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit zu üben.

Diese Tugenden müssen wir alle jederzeit üben. Ich bin besonders stolz darauf, wie bewusst sich nicht nur die junge Generation in den Schulen der Geschichte und den daraus resultierenden Konsequenzen stellt. Menschen aller Generationen haben sich den Film „Unter Bauern“ angeschaut, haben sich von dieser wahren Geschichte über Verfolgung und Verbrechen, über Zivilcourage und Tapferkeit persönlich berühren lassen. Bei dem Stolperstein-Projekt haben sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger der jüdischen Menschen und all’ derer erinnert, die hier in Ahlen von den Nazis verfolgt und ermordet wurden, derer wir fortwährend gedenken wollen.

Ich finde es allerdings wichtig, dass wir uns keinesfalls nur aufs Erinnern und Gedenken beschränken oder auf verbale Bekundungen. Wir müssen vielmehr die Lehren aus unserer Geschichte leben und heute ganz nachdrücklich und nachhaltig Toleranz, interkulturelles Miteinander und Gerechtigkeit üben. Deshalb können wir stolz darauf sein, dass wir in Ahlen so eine erfolgreiche Integrationsarbeit betreiben.

Es gibt wenige Städte, die eine so gute Beteiligung bei der Wahl des Integrationsrates erzielt haben wie wir. Es gibt nur ganz wenige Städte, in denen sich so viele Menschen so sehr für das Miteinander über alle kulturellen, nationalen und religiösen Grenzen hinweg engagieren. Diese Integrationsarbeit müssen wir nicht nur deshalb fortsetzen, weil unsere Stadt bis hin zu den wirtschaftlichen Unternehmen davon profitiert. Auch das ist ein wichtiger Gesichtspunkt. Vor allem jedoch wollen wir integrieren und das kulturelle Miteinander pflegen, weil wir in jedem Menschen, der sich in Ahlen heimisch fühlt, der auf uns zu kommt und hier leben will, eine Bereicherung sehen.

Da kann es uns überhaupt nicht gefallen, dass einige total verwirrte Geister in dieser Stadt Fremdenfeindlichkeit predigen und sogar Hass und Unfrieden schüren. Ich wiederhole nochmals: Neonazis sind keine Ahlener und haben hier nichts zu suchen! Sie sind eine Belastung für unsere Stadt und unser Land. Sie dürfen hier keinen Boden unter die Füße bekommen.

Wenn wir die jungen rechten Radikalinskis, die unsere Stadt so sehr belasten und besudeln, ablehnen, dann müssen wir auch bedenken: Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sind leider Gottes kein exklusives Phänomen des politischen Rechtsextremismus. Dafür sind sie zwar ein guter schlechter Nährboden. Doch wir finden Verunglimpfungen und Ablehnungen, sogar rassistische Sprüche und pauschale Verurteilungen in allen Kreisen der Gesellschaft. Überall treffen wir leider auch immer wieder aufs Wegschauen und Achselzucken. Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass schon leichtfertiges dummes Gerede über Andere einen Schritt in Richtung Intoleranz und Unfrieden geht und dass wir schon dagegen couragiert einschreiten müssen.

Und noch eins: In einem Schülerprojekt am Gymnasium St. Michael wurde in diesen Tagen belegt, dass wir die Tugenden des guten Miteinanders in der heutigen globalisierten Zeit keinesfalls mehr nur auf Ahlen oder Deutschland beschränken dürfen. Wir müssen auch an die Mitmenschen jenseits unseres Horizontes denken, gerade wenn es um den Schrecken des Rassismus geht. Wir müssen in diesen Internationalen Wochen gegen Rassismus und zu jeder Zeit für Toleranz, Frieden und Gerechtigkeit weltweit eintreten. So begrüße ich ausdrücklich den Einsatz mancher Schulen für die Erdbebenopfer in Haiti oder auch das Engagement von Schulen und anderen Gruppen für Bagamoyo in Tansania. Auch in dieser Hinsicht müssen wir uns weiterhin engagieren und das Miteinander pflegen.

Ahlen versteht sich als multikulturelle, weltoffene und tolerante Stadt. Wir sind gegen jeden Rassismus und für friedliche Vielfalt. Ich sage es noch mal mit den Worten der Schülervertretung unseres Städtischen Gymnasiums: „Wir sind Ahlen, Nazis sind es nicht!“

Ich freue mich, da Sie sich alle heute dazu bekennen;
Ihnen allen ein herzliches „Glückauf“!