Rathaus & Politik
- 1 Bürgermeister.
- 1.1 Grußwort des Bürgermeisters.
- 1.2 Vita des Bürgermeisters.
- 1.3 Sprechstunde des Bürgermeisters.
- 1.4 Aufgaben außerhalb der Stadtverwaltung.
- 1.5 Reden 2012.
- 1.6 Reden 2011.
- 1.7 Reden 2010.
- 1.7.1 10.01.2010 Neujahrsempfang der Stadt Ahlen.
- 1.7.2 19.03.2010 Kundgebung gegen Rassismus.
- 1.7.3 09.07.2010 Eröffnung des Stadtfestes.
- 1.7.4 18.09.2010 Grußwort Pöttkes- und Töttkenmarkt.
- 1.7.5 24.09.2010 Verleihung des Integrationspreises.
- 1.7.6 28.10.2010 Verleihung des Wirtschaftspreises.
- 1.7.7 09.11.2010 Kundgebung am Jüdischen Mahnmal.
- 1.8 Reden 2009.
- 2 Virtuelles Rathaus.
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18 Stadtnetz Ahlen
Verleihung des Integrationspreis der Stadt Ahlen durch Bürgermeister Benedikt Ruhmöller am 24. September 2010
Begrüßungsrede
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr – nun zum 3. Mal – zum „Tag der Integration“ zusammengekommen sind. Der Tag wird seit 2005 bundesweit begangen, und ich darf doch sagen, dass er hier in Ahlen ein ganz besonderes Ereignis ist.
Hier, wo ab den 1960er Jahren zahlreiche „Gastarbeiter“ aus unterschiedlichen Ländern gemeinsam mit Deutschen ihre Schichten schoben, soll heute zusammen gefeiert werden. Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch sagte bereits: „Wir riefen Arbeitskräfte und Menschen kamen“ – und das ist gut so! Menschen mit und ohne Migrationshintergrund betrachten Ahlen als ihre Heimat, und viele von ihnen sind heute hier, und das freut mich sehr!
Es hat lange gedauert, bis wir erkannt haben, dass ein Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen, kulturellen oder religiösen Wurzeln nicht von heute auf morgen und nicht ohne Unterstützung funktioniert.
Mit dem Zuwanderungsgesetz und dem vom Nationalen Integrationsplan angestoßenen Denkprozess haben wir dieses Stadium heute überwunden. In Bund, Ländern und Kommunen steht das Thema Integration ganz oben auf der Tagesordnung. So werden auch und besonders in Ahlen zahlreiche Maßnahmen initiiert, vielfältige Projekte und Integrationsprogramme auf unterschiedlichen Ebenen entwickelt, um Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg in die deutsche Gesellschaft zu begleiten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie die Chancen, die unser Land bietet, alle für sich nutzen können.
„Miteinander statt Nebeneinander“ hat in unserer Stadt einen ganz besonderen Stellenwert und liegt mir auch persönlich sehr am Herzen. Integration ist in den vergangenen Monaten sehr in das Blickfeld des öffentlichen Interesses und der Medien gerückt, und das nicht immer unter Gesichtspunkten, die uns in dieser wichtigen Aufgabe weiterbringen. Ich plädiere deshalb dafür, die gute Arbeit vor Ort fortzuführen, statt sich durch eine hitzige Debatte von den wirklich wichtigen Dingen ablenken zu lassen.
Wie ich heute bereits einmal sagte, leben in Ahlen 6.305 Ausländerinnen und Ausländer aus über 90 verschiedenen Nationen, das sind 12 % der Bevölkerung. Und damit sind nur die mit ausländischem Pass gemeint. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte leben in Ahlen 16.400 Personen, dies entspricht 31 % der gesamten Bevölkerung.
Es gibt also genügend Gründe – moralische, soziale, demographische und viele weitere – sich gemeinsam für ein friedliches und gedeihliches Miteinander einzusetzen. Der heutige Tag ist dabei ein Baustein von vielen, die notwendig sind.
Der Bundesinnenminister a. D. Otto Schily sagte, als er den bundesweiten „Tag der Integration“ 2005 ausrief: „Unsere Gesellschaft setzt sich engagiert und erfolgreich mit dem Thema Integration auseinander. Die große Bandbreite gelungener Initiativen hat mich beeindruckt. Die Kommunen legen in ihren Integrationskonzepten besonderen Wert auf die Bildungs- und Sprachförderung." Dementsprechend ist es bereits Konsens geworden, dass Bildung und Sprache die „Schlüssel zur Integration“ sind.
Sprache ist der Zugang zur Gesellschaft. Ohne die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, ist man zwangsläufig vom sozialen Leben, aber auch von großen Teilen des Arbeitsmarktes ausgeschlossen. Bildung ist der Schlüssel zu sozialem Aufstieg und gesellschaftlichem Erfolg. Gemeinsam sind Sprache und Bildung Grundlage und Ausgangspunkt für Chancengleichheit und Teilhabe.
Aus den unterschiedlichsten Statistiken sehen wir, dass teils große Unterschiede zwischen deutscher Bevölkerung und Migranten bestehen. Bildungsdefizite spielen hier eine besondere Rolle. So haben 14,2 % der Menschen mit Migrationshintergrund keinen allgemeinen Schulabschluss, bei Personen ohne Migrationshintergrund nur 1,8 %. Dieses Problem setzt sich auf dem Arbeitsmarkt fort: Unter den Ausländern ist die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie unter den Deutschen.
Dennoch darf man nicht alles negativ sehen: Umfragen kommen nämlich auch zu dem Ergebnis, dass das Bildungsniveau der zweiten und dritten Generation im Vergleich zu der Generation der Eltern stetig steigt und man durchaus von Bildungserfolgen sprechen kann. Beispielsweise haben nach einer Repräsentativuntersuchung des BMI 42 % der türkischstämmigen Migranten eine höhere Schulbildung als ihre Eltern.
Solche Erfolge gründen sich auch auf die stetigen Bemühungen von Einzelpersonen und Institutionen.
Mein Dank gilt in diesem Sinne besonders den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bildungseinrichtungen, den Angehörigen der Parteien, Wohlfahrtsverbände, der Migrantenselbstorganisationen, der Gewerkschaften und aller anderen Vereinen und Institutionen, die sich heute hier einbringen – Integrationsarbeit wird hier in der Vielfalt präsentiert! Darüber hinaus freue ich mich besonders über jeden interessierten Ahlener, der den Weg hierher gefunden hat, um mit uns gemeinsam zu feiern.
Last but not least möchte ich an dieser Stelle allen, die diese Veranstaltung mitorganisiert haben, danken: Von der Praktikantin bis zur Teamleitung haben alle großen Einsatz gezeigt.
Bevor wir zum Höhepunkt des heutigen Tages übergehen, der Verleihung des Integrationspreises, möchte ich an Herrn Ugur Dogan, Vorsitzenden des Integrationsrates, übergeben. Dabei möchte ich mich auch bei dem dieses Jahr erstmalig gewählten Integrationsrat bedanken, der an diesem Tag Mitveranstalter und somit ein wichtiger Kooperationspartner ist!
Vielen Dank.
Laudatio von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller für die Preisträger des Integrationspreises 2010
Nun darf ich zu einem für mich besonders schönen Teil der Veranstaltung übergehen, der Verleihung des Integrationspreises, was mir eine ganz besondere Ehre und Freude ist!

Zum 2. Mal werden in diesem Jahr Ahlener Bürgerinnen und Bürger oder Institutionen ausgezeichnet, die sich ganz besonders um die Integration in unserer Stadt verdient gemacht haben.
Es sind zahlreiche Vorschläge aus den unterschiedlichsten Bereichen eingegangen: von Privatpersonen, über Kindergärten und Schulen, Projekten und Firmen war alles dabei. Die Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, das können Sie mir glauben.
Auch die, die den Preis heute nicht verliehen bekommen können, haben Großes geleistet. Mein herzliches „Dankeschön“ gilt in diesem Sinne nicht nur den Vorgeschlagenen, sondern auch allen anderen, die sich für unsere schöne Stadt einsetzen.
Nun aber zu der Preisverleihung, auf die Sie sicherlich bereits gespannt sind: Da es, wie gesagt, zahlreiche gute Vorschläge gab, hat sich die Jury darauf geeinigt, den Integrationspreis der Stadt Ahlen auf drei Preisträger aufzuteilen, wobei leider nur einer diesen schönen Pokal mitnehmen kann.
Ohne damit eine Rangfolge suggerieren zu wollen, möchte ich zunächst auf Silvia Berheide zu sprechen kommen.
Frau Berheide setzt sich seit über 10 Jahren für die Bildung von Kindern und deren Integration ein. In der Offenen Ganztagsschule der Freiligrathschule ist sie in der Leseförderung höchst aktiv und gehört zu den Initiatorinnen der Schulbücherei. Dies tut sie nicht für Geld, sondern vollständig ehrenamtlich! Die Freiligrathschule hat mit fast 80 % einen sehr hohen Anteil von überwiegend türkischstämmigen Migrantenkindern, denen sich Frau Berheide intensiv und liebevoll widmet, insbesondere Kindern mit Lese- und Sprachschwächen. Wir möchten Frau Berheides langfristiges und stetiges Engagement würdigen. Sie ist niemand, der sich selbst in den Vordergrund drängt, sondern bringt sich durch großen persönlichen Einsatz im Hintergrund still und bescheiden ein – dies ist kaum hoch genug wertzuschätzen.
Als nächstes freue ich mich sehr, die städtische Kindertageseinrichtung Wetterweg auszeichnen zu dürfen.
Diese Kindertagesstätte ist seit Jahren über das normale Engagement hinaus insbesondere für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte aktiv. Über 90 % der Kinder dort haben einen Migrationshintergrund, und dieser Herausforderung begegnet das Team vom Wetterweg mit viel Einsatz, stetig neuen Ideen und passgenauen Angeboten. Hier wird auf Chancengleichheit ab den Kinderschuhen hingearbeitet und interkulturelle Pädagogik beispielhaft gelebt. Gerade Sprache als „Schlüssel zur Integration“ wird hier intensiv gefördert. Nicht nur bei den Kindern, sondern – Stichwort „Rucksackprojekte“ – auch bei den Eltern. Die Elternarbeit und Einbeziehung von Müttern mit Migrationshintergrund zur Förderung und Stärkung der Erziehungskompetenz fällt auf sehr fruchtbaren Boden und macht der Kindergarten Wetterweg zu einem unglaublich wichtigen Baustein auf dem Weg zu erfolgreicher Integration.
So, wie zuvor gesagt: den Pokal kann leider nur eine oder einer mitnehmen.
Und in diesem Jahr geht er an … die Ditib-Moschee Ahlen! Die DITIB-Moschee als größte muslimische Gemeinschaft in Ahlen gehört zu den aktivsten Migrantenselbstorgansiationen unserer Stadt und hat sich nicht nur als Ort des Glaubens, sondern besonders auch als soziales und kulturelles Zentrum und Begegnungsstätte für alle Menschen unabhängig von Herkunft oder Religion etabliert.
Integration ist ein Prozess, der von einem Nebeneinander nur über eine Auseinandersetzung zu Akzeptanz und Miteinander führen kann. Deshalb ist es so wichtig, dass wir den Dialog mit den Muslimen in Deutschland, die ganz überwiegend durch Zuwanderung zu uns gekommen sind, pflegen.
Wer es aufmerksam beobachtet hat, wird in den letzten Jahren festgestellt haben, dass hier eine zunehmend stärkere Öffnung zur gesamten Stadt Ahlen erfolgt, was wir außerordentlich begrüßen. Ich denke dabei nicht nur an das gemeinsam gefeierte Ramadanfest, bei dem jeder willkommen ist, den gut besuchten „Tag der offenen Moschee“ oder die gemeinsame Blutspendeaktion mit dem DRK. Die DITIB zeigt auch Präsenz nach außen bei städtischen und sozialen Veranstaltungen und sucht den Kontakt zu Bevölkerung und Öffentlichkeit.
Auch die Frauenförderung wird zunehmend bewusst intensiviert. Seit Mai 2010 ist eine weibliche Religionsbeauftragte in der Gemeinde tätig, die sich vor allem die Bildungsförderung von Frauen und Kindern zum Ziel gesetzt hat.
Die DITIB hat gezeigt, dass ihr ein interkultureller Dialog (z.B. durch zahllose Führungen, die sie leisten), aber auch Sprachförderung (z.B. durch Integrationskurse in den Räumlichkeiten der Moschee) und Ehrenamtsförderung am Herzen liegt und die Moschee für alle interessierten Ahlener offen ist. Mit dem Integrationspreis möchten wir den kooperativen und aufgeschlossenen Charakter der DITIB als vorbildlich würdigen. Dabei hoffen wir, dass der begonnene Prozess der Öffnung weiter fortgeführt wird.
Nun darf ich mit Freude den Vorsitzenden der DITIB-Gemeinde, Veli Cubukcu, gerne mit einigen Vereinsmitgliedern auf die Bühne bitten.
Die Preisträger 2010 auf einen Blick - gemeinsam mit Bürgermeister Benedikt Ruhmöller und Ugur Dogan, dem Vorsitzenden des Integrationsrates der Stadt Ahlen


