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04.05.2011 Begrüßung der Landesgartenschau-Jury in der Lohnhalle der Zeche Westfalen

Der 4. Mai 2011 hat sich in die Geschichte Ahlens eingeschrieben: Mit einem fantastischen Volksfest unter Beteiligung unzähliger Einrichtungen, Gruppierungen, Bürgerinnen und Bürger hat sich die Stadt begeisternd und überzeugend für die Landesgartenschau 2017 beworben. Es war eine großartige, freudvolle Gemeinschaftsaktion auf vielen Plätzen und Wegen, und auch die Jury für die LaGa 2017 zeigte sich davon tief beeindruckt. Diese elfköpfige Bewertungskommission wurde von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller in der Lohnhalle der früheren Zeche Westfalen zu ihrem Ahlen-Besuch willkommen geheißen:

Herzlich begrüße ich Sie zur Präsentation der Stadt Ahlen für die Landesgartenschau 2017! Dazu haben wir uns in der Lohnhalle der früheren Zeche Westfalen getroffen. Diese Lohnhalle ist inzwischen eine „gute Stube“ nicht nur für den Ahlener Osten, den Zechenstadtteil, sondern für die ganze Stadt. Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, Messen und Feste finden hier inzwischen Platz.

Früher gingen hier täglich Tausende Kumpel ein und aus. Nebenan befinden sich ja die damalige Weiß- und Schwarzkaue, die heute als Soccerhalle und Kletterkaue für den Freizeitsport genutzt werden. Falls Sie noch mal wiederkommen, was ich spätestens 2017 erwarte, können Sie hier indoor fast 25 Meter hoch kraxeln. Auch die NRW-Meisterschaften im Klettern werden gerne in unserer Kletterkaue durchgeführt.

Doch Sie werden auch heute schon ein ziemlich anstrengendes Programm erfahren. Aber ein Programm, das Sie erstaunen und beeindrucken, das Ihnen Spaß machen und Sie letztlich davon überzeugen soll: Die Landesgartenschau 2017 muss in Ahlen stattfinden. Dafür gibt es drei bestechende Gründe:

1.    Diese Stadt verfügt über eine faszinierende Konzeption für eine ambitionierte LaGa.
2.    Ahlen versteht sich seit jeher als „Industriestadt im Grünen“. Es ist eine attraktive, gastfreundliche und weltoffene Stadt mit außerordentlichen Entwicklungspotenzialen.
3.    Die Bürgerinnen und Bürger aller gesellschaftlichen Gruppen und Generationen – besonders auch die jungen Leute – wollen die LaGa und sind jetzt schon davon begeistert.

Dies alles möchten wir Ihnen heute beweisen. Was erleben Sie an diesem Nachmittag? Zunächst kommen gleich zwei große Freunde Ahlens zu Wort:

-    Der Oberbürgermeister unserer Nachbarstadt Hamm, Thomas Hunsteger-Petermann, wird mit seinem Blick über die Lippe bestätigen, dass die LaGa 2017 in Ahlen gut und richtig verortet ist.
-    Als Vertreter der Ahlener Wirtschaft und als Sprecher der Bürgerstiftung wird Franz Tripp versichern, dass die LaGa hier von den Unternehmen und von der Bürgerstiftung nachdrücklich gewünscht und unterstützt wird.

Danach werden Ihnen unsere Planungsexperten Friedhelm Terfrüchte und Mattias Bartmann die Konzeption „Ahlen im Trialog“ präsentieren.

Nach dieser halben Stunde an Reden folgen zur Entspannung bewegte Bilder: ein Film von und mit Original Ahlenern. Anschließend geht’s endlich an die frische Ahlener Luft und in die Ahlener Sonne, und zwar hoch hinaus: Wir laden Sie ein auf Schacht 1, eines der beiden Schachtgerüste auf „Westfalen“. Von dort oben wollen wir Ihnen einen wunderschönen Blick übers Bergbaugelände zu bieten. Dieses Areal hat seit der Zechenschließung im Jahre 2000 schon eine prächtige Entwicklung genommen, auch dank der Förderung des Landes. Doch die weitere Aktivierung der Flächen – immerhin über 50 Hektar – benötigt eine weitere große Kraftanstrengung.

Nach der Besteigung des Schachtgerüstes geht’s munter weiter. Wir laden Sie ein zu einer erlebnisreichen Radtour durch die – davon bin ich überzeugt – spannendste Stadt des Münsterlandes.

Ahlen versteht sich als die „Industriestadt im Grünen“! Diesen Begriff nutzte die Stadt jahrzehntelang als Slogan. Noch älter ist der Dreiklang „Pütt Pott Ploug“, nach dem sich auch die älteste Ahlener Karnevalsgesellschaft – gegründet 1936 – benennt. „PPP“ steht für den Bergbau („Pütt“), die Emaille-Industrie („Pott“) und die Landwirtschaft (Pflug).

Die Begriffe „Industriestadt im Grünen“ und „Pütt Pott Ploug“ machen deutlich: Es sind die wirtschaftliche Entwicklung und vor allem die starke Industrie, die Ahlen prägen und groß und stolz gemacht haben. Diesen Ort gibt es nachweislich schon seit Karl dem Großen. Im Jahr der LaGa 2017 können wir unser 793. Stadtrechtsjubiläum feiern. Aber erst mit der Köln-Mindener Eisenbahn 1847 setzten der wirtschaftliche Aufschwung, die Industrialisierung und ein enormes Bevölkerungswachstum ein.

Heute ist Ahlen mit knapp 54.000 Einwohnern auf 123 Quadratkilometern der big apple, nämlich die mit Abstand größte Stadt im Kreis Warendorf, die viertgrößte Stadt im Münsterland. Als Schulstandort und Einkaufszentrum, als Kulturmetropole und Sporthochburg sind wir ein regional weithin ausstrahlendes Mittelzentrum.

Wenn ich gesagt habe, dass die industrielle Entwicklung (die früheren Schuhfabriken und die Emailleindustrie, der Bergbau und die Metallverarbeitung, der Maschinenbau und Chemieunternehmen) diese Stadt geprägt und stolz gemacht haben, dann gilt ebenso der Umkehrschluss: Aufgrund der gravierenden wirtschaftlichen Veränderungen steht Ahlen heute vor enormen Herausforderungen. Wir befinden uns in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel.

Der Bergbau wurde Mitte 2000 gedeckelt. Mit der Zeche Westfalen schloss damals der größte Arbeitgeber des Kreises Warendorf seine Tore (bis zu 4.000 Beschäftigte). Die einst deutschlandweit beherrschende Ahlener Emailleindustrie wird heute nur noch von der Firma „Kaldewei“ vertreten. Dabei handelt es sich allerdings um das namhafteste Ahlener Unternehmen, einen weltweit renommierten Badewannen-Hersteller. Ebenso stehen unsere anderen Wirtschaftszweige in umfassenden Anpassungsprozessen. Dies gilt bekanntlich für die Landwirtschaft wie für den Maschinenbau. So haben wir 2004 die Schließung des bekannten Waschmaschinen-Herstellers „Blomberg“ verkraften müssen.

Mit einer dynamischen Wirtschaftsförderung, konzentriert auf die vielfältige, innovative und exportstarke Mittelstandslandschaft, begegnen wir der Herausforderung des wirtschaftlichen Strukturwandels. Genauso wichtig ist es, diese Stadt im regionalen Umfeld und im ganzen Land neu, attraktiv, bildungs- und gesundheitsbetont sowie ökologisch ambitioniert zu positionieren. Wir brauchen dafür eine integrative Neudefinition des Stadtbildes und des Städtebaus.

Die Eisenbahn, die uns die Industrialisierung und den wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, führt heute als Hochbahn quer durch die Stadt. Sie teilt Ahlen. Es gibt das münsterländisch geprägte alte Ahlen im Norden und Westen sowie die industriell und bevölkerungsmäßig stärkeren Stadtteile im Osten und Süden. Sie sind stark von der Bergbaugeschichte geprägt. Die geographische und wirtschaftsgeschichtliche Teilung der Stadt bedeutet auch eine tiefgreifende mentale Trennung.

Die Hochbahn stellt insofern eine schwierige Restriktion unserer gesamtstädtischen Entwicklung dar. Der „Ahlener Trialog“ überwindet nun die Teilung Ahlens. Er lässt entlang der Gewässer und auf der alte Zechenbahntrasse neue Wege entstehen. Die verschlafenen Parkanlagen werden für die Bildung, den Sportbetrieb und die Gesundheitspflege neu aktiviert. Unsere LaGa-Konzeption rückt das große Bergbauareal, das fast hundert Jahre lang unzugänglich war, hinein in die Stadt Ahlen.

Von entscheidender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit Ahlens ist vor allem die Bildungsförderung. Wir müssen allen jungen Leute eine stabile Bildungsbasis für einen erfolgreichen Berufsweg gewährleisten. Deshalb investiert die Stadt in ihre Schulen mehr als in alle anderen Handlungsfelder. Unsere Schulen liegen größtenteils an dem „Ahlener Trialog“, und der Bildung wird ein maßgeblicher Stellenwert in der Ahlener LaGa 2017 zukommen.

Doch das Wichtigste ist: Die Landesgartenschau in Ahlen führt die Menschen zusammen! Zum einen innerhalb der Stadt und auf neuen Wegen, auf dem Zechenstandort und in unseren Parkanlagen. Dies ist von ganz wesentlicher Bedeutung in einer Stadt, in der jetzt schon mehr als zwanzig Prozent der Bevölkerung und über vierzig Prozent der Erstklässler einen Migrationshintergrund haben – mit rasch wachsender Tendenz. Hier kommt der Integration der Stadtteile, der Wohnquartiere und gesellschaftlichen Gruppen eine erhebliche Zukunftsrelevanz zu.

Überdies kann Ahlen mit der LaGa endlich auch der geografischen Funktion als Brückenkopf zwischen dem Münsterland und dem Ruhrgebiet gerecht werden. Hier verknüpfen sich die münsterländische Hundert-Schlösser-Route und die Route Industriekultur des Ruhrgebiets. Hier treffen sich zwei starke Wirtschaftsräume mit einem Einzugsbereich von mehreren Millionen Menschen – wenn uns die LaGa die Möglichkeit bietet, auch die Jahrhunderte alte Grenze der Lippe zu überwinden.

All’ diese Aspekte sind es, die unsere Konzeption für die Landesgartenschau auszeichnen. Sie haben den Rat der Stadt Ahlen überzeugt, einstimmig der Bewerbung zuzustimmen.

Jetzt schon, im Stadium unserer Bewerbung, sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ebenso wie Rat und Verwaltung überzeugt und begeistert von den Möglichkeiten der Landesgartenschau 2017. Das wollen wir Ihnen heute beweisen. Wir haben verstanden, was mit der LaGa 2017 geht, nämlich:

-    unserem Städtebau, der Stadtentwicklung und dem wirtschaftlichen Strukturwandel einen starken, nachhaltigen Impuls geben,
-    dieses alte, prägende Bergbauareal öffnen und neu inszenieren,
-    das ganze Stadtbild neu definieren, ökologisch gestalten und vor allem
-    die Menschen innerhalb Ahlens und in der Region weithin zusammen führen.

Die LaGa soll das Image dieser Stadt als weltoffen und gastfreundlich unterstreichen. Sie soll den Einheimischen neue Identität und mehr Selbstbewusstsein vermitteln. Sie soll unseren Gästen ein lebendiges, lebensfrohes, stolzes Ahlen präsentieren.

Dies alles kann uns gelingen, wenn Sie – die Bewertungskommission – heute von der LaGa-Konzeption „Ahlen im Trialog“ überzeugt werden. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie uns dafür jetzt Ihre Zeit schenken.

Glückauf!