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Neujahrsempfang der Stadt Ahlen am 9. Januar 2011: Würdigung der Ahlener Stiftungen

Foto: Bürgermeister Benedikt Ruhmöller würdigte die Arbeit der Ahlener Stiftungen.
Bürgermeister Benedikt Ruhmöller würdigte die Arbeit der Ahlener Stiftungen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

was mit dem Begriff „stiften gehen“ gemeint ist, wird Ihnen bekannt sein. Wo dieser Ausdruck für „abhauen“ oder „sich davon stehlen“ herkommt, werden Sie allerdings ebenso wenig erklären können wie der Duden, der vor einer Deutung des Begriffes kapituliert.

Überhaupt nichts mit „abhauen“ oder gar „sich davon stehlen“ haben jedoch das Stiften und die Stiftungen zu tun, die wir jetzt aus gegebenem Anlass würdigen wollen. Dieser Anlass liegt in der Gründung der Bürgerstiftung Ahlen im letzten Quartal 2010. Damit wurde Ahlen, wie ich meine, in einer großartigen Weise beschenkt.

Doch was ist eine Stiftung, gar eine Bürgerstiftung, und warum ist eine solche so wertvoll für unser Gemeinwesen? Juristisch gesehen besteht eine Stiftung im Wesentlichen aus einem Vermögen sowie einem Zweck, dem das Vermögen dient. Dabei liegt das Kluge darin, dass das Vermögen sich nicht verzehren, sondern nur mit seinem Ertrag dem Zweck dienen darf. Deshalb ist eine Stiftung in aller Regel immerwährend. Tatsächlich gibt es uralte Stiftungen wie die berühmte Fuggerei in Augsburg von 1516.

Ihren besonderen Wert erfährt eine Stiftung allerdings erst, wenn sie einem öffentlichen und gemeinnützigen Zweck dient. Dann gehen die Stifter und die Stiftung eben überhaupt nicht stiften, sondern stellen sich in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Dieses gilt tatsächlich für all’ jene neun Stiftungen, die in Ahlen teilweise schon seit vielen Jahren wohltätig wirken. Die Gemeinnützigkeit und Wohltätigkeit dieser Stiftungen verdienen allemal, dass wir sie würdigen, ihnen danken und für sie werben.

Der konkrete Anlass für diese meine heutige Würdigung und Werbung fand am 14. Dezember 2010 statt. An diesem Tag wurde nach langem Anlauf die Bürgerstiftung Ahlen staatlich anerkannt und sozusagen aus der Taufe gehoben. Hierbei handelt es sich nicht nur um die jüngste, sondern auch um eine ganz besondere Stiftung. Die Bürgerstiftung möchte ein Sammelbecken sein für bürgerschaftliches Engagement, für Zuwendungen aus allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. Mit dem Ertrag des gesammelten Vermögens und darüber hinaus mit Spenden möchte sie möglichst viel Gutes speziell in Ahlen bewirken.

Beim Neujahrsempfang vor zwei Jahren habe ich eine solche Bürgerstiftung für Ahlen in Aussicht gestellt. Heute bin ich sehr froh darüber, dass sich eine Reihe wackerer Ahlener Bürgerinnen und Bürger spontan bereit gezeigt hat, das Vorhaben zu realisieren. Diese Bemühungen waren höchst erfolgreich; die 110 Erst-Stifter brachten immerhin 153.000 Euro zusammen. Der Stiftungszweck betrifft im Grunde sämtliche Lebensbereiche unserer Stadt. Dabei legt die Bürgerstiftung großen Wert darauf, dass sie nicht die öffentliche Hand ersetzt. Insofern stellt die Stiftung einen echten Mehrwert dar.

Ich möchte heute allen, die an der Gründung der Bürgerstiftung mitgewirkt haben, herzlich danken; namentlich dem Vorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden Franz Tripp sowie aus Heintraud Schmelting, Gerd Grabenschröer und Hans Suntrup, sowie dem Stiftungsrat.
Und ich möchte es nicht versäumen, gerade für unsere Bürgerstiftung nachdrücklich zu werben. Denn diese ist unablässig auf Zustiftungen und Spenden angewiesen, um möglichst bald für unsere Stadt nachhaltig wirksam werden zu können. Bitte sprechen Sie heute mit den Verantwortlichen der Bürgerstiftung; sie sind für alles Interesse und jede Zuwendung dankbar!

Von ganz anderer Natur als die sehr breit angetretene Bürgerstiftung ist die Annelie-Leifeld-Stiftung. Denn sie fußt auf dem persönlichen finanziellen Engagement der verehrten Frau Annelie Leifeld, die ich an dieser Stelle herzlich begrüße, gemeinsam mit den weiteren Verantwortlichen ihrer Stiftung. Doch so privat diese Stiftung auch motiviert war, so stark ist sie für viele öffentliche Projekte tätig, für die sonst niemand einstehen könnte.

Lassen Sie mich für das Wirken der Annelie-Leifeld-Stiftung nur einige wenige Beispiele nennen: Mit erheblichen Zuwendungen wurden die Ferienangebote zur Leseförderung in unserer Stadtbücherei, die Ausstattung von Notebook-Klassen in der Diesterwegschule sowie das anspruchsvolle Projekt „Demokratietraining und Integrationsassistenzen“ gefördert. Ich weiß, dass die Annelie-Leifeld-Stiftung auch in vielerlei Hinsicht im Stillen wirkt, um vor allem bedürftige Menschen, kirchliches Engagement und kulturelle Einrichtungen zu unterstützen. Es handelt sich stets um segensreiches Wirken; dafür von dieser Stelle aus ein herzliches „Dankeschön“ der Stadt Ahlen.

Die Theodor-F.-Leifeld-Stiftung brauche ich in diesem Saal wohl nicht näher vorzustellen. Denn diese vermutlich reichste Ahlener Stiftung hat sich besonders eindrucksvoll in Szene gesetzt. Sie trägt das Kunstmuseum, eine deutschlandweit bekannte, höchst renommierte Kultureinrichtung unserer Stadt. Heute möchte ich für ihr Engagement einmal all’ den rührigen Stiftungsverantwortlichen, namentlich dem Vorsitzenden Meinolf Wiesehöfer Dank sagen, stellvertretend für den verstorbenen, überaus großherzigen Stifter Theodor F. Leifeld.

Nicht von ungefähr engagieren sich die ortsansässigen Geldinstitute gern über Stiftungen nachhaltig und wohltätig für unser Gemeinwesen. Dies gilt selbstverständlich für unsere Sparkasse Münsterland Ost und ihre Sparkassenstiftung sowie für die VIA-Stiftung der Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf.

Nachdem die Sparkassenstiftung ursprünglich ausschließlich der Kunst- und Kulturförderung diente, hat sie bei der Fusion unserer Ahlener Sparkasse mit der münsterschen Großsparkasse ihren Stiftungszweck erheblich ausgeweitet. Dafür wurde auch das Stiftungskapital deutlich aufgestockt. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Stiftungsaktivitäten liegt heute in der Förderung besonders talentierter Schülerinnen und Schüler. Daneben wird allerdings die Kunstförderung nicht vernachlässigt, wie man an zahlreichen Kunstwerken im öffentlichen Raum unseres Stadtgebietes oder bei anspruchsvollen kulturellen Veranstaltungen erkennen kann.

Die VIA-Stiftung der Volksbank widmete sich ursprünglich vor allem der Ausbildungsförderung. So hat die VIA immer wieder innovative Ausbildungsangebote wie die Verbundausbildung honoriert und sogar einen speziellen „Ausbildungs-Oscar“ vergeben. In starkem Maße förderte diese Stiftung das Phänomexx-Projekt unserer Schulen auf der früheren Zeche Westfalen. Mit der Ausweitung des Förderzweckes erreicht die VIA nun auch andere Zielgruppen, insbesondere bedürftige Familien.

Auf jeden Fall gelten der Sparkasse und der Volksbank für das vielfältige gemeinnützige finanzielle Engagement ihrer Stiftungen in Ahlen unser aller Dank!

Ebenfalls von einem Unternehmen, jedoch mit starker Einflussnahme der Belegschaft und vor allem des Betriebsrates wurde die namhafte Glückauf-Stiftung ins Leben gerufen. Das Vermögen dieser Stiftung stammt aus der Unterstützungskasse des im Jahre 2000 gedeckelten Bergwerks Westfalen. Entsprechend dieser Herkunft sollen die Erträge vor allem dazu dienen, den Strukturwandel im Ahlener Osten sozial abzufedern, den früheren Bergarbeiter-Familien zu helfen und die diesbezüglichen Einrichtungen zu unterstützen.

Deshalb ist die Glückauf-Stiftung ein echter Glücksbringer für die Stadt und vor allem für den Ostenstadtteil. Mit kleineren und größeren Beträgen hat sie zum Beispiel die überobligatorische Ausstattung von Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen unterstützt. Sie hat die sogenannte Muse-Kulturförderung an Grundschulen gegenfinanziert, Zirkus- und Theaterprojekte und andere Veranstaltungen ermöglicht.

Besonders reizvoll an dieser Stiftung finde ich, dass sie sich grundsätzlich nur anteilig engagiert und dadurch gezielt zusätzliche Zuwendungen anderer Stellen provoziert. Vielen Dank den früheren Bergleuten, dem Betriebsrat und den Stiftungsgremien der Glückauf-Stiftung!

Abschließend möchte ich noch drei Stiftungen erwähnen, die vielleicht weniger bekannt sind, weil sie einen spezielleren Zweck verfolgen oder erst kürzlich gegründet wurden. Sie verdienen gleichwohl, gewürdigt und unterstützt zu werden, denn gemeinnützig sind sie allemal unterwegs.

Die Käthe Rosenzweig / Muesmann-Stiftung wurde 1990 von privater Seite gegründet und fördert mit ihren Erträgen speziell die Arbeit des Roten Kreuzes in Ahlen.

Die St. Bonifatius-Stiftung verdanken wir im Grunde dem Priestermangel der katholischen Kirche. Denn dieser Mangel ist ja wohl der Hauptgrund für die Pfarr-Fusionen. Nach dem Zusammenschluss mehrerer Pfarreien zur Bonifatius-Gemeinde wurde ein verfügbares Spendenkapital in die Bonifatius-Stiftung angelegt, um innerhalb der Großgemeinde in vielfältiger Hinsicht segensreich zu wirken.

Schließlich erwähne ich die noch etwas unbekannte und erst knapp zwei Jahre alte, aber doch schon ziemlich vermögende Kinder- und Jugendstiftung des Rotary Clubs Ahlen. Dafür haben, wie der Name schon sagt, die hiesigen Rotarier zusammengelegt, und der Ertrag der Stiftung ist ausschließlich für die Förderung der jungen Generation bestimmt.

Ich bin davon überzeugt: Sie alle sind mit mir der Meinung, dass all’ diese Stiftungen ein dickes „Dankeschön“ verdient haben! Dieser Dank gilt den Menschen, die so großzügig in die Stiftungen eingezahlt haben – was übrigens grundsätzlich auch steuerlich absetzbar ist –, ferner den Müttern und Vätern, die die Stiftungen in die Welt gesetzt haben, sowie schließlich den Verantwortlichen in den Stiftungsgremien.

Diesen Dank spreche ich ausdrücklich auch im Namen all’ der vielen Einrichtungen, Organisationen und bedürftigen Menschen aus, die bisher und zukünftig von den Zuwendungen der Stiftungen profitieren.

„Es bleibt einem im Leben nur das, was man verschenkt hat“, sagte Robert Stolz. In diesem Sinne verbinde ich mit meinem Dank an die Stiftungen die Bitte an Sie alle: Tun Sie was dafür, dass viel von Ihnen bleibt; unterstützen Sie unsere Ahlener Stiftungen!