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Neujahrsempfang der Stadt Ahlen am 9. Januar 2011: Begrüßungsrede von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller

Foto: Benedikt Ruhmöller bei seiner Begrüßungsrede am 09. Januar 2011.
Benedikt Ruhmöller bei seiner Begrüßungsrede am 09. Januar 2011.

Sehr geehrte Damen und Herren!

„Haben Sie keine Angst vor der Zukunft – sie beginnt erst morgen.“ So habe ich Sie im letzten Jahr zum Neujahrsempfang begrüßt. In diesem Jahr möchte ich auf den Ausspruch von Zako Petan mit der Feststellung von Sven Hedin antworten: „Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.“

So ist es tatsächlich: Viele Sorgen, die uns noch vor einem Jahr besonders wegen der globalen Wirtschaftskrise plagten, haben sich nicht realisiert. Das Jahr 2010 verlief für unsere Stadt Ahlen wie für ganz Deutschland erheblich unproblematischer, ja glücklicher, als wir zu Jahresbeginn befürchten mussten.

Deshalb möchte ich Sie heute zu einem möglichst unbeschwerten und vor allem zuversichtlichen Neujahrsempfang begrüßen! Viele liebe Gäste sind meiner Einladung gefolgt. Darüber freue ich mich, und ich werte Ihre Teilnahme als freundschaftliche Verbundenheit zur Stadt Ahlen. Diese Verbundenheit schätze ich sehr.

Unser Neujahrsempfang ist nun schon eine gute alte Tradition. Heute erleben wir in einer Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal habe ich jene jungen Ahlener eingeladen, die im letzten Jahr hier ihr Abitur gemacht und dabei mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen haben. Es gibt insgesamt 35 dieser schulischen Überflieger. Sie haben an unseren Gymnasien, an der Gesamtschule oder den Berufskollegs ein hervorragendes Abi gebaut. Viele von ihnen befinden sich nun zum Studium oder zur Berufsausbildung auswärts; in einem Fall sogar zur Entwicklungshilfe in Tansania.

Doch eine ganze Reihe Einser-Abiturienten kann ich heute begrüßen. Ich gratuliere Ihnen allen zu Ihrem sehr guten Schulabschluss und freue mich, dass Sie heute den Weg in unser Rathaus gefunden haben. Bitte bleiben Sie Ihrer schönen Heimatstadt auch zukünftig auf Ihrem Berufsweg verbunden! Die Stadt Ahlen als florierender Wirtschaftsstandort ist auf so kluge junge Leute wie Sie angewiesen. Ihr Interesse und Ihr Engagement werden Ihnen hier mit aussichtsreichen beruflichen Perspektiven gedankt.

Gemeinsam mit den erfolgreichen Abiturienten möchte ich eine große Zahl an Schulleiterinnen und Schulleitern willkommen heißen. Viele von Ihnen haben ein besonders schweres Jahr hinter sich, bzw. Sie befinden sich noch in einer harten Doppelbelastung. Denn neben Ihrer wirklich wichtigen, anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit mussten bzw. müssen Sie auch noch den Aufwand und die Unruhe, den Lärm und Dreck umfangreicher Baumaßnahmen erdulden und erleiden.

2010 war für Ahlen ein Jahr bedeutender Schulbaumaßnahmen, die zum Teil noch fortzusetzen sind. Bei diesen Maßnahmen geht es auch um bauliche bzw. energetische Verbesserungen. Mehr noch jedoch haben wir die Stärkung unserer Schulen für ihren Bildungsauftrag im Auge. Es reicht ja nicht, zum Beispiel die Realschule und das Gymnasium zu Ganztagsschulen zu erklären, sie damit erheblich höheren Anforderungen auszusetzen, oder von den Grundschulen mehr Anstrengungen bei der Qualifizierung der Kinder für die weiterführenden Schulen zu fordern. Dafür muss die Stadt als Schulträger dann auch die Voraussetzungen schaffen.

Deshalb haben wir schon in früheren Jahren jeweils mehrere Millionen Euro in unsere Schulen investiert. 2010 konnten wir Dank der Konjunkturförderung des Bundes und anderer Förderprogramme, aber auch mit eigenen Mitteln noch ordentlich drauflegen; da haben wir deutlich über zehn Millionen Euro in unsere Schulen gesteckt. Die Stadt hat damit ihren ambitionierten Anspruch einer Bildungshochburg von regionaler Bedeutung nachhaltig unterstrichen.

Bei meiner Studienfahrt im Herbst nach Tansania habe ich an einer Grundschule in Bagamoyo den klugen Spruch gelesen: „education is the key of life“ (Bildung ist der Schlüssel des Lebens). Diese afrikanische Weisheit müssen wir weiterhin auch in Ahlen beherzigen, denn unsere jungen Leute brauchen ebenfalls bestmögliche Bildung im weitesten Sinne für ihren persönlichen und beruflichen Lebensweg.

Für uns muss die Devise gelten, und zwar auch in den bevorstehenden, sicher wieder schwierigen Haushaltsberatungen: Verfügbares Geld investieren wir bevorzugt in die Bildung und damit in die jungen Menschen, in deren Köpfe und Zukunft!

Das fängt bereits bei den Kindergärten und der U3-Betreuung an, wofür wir die städtischen Einrichtungen ebenfalls teuer baulich erweitert und aufgewertet haben.

Nun aber zurück zum Protokoll! Es ziemt sich und ist mir eine Ehre, einige politische Prominenz willkommen zu heißen.

Unser Mann in Berlin, Reinhold Sendker, musste sich allerdings gestern abmelden. Ihn hat die Grippe erwischt, wovon wir ihm baldige Genesung wünschen. Ich begrüße dagegen Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Romberg, unseren Vize-Landrat Franz-Josef Buschkamp sowie die weiteren Ahlener Kreisabgeordneten. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie sich auf regionaler Ebene und im Lande für die Stadt Ahlen stark machen.

Immer wieder gerne gesehene Gäste sind Frau Ulrike Wäsche, die Erste Bürgermeisterin von Hamm, und Frau Resi Gerwing, die stellvertretende Bürgermeisterin von Beckum. Durch Ihre Anwesenheit bringen Sie zum Ausdruck, dass die Kommunen unserer Region freundschaftliche Beziehungen pflegen, die uns und vor allem auch den Menschen sehr nützen.

Herzlich begrüße ich unseren Ehrenbürger Herbert Faust – verbunden mit meinem Dank für die fortwährende Unterstützung der Stadt durch kluge Ratschläge und konstruktive Kritik. Den leider erkrankten Ehrenbürgern Horst Jaunich und Imo Moszkowicz gelten unsere besten Wünsche für baldige Genesung und ein gesundes Neues Jahr!

Ich heiße viele namhafte Akteure des Ahlener Wirtschaftslebens, die Vertreter von Industrie, Handwerk und Handel, der Landwirtschaft und Gastronomie, der selbständigen Berufe sowie der Geldinstitute willkommen!

Ihnen ist es maßgeblich zu verdanken, dass 2010 ein gutes Jahr für unseren Wirtschaftsstandort war und wir zuversichtlich nach vorne schauen können. Der wichtigste Indikator der wirtschaftlichen Entwicklung ist für mich die Beschäftigungs- bzw. Arbeitslosigkeitsstatistik. Die Arbeitslosigkeit sank in unserem Teilbereich der Arbeitsagentur von Dezember 2009 bis Dezember 2010 um fast zehn Prozent; das sind 476 Menschen.

Ein anderer Indikator fürs wirtschaftliche Gedeihen ist die Höhe der Gewerbesteuerzahlungen. Dass wir dabei im letzten Jahr die zweithöchste Einnahme in unserer Stadtgeschichte (fast 31 Mio. €) erzielten, wird allerdings nicht jeden erfreuen. Nämlich diejenigen nicht, die zahlen mussten – diese können sich allerdings über ihre guten Betriebsergebnisse freuen.

Neben den Verantwortlichen vieler Unternehmen begrüße ich die Vertreter der Wirtschaftsverbände und Wirtschaftsförderung, der Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände, vieler sozialer Einrichtungen und des Gesundheitswesens, der christlichen und muslimischen Gemeinden. Ich danke Ihnen allen für Ihr starkes Engagement für unser Gemeinwesen, für Ihre Sorge um die bedürftigen Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie für Ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit. In meinen Gruß und Dank schließe ich selbstverständlich die hiesigen Behörden, Polizei und die Freiwillige Feuerwehr ein.

Ein besonders herzliches „Vergelt’s Gott“ gilt den in unserer Stadt zu zahlreich ehrenamtlich tätigen Menschen. Ohne deren Einsatz würde Ahlen verarmen und erkalten. Namentlich danke ich denen, die sich hier im Beirat für behinderte Menschen sowie in dem neuen Integrationsrat engagieren – in zwei sehr agilen Gremien, von denen schon viele wertvolle Impulse ausgegangen sind.

Mit Herrn Wilhelm Büker begrüße ich eine Ahlener Persönlichkeit, die 2010 für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Interessenvertretung für behinderte Menschen eine besondere Auszeichnung erfahren hat: das Bundesverdienstkreuz. Zu dieser verdienten Würdigung durch unseren Bundespräsidenten gratuliere ich Ihnen nochmals herzlich!

Ahlen ist und bleibt eine regionale Metropole der Kultur und des Sports. Dieses Prädikat verdanken wir gleichfalls vor allem denen, die sich dafür ehrenamtlich in Vereinen und Verbänden oder auch professionell in privaten Institutionen – etwa unserem Kunstmuseum – stark machen. Ich heiße dankbar viele Vertreter unseres Kultur- und Sportlebens willkommen und versichere Ihnen, dass die Stadt Ihr Engagement auch zukünftig im Rahmen des Möglichen unterstützen wird.

Ein beherrschendes Thema war im letzten Halbjahr und ist nach wie vor das finanzielle Desaster unseres fußballerischen Aushängeschildes Rot-Weiß Ahlen. Selbstverständlich steht die Stadt – das gilt für alle politischen Akteure – auch diesem Verein zur Seite; das hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung mit einer üppigen Bezuschussung bewiesen. Doch bei der Förderung eines Profi-Clubs stoßen wir an enge Grenzen, die wir im Interesse unserer vielen kommunalen Verpflichtungen streng beachten müssen. Gleichwohl schlägt unser aller Herz rot-weiß, und wir wünschen dem Verein in seinen aktuellen Anstrengungen zur Abwendung der Insolvenz den bestmöglichen Erfolg.

Kultur und Sport leben in unserer Stadt von ehrenamtlichem Engagement. Doch daneben bedarf es ebenso privater finanzieller Zuwendungen. Auch diese werden in Ahlen in einem außergewöhnlichen Maße von Spendern und Sponsoren, Mäzenen und Stiftungen geleistet.

Sie haben bereits dem Programm entnommen, dass ich bei diesem Empfang einmal besonders die hier tätigen Stiftungen würdigen möchte. Jetzt schon danke ich allen, die in uneigennütziger Weise mit ihren privaten finanziellen Mitteln so großzügig dafür sorgen, dass unsere Stadt auch in kultureller und sportlicher Hinsicht höchst attraktiv bleibt.

Wir Ahlener sind stolz darauf, in einer Stadt zu leben, in der eine traditionsreiche und verdienstvolle Garnison ansässig ist. Als Repräsentanten der Westfalenkaserne und des Westfalenregimentes – des Sanitätsregimentes 22 – heiße ich herzlich den Kommandeur Dr. Johannes Grohmann willkommen.

Sie, Herr Oberfeldarzt, haben nun mit der Ausbildung der letzten wehrpflichtigen Rekruten wahrscheinlich die geringere Mühe. Viel mehr wird Sie beschäftigen, dass die Ihnen anvertrauten Soldaten immer wieder bei den internationalen Friedensmissionen Deutschlands vorneweg gefordert sind. Seien Sie versichert, dass wir Ihre Sorgen um das Wohl der Ahlener Soldaten in den kriegerischen Einsätzen uneingeschränkt teilen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Leuten auch 2011 reichlich Soldatenglück!

Zugleich danke ich Ihnen dafür, dass Sie bei den fortwährenden strukturellen Veränderungen der Bundeswehr die Fahne des Standortes Ahlen deutlich hoch halten. Immer wieder weisen Sie auf die unverkennbaren Vorzüge unserer Westfalenkaserne hin und werben dafür.

Nach dem hohen Offizier möchte ich mit unserem Stadtprinzen Dieter III. und seinem Gefolge den aktuellen närrischen Regenten Ahlens begrüßen. Er bestreitet die längste Karnevalssession dieses Jahrhunderts. Dafür wünschen wir Dir die nötige Kondition, viel Freude und gutes Gelingen.

Einige weitere Würdenträger werden uns traditionsgemäß später noch die Ehre geben, nämlich eine Gruppe der Sternsinger. Sie sammeln für arme Kinder in der ganzen Welt, besonders für Katastrophenopfer in Kambodscha. Ich bitte Sie alle jetzt schon um großherzige Spenden.

Ich begrüße schließlich die anwesenden Mitglieder unseres Stadtrates zu diesem Neujahrsempfang; ebenso Verantwortliche der Stadtverwaltung, des Personalrates sowie die Geschäftsführer städtischer Gesellschaften. Mein herzliches Willkommen gilt vor allem unserem Ersten Beigeordneten Klaus Muermans, der letztmals in dieser Funktion dabei ist. Ich wünsche Ihnen für die letzten Arbeitstage Ihrer bald 24jährigen Dienstzeit als Beigeordneter und Kämmerer besonders viel Glück, Freude und Erfolg!

Lassen Sie mich an dieser Stelle mal ein Schlaglicht auf unsere kommunalpolitische Zusammenarbeit im letzten Jahr werfen. Diese „Zusammenarbeit“ (jetzt in Gänsefüßchen gesetzt) stellte sich im Jahr eins nach der Kommunalwahl 2009 oft als sehr schwierig, höchst strittig und bisweilen sogar tendenziell destruktiv dar. Auch in der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck vor, dass sich die Beteiligten noch nicht genügend auf das biblische Gebot „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7) verständigt haben.

Wir müssen uns jedoch mit Blick auf die erheblichen Herausforderungen, vor denen unsere Stadt steht, rasch zusammenraufen. Wir haben uns alle gemeinsam ausdrücklich dazu verpflichtet, nur das Wohl unserer Stadt zu verfolgen, dieses in den Fokus zu nehmen und dafür sachlich und zielgerichtet die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Aber – mal ehrlich – was beherrscht unsere Beratungen zurzeit noch im Übermaß? Geht es nicht zu oft darum, sich in Szene zu setzen, sein Mütchen zu kühlen, andere unterzubuttern, vielleicht gar persönlich zu verletzen – mehr als um das Wohl der Stadt?

Liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen, ich wünsche mir in unserer Zusammenarbeit ausdrücklich eine freundlichere, mindestens eine sachlichere Atmosphäre. Dazu würde vielleicht schon beitragen, dass mehr Ratsmitglieder die Gelegenheit zur Teilnahme an einer solchen Veranstaltung wie heute nutzen.

Zwar treffen wir immer noch fast neunzig Prozent unserer Entscheidungen einstimmig und ohne große Diskussionen. Aber in den strittigen Debatten wünsche ich mir, dass wir alle miteinander jene Weisheit aus dem Alten Testament beherzigen, die da lautet: „Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.“ (Sprüche 15,1) Ebenso sollte jeder Kommunalpolitiker und jede Kommunalpolitikerin folgende biblische Weisheit bedenken und befolgen: „Die Spötter bringen eine Stadt leichtfertig in Aufruhr, aber die Weisen stillen den Zorn.“ (Sprüche 29,8)

Mit diesen Sprüchen wünsche ich mir ein Jahr 2011, in dem die Kommunalpolitik dieser Stadt zu einem gedeihlichen, möglichst friedfertigen und in jedweder Hinsicht wohltuenden Miteinander zusammenfindet. Denn was Ahlen dringend braucht, ist bei aller Vielfalt der Fraktionen und Unterschiedlichkeit der Meinungen eine gemeinsame kommunalpolitische Kraftanstrengung für das wirkliche Wohl unserer Stadt. Nur mit einer solchen Gemeinsamkeit können wir unsere Stadt bestmöglich voran bringen.

Nach diesen ernsten und strengen Worten halte ich mich an die Aussage von Jerome K. Jerome: „Der einzige gute Ersatz für Klugheit ist Schweigen.“

Ich schließe also mit meinen besten Wünschen für Sie und Ihre Lieben, für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie alle Freundinnen und Freunde dieser Stadt! Mögen Ihnen 2011 Gesundheit und Tatkraft, Frieden, Zuversicht und Gottes Segen beschieden sein!

Glückauf!