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Verabschiedung des Ersten Beigeordneten und Stadtkämmerers Klaus Muermans

Nach 24 Jahren im Dienst der Stadt Ahlen wurde am 27. Mai der bisherige Erste Beigeordnete und Stadtkämmerer Klaus Muermans in einem Empfang feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Zahlreiche Gäste gaben dem verdienten Finanz- und Verwaltungsexperten die Ehre und zollten ihm Dank und Anerkennung für seine außergewöhnlichen Leistungen. In einer Laudatio würdigte Bürgermeister Benedikt Ruhmöller die Verdienste des langjährigen stellvertretenden Verwaltungschefs:



Lieber Herr Muermans,
verehrte Frau Muermans,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich begrüße ich Sie alle zu diesem Empfang zu Klaus Muermans’ Ehren!

Die Chronik unserer Stadt besagt, dass ein gewisser Eduard Corneli bisher der dienstlängste Bürgermeister und Wahlbeamte von Ahlen war. Von 1898 bis 1923 residierte er hier. In diesen 25 Jahren erlebte Ahlen einen wahren Entwicklungsschub, weshalb ein langer Straßen-Ring nach Bürgermeister Corneli benannt wurde – nach seinem Tod.

Auf 25 Jahre sind Sie, lieber Herr Muermans, bei Ihrer Tätigkeit für Ahlen leider nicht gekommen, auch wenn Sie selbst als Freund runder Zahlen gerne das Vierteljahrhundert voll gemacht hätten. Sie kommen jedoch am 31. Mai, Ihrem letzten Dienst-Dienstag, auf immerhin 24 Jahre als Wahlbeamter, als Erster Beigeordneter und Kämmerer dieser Stadt. Dies ist ebenfalls eine außergewöhnlich lange Zeit-Strecke, in der Sie unablässig herausgehobene Verantwortung für unser Gemeinwesen wahrgenommen haben.

Ihre 24 Jahre waren ebenfalls geprägt von rasanten Entwicklungen und tiefgreifenden Veränderungen, von großen Erfolgen und schlimmen Rückschlägen, von unglaublich viel Arbeit und Belastungen. Sie haben die Geschichte unserer Stadt in diesen Jahren maßgeblich mitgestaltet und geprägt. Dafür gelten Ihnen der Dank und die Anerkennung des Rates und der Verwaltung sowie aller Bürgerinnen und Bürger.

Ich möchte Ihnen auch ganz persönlich danken für all’ das, was Sie in unseren gemeinsamen Jahren an Zusammenarbeit geleistet, an Zuspruch gewährt und an Zumutungen ausgehalten haben. In diesen mehr als elfeinhalb schrecklich arbeitsreichen und unterm Strich sehr erfolgreichen Jahren habe ich Sie als ungemein hilfreichen, klugen Rat gebenden, tatkräftigen und freundschaftlichen Partner in der Verwaltungsführung erlebt. Ihr Ausscheiden aus unserer Zusammenarbeit bedauere ich zutiefst.

Es ist mir andererseits eine große Ehre und Freude, nun Ihre Tätigkeit für unsere Stadt würdigen zu dürfen. Dies tue ich, indem ich einen schlimmen Fauxpas begehe und aus Ihrer Personalakte zitiere. Konkret zitiere ich ein darin enthaltenes Dienstzeugnis. Ich glaube, besser als der damalige Vorgesetzte könnte ich Sie auch nicht in Ihrer Tätigkeit für Ahlen charakterisieren:

„Herr Muermans verfügt dank seiner guten Ausbildung über hervorragende Fachkenntnisse. Er hat während seiner Dienstzeit in hohem Maße die Fähigkeit gezeigt, wirtschaftliche Sachverhalte und Probleme richtig einzuschätzen. Er war ein immer interessierter Mitarbeiter. Seine Arbeitsergebnisse waren stets sorgfältig fundiert. Er schaffte in seinem Verantwortungsbereich klare Organisationsstrukturen. Herr Muermans begreift auch schwierige Zusammenhänge schnell. Er ist sicher und klar in seinem Urteil und handelt entschlussfreudig. Seinen Aufgaben widmete er sich mit großer Einsatzfreude und Pflichtbewusstsein. Auch großen Belastungen zeigte er sich stets gewachsen. Die ihm übertragenen Aufgaben hat er immer zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt.
Im Umgang mit führenden Persönlichkeiten bedeutender Unternehmen war er ein geschätzter Verhandlungspartner. .....
Das Verhältnis von Herrn Muermans zu Mitarbeitern war umgänglich und hilfsbereit. Er eignet sich sehr gut zum Vorgesetzten. Sein Umgang mit mir war frei und offen. Wegen seiner fundierten und kritischen Stellungnahmen war er für mich immer ein wertvoller Ratgeber. Seine persönliche Integrität bewirkte, dass in der Zusammenarbeit mit mir uneingeschränktes Vertrauen vorhanden war.“

Dieses positive Zeugnis, dieses außergewöhnliche Lob, dem ich mich uneingeschränkt anschließe, unterschrieb niemand Geringeres als der frühere Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Herbert Neseker – ein SPD-Mann. Er tat dieses übrigens Anfang 1991, kurz vor seinem Ausscheiden als Landesdirektor und fast vier Jahre, nachdem Klaus Muermans als Erster Beigeordneter bei der Stadt Ahlen angetreten war. Neseker hätte es nicht mehr nötig gehabt; dies macht sein Lob auf Klaus Muermans umso glaubwürdiger. – Ich gehe mal davon aus, dass auch der jetzige Landesdirektor, ein gewisser Dr. Wolfgang Kirsch, das Dienstzeugnis von 1991 genauso überzeugt unterschreiben würde.

Klaus Muermans wurde also zum 1. Juni 1987 zum Beigeordneten und Kämmerer der Stadt Ahlen bestellt. Diese Entscheidung traf der Stadtrat am 5. März des Jahres in geheimer Abstimmung, und dabei entfielen auf den Kandidaten Muermans bei einem Gegenkandidaten 43 von 51 Stimmen bei sechs Enthaltungen. Zugleich wurde Muermans zum Ersten Beigeordneten – dem Vertreter des damaligen Stadtdirektors – berufen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bestätigte, dass der Stadtrat damit eine „gute und richtige Entscheidung“ getroffen hätte, und auch der damalige Oberkreisdirektor – wiederum ein gewisser Dr. Kirsch – fand, die Wahl sei „nicht zu beanstanden“.

Wenn wir jetzt auf die 24 Jahre zurückschauen, muss ich auch die beiden Wiederwahlen in Erinnerung rufen. Ende 1994 schlug der damalige Stadtdirektor Dr. Gerd Willamowski dem Stadtrat vor, Klaus Muermans für weitere acht Jahre zum Beigeordneten und Stadtkämmerer zu wählen sowie auch zum allgemeinen Vertreter. Diese Entscheidung gestaltete sich allerdings schon etwas differenzierter: 36 von 49 Stimmen entfielen auf den Kandidaten; sechs Ratsmitglieder enthielten sich der Stimme.

Die zweite Wiederwahl von Klaus Muermans in seine dritte Amtsperiode habe ich selbst im Februar 2003 dem Rat voller Überzeugung vorgeschlagen, was letztlich von 27 Ratsleuten gegen 19 Neinstimmen bestätigt wurde. Am 4. April 2003 habe ich Ihnen, lieber Herr Muermans, nur zu gerne die erneute Ernennungsurkunde ausgehändigt, und nur sehr ungern verabschiede ich Sie heute in den Ruhestand.

Klaus Muermans, dessen sind wir uns wohl alle bewusst, ist ein Phänomen. Doch was ist ein Phänomen? Ich habe dazu mal die Synonyme unter „Microsoft“ befragt und festgestellt: Ein Phänomen ist ein überragender Mensch und ein Könner, eine Persönlichkeit, aber auch ein Ungeheuer, ein Wunderding, ein Monstrum oder eine Erscheinung. Wählen Sie sich von mir aus das Ihnen genehme Synonym aus! Für mich ist Klaus Muermans deshalb ein Phänomen, weil er ein Könner, eine überragende Persönlichkeit und eine ungeheuerliche Erscheinung ist. Dies will ich an drei Feststellungen festmachen:

Sie, lieber Herr Muermans, sind von einer ausgeprägten Kompetenz. Wir werden Ihre ausführlichen, so intensiven wie instruktiven Haushaltsreden zukünftig vermissen. Wie sehr haben Sie uns im Stadtrat Jahr für Jahr die Leviten gelesen, wenn Sie uns – ausgehend von einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung – die prekäre Lage des städtischen Haushaltes bei der Einbringung beschrieben haben. Wie oft haben Sie uns auch zwischenzeitlich immer wieder ganz nüchtern und ernüchternd deutlich gemacht, wie sehr es auf Solidität, Sparsamkeit und wirtschaftliches Denken ankommt.

Es gilt der kluge Spruch: „Das Klagen ist der Gruß des Kämmerers.“ Doch bezeichnend für Sie ist, dass Sie Ihren Gruß oft mit einem Witz, mit einem Scherz flankieren, und damit können Sie manches ernstes Gespräch mit einer gehörigen Portion Heiterkeit erträglich gestalten.

Doch nicht nur in finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, sondern auch in Fragen der Stadtentwicklung oder bei Grundstücksgeschäften, in ordnungsbehördlichen Angelegenheiten oder in Belangen der Feuerwehr waren Sie ungemein präsent und stets im Bilde. In vielerlei Hinsicht waren Sie mir wie auch allen städtischen Gremien ein kluger Ratgeber. Wie niemand sonst haben Sie das vielfältige und wirtschaftlich ungemein bedeutsame Geflecht unserer Beteiligungen durchleuchtet, analysiert und weiterentwickelt. Unzählige Geschäftsberichte und Jahresprüfungen haben Sie gelesen, aufbereitet und kritisch hinterfragt.

Schließlich muss ich daran erinnern, wie einsatzfreudig, geschickt und kompetent Sie die umfassende Neugestaltung unserer Finanzwirtschaft durch das NKF geleistet haben. Die NKF-Einführung war ein Jahrhundertwerk in der Geschichte der Kommunalverwaltung, das hier Dank Ihres Einsatzes und Ihrer Umsicht weitgehend reibungslos vonstatten ging.

Sie waren in all’ den 24 Jahren der kaufmännische Steuermann, der Mahner und das Gewissen – auch das schlechte Gewissen – unserer Stadt. Ihr ausgeprägter kaufmännischer Sachverstand stieß sich häufig an Entscheidungen, die Sie überhaupt nicht nachvollziehen konnten. Entschlossen hielten Sie dagegen „Paohl“ und nahmen dafür manches Magengrimmen und Zähneknirschen in Kauf.

Dabei sind Sie – zweitens – von einer ungemeinen Belastbarkeit und Zielstrebigkeit. Was mussten Sie nicht alleine in der Ära, die ich beobachten durfte, an Anstrengungen, Belastungen und Zumutungen aushalten! Ich erinnere mich noch an Ihren Anruf an einem Sonntagabend. Sie teilten mir mit, dass wir uns in dem Haushaltsentwurf, der schon am Dienstag darauf eingebracht werden sollte, um eine Million Euro vertan hätten. Wir haben den Etat dann trotzdem pünktlich und korrekt eingebracht, und gar keiner hat’s gemerkt.

Ich erinnere mich auch noch gerne an Ihre E-Mail, in der Sie mir im März 2001 den Einbruch bei der Gewerbesteuer auf sieben Mio. Euro mitteilten. Sie baten mich in der Mail um zwei Kugeln: eine für Sie und eine für die Haushaltssachbearbeiterin, die uns die Hiobsbotschaft überbracht hatte. Sie haben’s Gott sei Dank beide überlebt.

Im März 2007 mussten wir dann eine Explosion der Gewerbesteuer auf 35 Mio. Euro kurzerhand verwursten und dem Stadtrat angemessen verklickern. Das sind ungemeine Ausschläge und Belastungen für einen Kämmerer, die Sie jedoch immer mit Blick auf das finanzielle und wirtschaftliche Gedeihen unserer Stadt ausbalanciert haben. Und schließlich unser Drama um den Teilverkauf der Stadtwerke in den Jahren 2003/2004!

Am 19. März 2004 saßen wir nebeneinander in einer großen Pressekonferenz, um den endgültigen Teilverkauf von 49 % unserer Stadtwerke zu verkünden. Wir waren richtig stolz und zufrieden, doch inmitten der Pressekonferenz wurde uns das Telefax des Oberverwaltungsgerichts gebracht, wonach das Bürgerbegehren gegen den Teilverkauf doch für zulässig erklärt wurde. Auf einen Schlag schienen all’ Ihr Bemühen um diesen Teilverkauf und nicht zuletzt Ihre Verhandlungen ausgerechnet beim Kölner Karneval 2004 hinfällig zu sein.

Doch wir fassten in einer echt brandigen Besprechung unmittelbar nach der Pressekonferenz die Entscheidung: Wir stellen den Teilverkauf zugleich mit der Entscheidung über das Bürgerbegehren im Rat am 30. März 2004 zur Abstimmung. Das war eine ungeheuer mutige Entscheidung, die sich jedoch als goldrichtig erwies, nämlich zum Wohle der Stadt und unserer Stadtwerke. Wir haben damals mit gewaltiger Kraftanstrengung die letztendlich bestmögliche Entscheidung realisiert. Seitdem, das muss ich heute einmal betonen, befindet sich die Stadt Ahlen nicht mehr in der Haushaltssicherung.

Drittens: Sie sind, wie es Ihnen schon der Landesdirektor Neseker bescheinigt hat, ein fantastischer und bestens organisierter Vorgesetzter. Sie können zu Recht stolz darauf sein, dass Sie niemals ein böses Wort an Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet haben, namentlich an Ihre 24jährige Sekretärin Sabine Gudrian. Wer Ihrer Obhut unterstellt war, egal ob als Feuerwehrmann oder als Kämmerei-Mitarbeiter, durfte sich Ihres Verständnisses und Ihrer Fürsorge gewiss sein.

Aber diese Einstellung galt auch gegenüber Ihren Vorgesetzten. Integrität und Loyalität prägen Sie zutiefst. Ebenso wie ich haben meine Vorgänger im Amt des Verwaltungschefs erlebt, wie Sie kluge Ratschläge gaben und auch anderslautende Entscheidungen akzeptiert haben. Ebenso sind Sie dem Rat als dem maßgeblichen Gremium unserer Stadt stets ehrlich, offen und loyal begegnet, auch wenn Ihnen dort manchmal schlimme Anfeindungen und Verunglimpfungen begegnet sind.

Lieber Herr Muermans,

mit fundierter Kompetenz und ungeheurer Belastbarkeit, mit großer Kollegialität und einer bisweilen grenzwertigen Loyalität haben Sie 24 Jahre lang der Stadt Ahlen wahrlich gedient. Ihre Hingabe an diese Stadt lässt sich nur dadurch erklären, dass Sie Ahlen lieben und sich voll und ganz für die Zukunft der Stadt einsetzen wollten. Ihnen gilt heute unser aller Dank und Anerkennung. Wir werden Sie in unserem zukünftigen Tagesgeschäft vermissen, und damit meine ich auch all’ Ihren Witz, Ihre Gelassenheit und Fürsorglichkeit. Es ist nur schade, dass Sie uns verlassen, und doch gelten Ihnen heute unsere allerbesten Wünsche für die Zukunft.

Wir wünschen Ihnen vor allem ein langes Leben in Gesundheit und Zufriedenheit! Auf dass sich Ihr Name noch lange nicht im Ahlener Straßenverzeichnis wiederfinde. Doch bevor ich Sie gleich mit der Entlassurkunde formell aus den Diensten der Stadt Ahlen – mit Wirkung zum 31. Mai – entlasse, möchte ich ein paar Worte an Ihre Gemahlin richten.

Sie, liebe Frau Muermans, haben ja bei all’ Ihren eigenen beruflichen und familiären Belastungen unablässig dafür gesorgt, dass uns Klaus Muermans so erhalten blieb, wie wir ihn kennen, schätzen und brauchten. Ich kann mir gut vorstellen, wie Sie oft seine viele Arbeit, seinen Ingrimm und seine Erschöpfung ausgehalten, mitgetragen und mit klugen Ratschlägen beantwortet haben. Ich bin davon überzeugt: Sie haben großen Anteil an den Leistungen und Verdiensten unseres ausscheidenden Ersten Beigeordneten. Mit diesem kleinen Blumenstrauß möchte ich auch Ihnen herzlich „Dankeschön“ sagen.

Doch was schenken wir Klaus Muermans? Er ist ja im Grunde bei all’ der Nüchternheit und Korrektheit des Zahlenmenschen auch ein Mensch der Lebensfreude, der Kultur und des sinnlichen Genusses. Deshalb schenke ich Ihnen, lieber Herr Muermans, zum einen ein ganzes Jahr lang freien Eintritt in unseren Ahlener Genuss-Tempel, in diese Stadthalle – dies wird Ihnen mit dieser Urkunde bescheinigt.

Aber damit Sie sich auch daheim gerne an Ihre 24 Jahre in städtischen Diensten erinnern, damit Sie auch zuhause den schönen Dingen des Lebens frönen können, schenke ich Ihnen auch ein Bild des gebürtigen Ahleners Willi Sandforth. Also das Bild eines Künstlers, der auch in unserem Ratssaal vertreten ist, ebenso wie in der berühmten Sammlung der Deutschen Bank. Ihre Frau meinte, es würde Ihnen gefallen; andernfalls beschweren Sie sich bei ihr…

Ihnen ein herzliches Glückauf und Gottes Segen!