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Wirtschaftspreis 2011 der Stadt Ahlen - Laudatio von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller auf Werner Fischer

„Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, lässt Goethe in seinem „Faust“ das Gretchen sagen. Wenn das wahr ist, wird die NASA der USA tatsächlich in einigen Jahrzehnten den Asteroiden Eros ausbeuten, der in fester Umlaufbahn auf der Hälfte der Strecke zwischen Erde und Mars kreist.

Denn der Riesenbrocken mit einem Durchmesser von 36 Kilometern enthält mindestens einhunderttausend Tonnen Gold und Platin, also die hundertfache Menge der derzeitigen weltweiten Jahresproduktion. Der Wert würde die Bergungskosten von etwa 190 Milliarden Euro bei weitem übersteigen, wenn man dem Internetlexikon Wikipedia glauben darf.

Aber was hat dies mit unserem Preisträger Werner Fischer zu tun? – Ihn könnte man, davon bin ich überzeugt, für ein solches „goldiges“ NASA-Projekt sehr begeistern.

Werner Fischer fühlte und fühlt sich nie in der Etappe wohl. Auf allen Stationen seines ideen- und arbeitsreichen Lebens war er immer vorneweg, war er für Veränderungen und Herausforderungen aufgeschlossen. Er war und ist bemerkenswert beweglich und kommunikativ, humorvoll und charmant, eben ein ausgezeichneter „Netzwerker“. Dazu risikobereit im konservativen Sinne, indem er im überschaubaren, kalkulierten Risiko handelt. Dabei verließ er sich nie allein auf den Rat anderer, dagegen stets auf sein eigenes Wissen und Gewissen und besonders auf seine Frau.

Sie, liebe Frau Fischer, gingen nicht nur in Ihrer Rolle als Frau und Mutter auf. Sondern Sie trugen als Prinzipalin wesentlich zum persönlichen Erfolg von Werner Fischer bei. Ohne Sie wären viele seiner Leistungen nicht denkbar.

Er vertraute mir einmal in einem persönlichen Gespräch an: „Wenn man wie ich nicht sehr groß ist und dann noch aus dem Münsterland kommt, hat man in der weiten Welt, aber besonders bei den Bayern keinen leichten Stand.“

Dies hielt ihn allerdings keinesfalls davon ab, sich zum Präsidenten des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere wählen zu lassen. (Mit Herrn Hans-Jürgen Wiegleb aus Wolfsburg begrüße ich an dieser Stelle nachträglich den aktuellen Präsidenten dieses 111jährigen Verbandes.)

Neun Jahre lang führte Fischer das Präsidenten-Amt von Ahlen aus so erfolgreich, dass man ihn später zum Ehrenpräsidenten berief. Überdies engagierte er sich bei der Gründung der Internationalen Fachmesse für Schmuck, Uhren, Design und Edelsteine, der „INHORGENTA“ in München als Vorsitzender des Fachbeirats.

Dabei gelang es ihm, einen der ersten Kooperationsverträge zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland abzuschließen. Die Vereinbarung mit dem israelischen Boschafter wurde von Fischer am 10. Dezember 1973 im Rathaus zu Münster gegengezeichnet.
 
Ferner gelang es ihm, die Zusammenarbeit mit dem größten Diamantenproduzenten und -händler der Welt mit Sitz in London nach dem verlorenen Krieg für den deutschen Diamantenhandel wieder zu aktivieren.

Vor 37 Jahren gründete Werner Fischer in Ahlen das Fortbildungszentrum – heute: die Europäische Akademie – der Gold- und Silberschmiede und Juweliere; ebenfalls eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte.

Worin aber liegt das Geheimnis seines Erfolges? Die Stationen seines Lebens zeigen es:

Am 13. Januar 1930 wurde Werner Fischer in Freiburg geboren. Der Vater stammte aus dem hessischen Rasdorf und die Mutter aus dem westfälischen Horst bei Werne. 1936 zog die Familie nach Hopsten in den damaligen Kreis Tecklenburg.

Wie zu jener Zeit üblich, begann Werner schon mit 14 Jahren eine Uhrmacherlehre, und zwar in Kamen. Er wechselte jedoch auf Anraten seines Lehrmeisters, der Fischers große Talente erkannte, schon bald in eine Goldschmiedelehre nach Münster. Dort wurde der junge Lehrling zweimal ausgebombt, dort erfuhr er auch die Wirren der Nachkriegszeit.

Auf die 1948 bestandene Gesellenprüfung folgte eine mehrjährige Gesellentätigkeit in den Bistumsstädten Münster, Osnabrück und Fulda. 1951 bestand Werner Fischer erst 21jährig als Jüngster in Deutschland die Meisterprüfung mit „sehr gut“ für sein Meisterstück, einen goldenen Herrenring.

Wer jetzt gedacht hätte, Fischer wäre zu den Starjuwelieren an den Jungfernstieg in Hamburg oder an die Kö in Düsseldorf gewechselt, läge falsch. Er richtete sich eine eigene Goldschmiede im Elternhaus in Hopsten ein. Der Wille zur Selbstständigkeit war nicht aufzuhalten! Doch wo fand diese Selbstständigkeit statt? Im Badezimmer!

Dort jedoch blieb er nicht sehr lange. Der junge Meister erkundigte sich bei Branchenvertretern und Lieferanten, wo sie denn die höchsten Umsätze in der Region tätigten. In Greven, Wesel und Ahlen, lautete die überraschende Antwort. Greven und Wesel waren aus unterschiedlichen Gründen schnell abgehakt, und Ahlen wurde, wie es Werner Fischer rückblickend selbst ausdrückt, ganz vorsichtig angepeilt.

Hier fand sich schließlich ein Wohnzimmer im Haus Nordstraße 38, das zum Ladenlokal umgebaut wurde. Die Eröffnung erfolgte am 1. Oktober 1953. Zwei Jahre später dann der Wechsel zur Oststraße 35, 1964 ein Neubau an der Hellstraße 18 mit der Eröffnung einer Galerie, des „Studio 18“. Schließlich 1974 der Bezug der Goldschmiedewerkstatt und des Ladengeschäftes im neuerrichteten Eigentum an der Oststraße 69, am Marienplatz. Hier wurde 1984 auch das heute überregional bekannte „Museum im Goldschmiedehaus“ eröffnet.

Im Ergebnis ein rasanter beruflicher und auch gesellschaftlicher Aufstieg, geprägt aber von viel Mühen, Sorgen und Unternehmergeist. Es ist ja wahr, wenn man sagt: „Ohne Fleiß kein Preis!“ Gerade in seinen Anfangsjahren hatte Werner Fischer in Ahlen keinen leichten Stand. Er war damals eben ein Zugereister und musste sich die Anerkennung seiner Kunden aus der Stadt und der Region durch seine eigenwillige künstlerische Schmuckgestaltung erwerben.
 
Ein Zeugnis seines handwerklichen und künstlerischen Könnens stellt die von ihm entworfene und gestaltete Ahlener Bürgermeisterkette dar, die ich heute trage.

1958 regierte Werner Fischer als Karnevalsprinz „Werner der Goldige“ die Ahlener Narren; als Baas stand er dem Freundeskreis „Kiek es drin“ vor. Werner Fischers Handeln hat aber noch andere und weitaus mehr Facetten als die goldigen, unternehmerischen und närrischen.

Er war Mitbegründer des Ahlener Forums Brüderlichkeit und gehört diesem Arbeitskreis nach wie vor an. Er setzt sich unablässig für die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit sowie für die christlich-jüdische Verständigung ein.

Er ist Gründer und Ehrenkurator der deutschen Goldschmiede-Gilde St. Eligius, benannt nach dem Schutzpatron der Goldschmiede.

In seinem tief verwurzelten christlichen Glauben hält er das Andenken an die Ahlener Ordensgründerin Elisabeth Tombrock wach.

Sein Museum im Goldschmiedehaus nutzt er immer wieder zu aufwendigen, fundierten, viel beachteten Ausstellungen, in denen der wache und tolerante Geist Werner Fischer besonders beeindruckend unterschiedliche Kulturen und Religionen präsentiert, um sie möglichst vielen Menschen dieser Stadt nahe zu bringen.

Für sein vielfältiges gesellschaftliches Engagement sind Werner Fischer schon vielfältig Dank und Anerkennung durch Ehrungen und Auszeichnungen zuteil geworden. So wurden ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande und später das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Er erhielt die Sonderstufe der goldenen Cellini-Medaille in Bergkristall als höchste Auszeichnung des Zentralverbandes der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Die Stadt würdigte sein vielfältiges Wirken mit der Ehrenmedaille, und erst jüngst bekam Werner Fischer den Diamantenen Meisterbrief für die sechzigjährige Meisterschaft in seinem Handwerk.

Heute komplettieren wir diese beeindruckende – und keinesfalls abschließende – Reihe verdienter Anerkennungen durch die Verleihung des Wirtschaftspreises, zu der ich jetzt komme. Ich bin mir sicher, und ich habe mich auch persönlich darüber gefreut, dass das Verleihungsgremium eine sehr gute Wahl getroffen hat. Denn mit dem Preis wird nicht nur Werner Fischer geehrt, sondern schmückt sich auch unsere Stadt, um die Sie sich, lieber Werner Fischer, bleibende Verdienste erworben haben.

Ich komme jetzt zur Verlesung der Urkunde …