Rathaus & Politik
- 1 Bürgermeister.
- 1.1 Grußwort des Bürgermeisters.
- 1.2 Vita des Bürgermeisters.
- 1.3 Sprechstunde des Bürgermeisters.
- 1.4 Aufgaben außerhalb der Stadtverwaltung.
- 1.5 Reden 2012.
- 1.6 Reden 2011.
- 1.6.1 09.01.2011 Neujahrsempfang der Stadt Ahlen.
- 1.6.2 09.01.2011 Ehrung Ehrenamtlicher.
- 1.6.3 09.01.2011 Ehrung Stiftungen.
- 1.6.4 25.01.2011 Gedenken an Imo Moszkowicz.
- 1.6.5 25.01.2011 Einbringung des Haushaltsentwurfes 2011.
- 1.6.6 30.04.2011 Begrüßung zum 26. Ahlener Arbeitnehmer/-innen-Empfang.
- 1.6.7 04.05.2011 Begrüßung der LaGa-Jury.
- 1.6.8 27.05.2011 Verabschiedung von Klaus Muermans.
- 1.6.9 24.09.2011 Verleihung des Integrationspreises.
- 1.6.10 27.10.2011 Verleihung des Wirtschaftspreises - Begrüßung.
- 1.6.11 27.10.2011 Verleihung des Wirtschaftspreises - Laudatio auf Werner Fischer.
- 1.6.12 29.10.2011 Eröffnungsveranstaltung 50 Jahre Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland.
- 1.6.13 09.11.2011 Kundgebung am Jüdischen Mahnmal.
- 1.6.14 23.11.2011 Öffentliches Gelöbnis im Sportpark Nord.
- 1.6.15 15.12.2011 Einbringung des Haushaltes 2012.
- 1.7 Reden 2010.
- 1.8 Reden 2009.
- 2 Virtuelles Rathaus.
- 3 Ortsrecht.
- 4 Verwaltung.
- 5 Finanzen.
- 6 Sitzungsdienst.
- 7 Formulardepot.
- 8 Ausbildung.
- 9 Ausschreibungen.
- 10 Bekanntmachungen.
- 11 Heiraten in Ahlen.
- 12 Sauberes Ahlen.
- 13 Politik.
- 14 Foto-Galerien.
15 Bürgerservice online
16 Service
17 Externe Links
18 Stadtnetz Ahlen
Grußwort zur Eröffnungsveranstaltung zum 50jährgen Jubiläum des Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,
ab 1955 schloss Deutschland mit unterschiedlichen Ländern „Anwerbeabkommen“, um die damals dringend benötigten Arbeitskräfte anzuwerben. Vor genau fünfzig Jahren – im Oktober 1961 – wurde ein Anwerbeabkommen mit der Türkei unterzeichnet. Um dieses Jubiläum zu feiern, sind wir heute hier zusammengekommen, und ich freue mich über jeden, der sich für dieses wichtige Datum unserer Geschichte interessiert und heute hier ist!
Ich bin stolz, dass am heutigen Tag auch das türkische Generalkonsulat in Ahlen zu Gast ist, vertreten durch den Religionsattachè Suat Altunkus und Herrn Enis Gürel.
Besonders begrüßen möchte ich auch die Initiatoren des Jubiläumsprogramms. Sie haben nach dem von Max Frisch entlehnten Motto „Wir riefen Arbeiter, es kamen Menschen, es blieben Ahlener“ ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zu dem Jubiläum angeregt haben: die Mitglieder des Integrationsrates der Stadt Ahlen.
Das Programm, welches mit der heutigen Veranstaltung eröffnet wird und bis zum 18. November viel Spannendes zu bieten hat, wird von zahlreichern Akteuren der Bildungs-, Kultur-, Integrations- und sozialen Arbeit unterstützt. Vielen Dank dafür!
Dank gilt heute selbstverständlich auch Herrn Prof. Dr. Kenan Mortan, einem sehr erfolgreichen Wissenschaftler und Buchautor zu Migrations- und Integrationsthemen. Zudem ist Herr Mortan ein Türke mit deutschem Migrationshintergrund. Daher kann er uns sicherlich auch neue Blickwinkel eröffnen.
Nach den 50 Jahren, die seit dem Anwerbeabkommen vergangen sind, lebt heute zum Teil die vierte Generation von Menschen mit türkischstämmigem Hintergrund in Deutschland. Diese früher als „Gastarbeiter“ titulierten Menschen bauten die deutsche Wirtschaft mit auf. Inzwischen zählen sie zu unseren geschätzten Mitbürgerinnen und Mitbürgern, und dies ganz besonders in dieser vom Bergbau geprägten Stadt Ahlen.
Am Anfang stand die Forderung der Wirtschaft nach Arbeitskräften. Die Bundesregierung beschloss daraufhin 1955 als ausdrücklich „vorübergehende Maßnahme“ die Anwerbung von Italienern. Seit 1961 kamen Menschen aus der Türkei, zumeist aus ärmeren Regionen. Viele dieser Menschen hofften, der eigenen Not und Armut in der Türkei zu entfliehen. Die Realität sah jedoch häufig anders aus. Die sogenannten „Gastarbeiter“ verrichteten hier Schwerstarbeit, so in der Müllabfuhr oder im Bergbau. Zudem fehlte die Vertrautheit der Familie. Sie kannten die Sprache nicht und lebten oft in Isolation.
Die erste türkischstämmige Generation begründete in Ahlen den Grundstein für eine neue Vielfalt in ethnischer, kultureller, religiöser Hinsicht. Im Dezember 1961 lebten neun türkische Einwohner in unserer Stadt, heute leben über 8.000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund hier und insgesamt fast 17.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Dies ist fast ein Drittel der Ahlener Bevölkerung. 50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen ist Ahlen geprägt von vielen Geschichten, die vom Ankommen in der deutschen Gesellschaft erzählen, vom oft mühevollen Aufstieg, bisweilen auch von Ablehnung.
Der heutige Tag ist mir eine willkommene Gelegenheit, „Danke“ zu sagen. „Danke“ für den unermesslich wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswunder in Deutschland. „Danke“ für die bunte kulturelle Vielfalt, die Ahlen heute bereichert und stärkt. „Danke“ für die Solidarität, die viele zu unserer Stadt empfinden, indem sie sagen, dass sie sich bewusst nicht als Migrant oder Deutscher bezeichnen, sondern als „Ahlener“.
Seit 2002 bekennt sich Deutschland formal dazu, ein Einwanderungsland zu sein. Seit 2004 gibt es ein bundesweites Zuwanderungsgesetz, und gerade befindet sich ein „Landesintegrationsgesetz“ für NRW auf dem Weg. Wenn es auch spät, nach meiner Meinung zu spät zu dieser erfreulichen Entwicklung kam: Es sind wertvolle Zeichen dafür, dass sich Deutschland bewusst, zukunftsorientiert und positiv mit den Themen „Zuwanderung und Integration“ auseinander setzt.
Es ist richtig: Auch Ahlen hat sich vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Zuwanderung zu stellen. Die Schließung der Zeche hat besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund getroffen. Die Teilhabemöglichkeiten sind für Migranten oftmals nach wie vor eingeschränkt, angesichts einer unterschwelligen latenten Diskriminierung bleibt noch viel zu tun. Die Bildungs- und Ausbildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund sind nicht die gleichen wie die der deutschstämmigen Kinder, was sicherlich viele Ursachen hat.
Doch wir sind in Ahlen bereits auf einem sehr guten Weg! Seit vielen Jahren spielt das Thema „Integration“ in nahezu allen Organisationen und Institutionen eine große, eine positive Rolle. Seit 2007 gibt es ein städtisches Integrationsteam, welches den Kontakt zu den sogenannten Migrantenorganisationen als wichtige Partner pflegt. Darüber hinaus gibt es viele ehrenamtlich getragene Initiativen, die sich dem Thema „Integration“ verschrieben haben. Viele sind heute bei diesem Jubiläum vertreten und feiern die Gemeinsamkeit und Vielfalt in unserer Stadt.
Uns verbinden das Aufeinanderzugehen und der feste Wille, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, zusammen etwas für uns, für unsere Stadt zu erreichen!
Deutschland schafft sich nicht ab, wie Herr Sarrazin meint! „Deutschland erfindet sich neu!“ So heißt ein Buch der Schriftstellerin Hilal Sezgin. In diesem Sinne soll sich Ahlen gerade heute als bunte, vielfältige, zukunftsorientierte und positiv auf Herausforderungen blickende Stadt präsentieren und fühlen! Uns hier gelingt die Integration!
Dabei weiterhin „Glückauf“!

