Zum Hauptinhalt springen

Adventliches Benefiz-Konzert mit dem Landespolizeiorchester

Wenn am Zweiten Advent die Polizei um 17.00 Uhr in die Stadthalle kommt, dann hat das ausschließlich nur Gutes zu bedeuten. Eine wenig bekannte Einrichtung der nordrhein-westfälischen Polizei ist das Landespolizeiorchester.

„Wir sind alle ausgebildete Berufsmusiker“, erklärt Scott Lawton, der das sinfonische Blasorchester seit 2005 leitet und dem gelegentlich geäußerten Missverständnis entgegentritt, Polizeibeamte tauschten für die Auftritte Schusswaffe und Handschellen gegen Posaune und Trompete. Am 9. Dezember können sich die Menschen in Ahlen einen Eindruck von der musikalischen Bandbreite des 40-köpfigen Orchesters machen.

Für ein Benefiz-Konzert zugunsten des Kinderschutzbundes im Kreis Warendorf treten die Musikerinnen und Musiker in der Stadthalle Ahlen ohne Gage auf. „Aufführen werden wir ein adventlich-vorweihnachtliches Programm mit vielen Liedern, die die meisten kennen“, verspricht Lawton, der selbst durchs Programm führen wird. Das Repertoire reiche vom bekannten „Sleigh Ride“ von Leroy Anderson bis zum Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens. Eigens für das Konzert vertonen wird der US-amerikanische Musiker das aus der Feder von Joseph von Eichendorff stammende Gedicht „Weihnachten“. Wie es sich für ein adventliches Konzert gehört, wird das Publikum zum Ende auch mitsingen dürfen. „Das muss sein“, findet Scott Lawton, und will nicht mehr verraten.

Einen Auftritt haben wird auch der Kinder- und Jugendchor der Kreismusikschule unter Leitung von Uta Rathmer-Schumacher. Dass das große Orchester die feinen Stimmen dominieren könnte, fürchtet der Orchesterchef nicht. „Wir werden sie dezent begleiten“, schwebt ihm im Pressegespräch spontan eine Idee in kleiner Besetzung vor.

Auf den Einfall, das Landespolizeiorchester in den Kreis Warendorf nach Ahlen zu holen, sei ein Polizeibeamter aus dem Vorstand gekommen. „Damit stieß ich bei Andreas Bockholt gleich auf offene Ohren“, freut sich KSB-Vorsitzender Henrich Berkhoff über die Unterstützung des Stadthallengeschäftsführers. Der Reinerlös fließt so zu einhundert Prozent in ehrenamtlich betreute Projekte des Kinderschutzbundes. Ein Konzert dieser Größenordnung ist auch für Berkhoff Neuland. „Das finden wir spannend, haben wir noch nie gemacht.“

Die Veranstalter hoffen auf ein volles Haus am 9. Dezember und formulieren damit eine Erwartung, die nicht unrealistisch ist. Denn dass die Ahlener an Kultur interessiert sind, hat Scott Lawton bei einer ersten Internetrecherche festgestellt. „Von den vielen Veranstaltungen war ich positiv überrascht, das ist ein echter Lichtblick.“ Offensichtlich, so seine Einschätzung, laufe „kulturell vieles richtig hier.“

Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf der Stadthalle (Tel. 02382 2000) für 14 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Hintergrund (Quelle: wikipedia)

Über das Landespolizeiorchester (LPO):
Bis 1998 gab es in Nordrhein-Westfalen fünf Polizeimusikkorps. Die Landesregierung entschloss sich 1999, an ihrer Stelle ein großes Orchester als Landespolizeiorchester NRW einzurichten. Es soll die musikalische Tradition an zentraler Stelle sicherstellen und die Aufgaben der Öffentlichkeitswerbung auf hohem Niveau fortsetzen. Das LPO wurde von der Landesregierung als dessen Repräsentationsorchester bestimmt.
Das LPO ist ein Berufsorchester mit 45 Mitgliedern. Etwa 80 Konzerte jährlich werden vom Gesamtorchester bzw. von der Big Band gespielt. Insgesamt die gleiche Anzahl von Auftritten werden zusätzlich vom Holzbläserquintett, Klarinettenensemble, Hornquartett, Blechbläsernonett, Harmonie-Ensemble und Jazz-Ensemble gespielt.
Die sinfonische Besetzung konzertiert mit einer breiten Palette von anspruchsvoller und populärer Klassik. Aus dem eigenen Archiv von über 4.000 Werken werden zum Teil selten gehörte Transkriptionen und Originalwerke ins Konzertrepertoire geholt. Die Präsentation von Auftragswerken gehört auch zu den Grundpfeilern des Orchesters. Seit 2006 hat das Orchester Stücke von Lutz-Werner Hesse, Betin Güneş, Peter B. Smith und Thomas Bartel uraufgeführt.
Neben Auftritten bei dienstlichen Veranstaltungen oder solchen mit öffentlichem Interesse sind dem Landespolizeiorchester auch Auftritte bei anderen Veranstaltungen erlaubt, sofern deren Art oder Bedeutung nicht der Repräsentationsbedeutung des Orchesters entgegensteht. Für solche Auftritte gelten marktübliche Entgelte, mit denen das Orchester seine Materialausgaben zu decken hat.
Neben Konzertauftritten wird die Big Band des LPO zunehmend bei Musikprojekten in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen eingesetzt. Große Resonanz gewannen Projekte wie ein gemeinsames Rock-Konzert mit der Knastband der JVA Siegburg, ein Workshop für die Kinderkrebshilfe zusammen mit dem Aachener „MC Street Angels“ und Gemeinschaftskonzerte in der Gehörlosenschule Münster.
Das LPO wirkte häufig bei Europas größtem internationalen Krimifestival „Mord am Hellweg“ mit.
Über Orchesterleiter Scott Lawton:
Scott Lawton (*1963) studierte am Oberlin College und am College-Conservatory of Music Cincinnati. Nach Stationen als Solorepetitor in Bielefeld und Kapellmeister am saarländischen Staatstheater wurde er 1999 Chefdirigent beim Deutschen Filmorchester Babelsberg. Seit 2005 ist er Dirigent des Landespolizeiorchester Nordrhein-Westfalen. Von 2004 bis 2009 war er auch Musikalischer Leiter bei den Gandersheimer Domfestspielen. Er unterrichtet Musikinterpretation an der Folkwang Hochschule in Essen.
Als Gastdirigent ist er mit vielen Orchestern aufgetreten, unter anderem mit dem Kölner Rundfunkorchester, dem Gürzenich-Orchester Köln, dem Sinfonieorchester Wuppertal, dem saarländischen Staatsorchester, der Meininger Hofkapelle, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt und dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm.
Scott Lawton betreut symphonische Crossover-Projekte mit den Scorpions, Udo Lindenberg, Karat, The World Quintet, Mousse T. und Omara Portuondo mit dem Buena Vista Social Club; Konzerte, bzw. Aufnahmen mit Tatiana Lisnic, Johannes Heesters, Joja Wendt, Otto Waalkes, Frank Popp Ensemble, Soulounge, Motion Trio, Mísia, Betin Güneş, Franck Tortiller, Louie Austen, Jon Lord und Joy Denalane hat er auch dirigiert.
Stummfilme von Charlie Chaplin, Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Laurel und Hardy hat er begleitet. Als Dirigent ist er alljährlich beim José Carreras-Benefizkonzert in Leipzig und hat viele Konzerte seit 2000 beim Classic Open Air am Gendarmenmarkt in Berlin dirigiert. 2005 dirigierte er auch bei dem Eröffnungskonzert der Wiener Festwochen. 2007, 2008 und 2010 leitete er das Abschlusskonzert der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci vor der illuminierten Kulisse des Neuen Palais.
Neben seiner Arbeit als Dirigent komponiert er für das Musiktheater 2005 "Mozart in Manhattan", ein Opernkrimi über Lorenzo da Pontes Leben in New York und 2007 "Wenn Ärzte lieben", eine Parodie des Arztroman-Genres. Beide Werke wurden bei den Gandersheimer Domfestspielen erstmals gezeigt.

Foto: Über ein volles Haus würden sich freuen: (v.l.) Henrich Berkhoff, Uta Rathmer-Schumacher, Andreas Bockholt, Scott Lawton

Über ein volles Haus würden sich freuen: (v.l.) Henrich Berkhoff, Uta Rathmer-Schumacher, Andreas Bockholt, Scott Lawton