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Am Ende greifen die Schüler ein

Im Klassenraum der Fritz-Winter-Gesamtschule eskaliert die Lage: Was als Demokratie-Workshop für die Klasse 10 beginnt, enttarnt sich als Versuch, die Schülerinnen und Schüler mit rechtsradikalen Parolen einzufangen. Und es kommt noch schlimmer: Einer der Referenten wird gewalttätig.

Nur mit Mühe und weil sie sich schützend vor das Opfer stellen, können die Zehntklässler weitere Gewalt abwenden. So hautnah vermittelt das Theater „Treibkraft“ in seinem Stück „Bin ich rechts?“ seine Botschaft.

Die Ausgangslage: Ein angeblicher Demokratie-Workshop der Bundeszentrale für politische Bildung. Die beiden Referenten – die Treibkraft-Schauspieler Matthias Damberg und Philip Gregor Grüneberg - sprechen über die Krise der Demokratie und was zu tun sei. Soweit alles im normalen Bereich. Doch dann starten die zwei Workshop-Leiter - auf eigene Faust und ihren Auftraggeber austricksend - ein Experiment. Sie nennen ihre wirklichen Namen, Jens und André, und sie wollen „echte und ehrliche politische Bildung machen – hier und jetzt“ und über die „Wahrheit“ sprechen. Aber das Experiment läuft aus dem Ruder, da Jens seine Wahrheit verkünden will und das Podium für seine rechtspopulistischen, am Ende rechtsextremen Parolen nutzt. André hält dagegen und er wird mit seinen Argumenten von den Schülerinnen und Schülern unterstützt. Es wird immer schwieriger, zwischen Echtheit und Theater zu unterscheiden. Schließlich kommt es zu Gewalt und dem beherzten Einschreiten der Schülerinnen und Schüler: „Nein!“.

Teilgenommen am Theaterstück haben alle sechs Zehner-Klassen der Fritz-Winter-Gesamtschule – und alle sind am Ende der Aufforderung zur Zivilcourage nachgekommen. Marik aus der 10.1. war anschließend sichtlich beeindruckt: „Als André gefesselt wurde, kam mir das so echt vor. War das gespielt?“ und Klassenkameradin Jana ergänzt: „Das hat sich echt angefühlt, weil es wirklich solche Menschen gibt.“ Die 10.1 hatte tags zuvor an ihrem Wandertag das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht. Im Gespräch nach dem Theaterstück gestand Maxima: „Ich hatte während des Theaters immer wieder Bilder vom KZ-Besuch im Kopf“ und Elena pflichtete ihr bei, „Gänsehaut wie in Bergen-Belsen“ gehabt zu haben.

Ermöglicht wurde die Durchführung dieses „theatralen Politik-Workshops“ übrigens durch die Förderung des Bundesprogrammes „Demokratie Leben! – Ahlen – Eine Idee vom Glück!“.

Foto: Matthias Damberg (l.) und Philip Gregor Grüneberg (r.) lassen in der Fritz-Winter-Gesamtschule die Lage eskalieren. Beim Stück des Theaters „Treibkraft“ wurden die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs auch emotional stark gefordert.

Matthias Damberg (l.) und Philip Gregor Grüneberg (r.) lassen in der Fritz-Winter-Gesamtschule die Lage eskalieren. Beim Stück des Theaters „Treibkraft“ wurden die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs auch emotional stark gefordert.