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Anregungen für das Bürgerforum gesammelt – Inspirierende Exkursion führte nach Troisdorf und Kerkrade

Beispiele für multifunktionale Orte, die Kultur, Bildung und bürgerschaftliches Engagement verbinden, haben Vertreter von Ahlener Politik, Verwaltung und Kulturszene in Troisdorf und Kerkrade unter die Lupe genommen. Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Zukunft der Stadthalle brachen sie auf zu einer Tagesexkursion in das Rheinland und die benachbarten Niederlande, um sich gelungene Beispiele für ein integriertes Kulturzentrum sowie eine multifunktionale Stadthalle zeigen zu lassen.

„Die Fahrt soll Lust auf Neues machen“, wünschte sich Andreas Mentz, als sich der Bus mit zwanzig Interessierten an Bord auf den Weg machte.

Und tatsächlich kam es zu der „erkenntnisreichen Tour“, die dem Stadtbaurat vorgeschwebt hatte. Schon auf der ersten Station in dem bei Köln gelegenen Troisdorf ist schnell deutlich geworden, woran die Ahlener Stadthalle krankt. Die Stadthalle Troisdorf nahm 2014 den Betrieb auf. 15,6 Millionen Euro nahm die Stadt in die Hand, um einen Neubau zu errichten, der über das Stadtgebiet verteilte Versammlungsstätten an einem Ort zusammenführt. Flexible Raumkonzepte mit einem in Teilbereiche abtrennbaren sowie separat nutzbaren Foyer überzeugten die Ahlener Gäste. Vereine nutzen die Möglichkeiten des Hauses gern. „Die herausnehmbaren Wände sind vor allem bei Messen und Ausstellungen sehr gut“, erklärte Alexander Krößner, Leiter des Veranstaltungshallen- und Kulturmanagements. Mehrere Multifunktionsräume können sowohl einzeln genutzt werden, bei Bedarf aber auch dem Saal und dem Foyer zugeschlagen werden. Das besticht durch seine große Fläche. Kein Gedränge brauchen Besucher in Pausen zu fürchten, weil Foyer- und Hallenfläche von identischer Größe sind. „Und das ließe sich in unserer Stadthalle bei einer Sanierung nicht hinbekommen“, stellte sich bei Ahlens Stadthallen-Geschäftsführer Andreas Bockholt ein wenig Neid auf die Troisdorfer Kollegen ein. Auch, weil deren Gäste keine Treppen steigen zu brauchen: Eingang, Anlieferung, Toiletten und Veranstaltungsräume liegen komplett barrierefrei im vom Tageslicht durchfluteten Erdgeschoss.

Ein weiteres starkes Plus der besichtigten Troisdorfer Stadthalle: Bodentanks im Untergeschoss erlauben es, Theken flexibel anzuschließen. Unter der Hallendecke schwebende Z-Brücken für Lasten und Veranstaltungsausrüstung machen es den Technikern leicht, Künstler ins rechte Licht zu setzen und Elemente zu bewegen. Mit 922 Reihensitzplätzen und 1500 Stehplätzen ist das Fassungsvermögen in etwa vergleichbar mit dem der Stadthalle Ahlen. Vollkommen anders dafür die Versorgung mit Speisen und Getränken. Die Stadthalle Troisdorf ist pächterfrei, was Andreas Bockholt „nur schwer vorstellbar“ findet. Sprich: Jeder Mieter oder Veranstalter bringt sein eigenes Catering mit. Kleine Küchenbereiche erlauben das Zubereiten vorbereiteter Mahlzeiten. Und das mit Energie, die vom Dach kommt. Sechzig Prozent des Ertrags einer halleneigenen PV-Anlage werden in den Betrieb eingespeist. Gefragt, ob er „seine“ Stadthalle erneut so bauen würde, brauchte Alexander Krößner nicht zu überlegen: „Ich würde jederzeit alles wieder so machen!“ Auch nach fünf Jahren Betrieb spricht er noch immer ohne zu zögern von einem „Meisterwerk“, das die Stadthalle Troisdorf sei.

Wie können eine Bibliothek, ein Theater und andere kulturelle Partnerorganisationen erfolgreich unter einem Dach zusammenleben? Vor diese Frage gestellt sah man sich in Kerkrade. Eine notleidende innerstädtische Einkaufspassage wurde unter Regie des renommierten Planers Aat Vos transformiert in ein „Zentrum für Medienressourcen“, das nach Vos` Worten ein „ganzes Ökosystem an Wissen, Information, Bildung und Unterhaltung“ bildet. „Hub Kerkrade“ heißt das Ergebnis, in dem sich auf 5000 Quadratmeter ein Theater, eine öffentliche Bibliothek, verschiedene Kulturpartner und die Musikschule den Raum teilen. Vom Eingang bis zur Kinderecke sind verschiedene Räume durch ein langes Bücherregal miteinander verbunden. In diesen gewundenen Bücherschrank wurden verschiedene Funktionen wie Sitz- und Lesebereiche, Computer, Informationsschalter, digitale Bildschirme und Spielorte für Kinder integriert.

„Das Gebäude hat die Innenstadt belebt, die Bürgerinnen und Bürger sind stolz darauf“, konnte Jo Schlangen, Beigeordneter der Stadt Kerkrade, den Ahlener Besuchern berichten. Als frühere Bergbaustadt sei das Selbstwertgefühl ihrer Einwohner nicht sonderlich ausgeprägt gewesen. Mit dem „Hub“, das zu einem zentralen Treffpunkt aller Generationen geworden sei, habe die Stadt einen Ort bekommen, „wo man sich zuhause fühlen kann.“ 250.000 Besucherinnen und Besucher in den ersten 18 Monaten seit Eröffnung zeugten von der hohen Akzeptanz. Das Zentrum sei neben Wohnung und Arbeitsplatz ein typischer dritter Ort, „wo man einfach sein kann“, so Büchereileiterin Ilse Verburgh. Es lade nicht zum Konsum ein, sondern fordere auf aktiv und kreativ zu sein. Im Gegensatz zum landesweiten Trend stiegen in Kerkrade die Ausleihzahlen, obwohl Bücher nicht mehr die Hauptsache seien, ins „Hub“ zu kommen. „Sich treffen, lernen, Gemeinschaft bilden, das steht im Vordergrund.“

Für Bürgermeister Dr. Alexander Berger hat sich die Exkursion mehr als gelohnt. „Interessante und überraschende Eindrücke“ habe die Gruppe sammeln dürfen. Die besichtigten Beispiele zeigten, dass die Ahlener Ideen für ein multifunktionales Bürgerforum an Stelle der Stadthalle realistisch und notwendig seien. Beide Projekte hätten den finanziellen Rahmen nicht gesprengt und dabei höchste Qualität produziert. Für die weitere Planung seien die Beispiele aus Troisdorf und Kerkrade trotz nicht identischer Ausgangslage „Quelle wertvoller Inspiration.“   

Foto: Teilbar ist der große Saal der Stadthalle Troisdorf

Teilbar ist der große Saal der Stadthalle Troisdorf


Foto: Viel Fläche steht im Foyer zur Verfügung,..

Viel Fläche steht im Foyer zur Verfügung,..


Foto: …, das lichtdurchflutet ist.

…, das lichtdurchflutet ist.


Foto: Zeitgemäße Veranstaltungstechnik unter der Saaldecke

Zeitgemäße Veranstaltungstechnik unter der Saaldecke


Foto: Foyer und Saal sind durch abtrennbare Räume verbunden. Bei Bedarf können sie zu einer oder beiden Seiten geöffnet werden.

Foyer und Saal sind durch abtrennbare Räume verbunden. Bei Bedarf können sie zu einer oder beiden Seiten geöffnet werden.


Foto: Stadthalle mit außenliegender Bühne und Anlieferungszone

Stadthalle mit außenliegender Bühne und Anlieferungszone


Foto: Bereich des Haupteingangs

Bereich des Haupteingangs


Foto: Das „Hub“ ist Theater, öffentliche Bibliothek, Kulturort und Musikschule

Das „Hub“ ist Theater, öffentliche Bibliothek, Kulturort und Musikschule


Foto: Eingerichtet ist es in einer früherem Einkaufszentrum

Eingerichtet ist es in einer früherem Einkaufszentrum


Foto: Digitale Angebote wie eine interaktive Stadtchronik ergänzen das klassische Bücherangebot

Digitale Angebote wie eine interaktive Stadtchronik ergänzen das klassische Bücherangebot


Foto: Angegliedert ist das Stadttheater

Angegliedert ist das Stadttheater