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Arbeitsmarkt und Unternehmen in der Krise - Grund zur Sorge, aber auch Lichtblicke

Zwei Botschaften sind es, die Stadt Ahlen, Arbeitsagentur und Wirtschaftsförderung der Öffentlichkeit geben: Die derzeitige Corona-Krise lässt sich in ihren Auswirkungen mit nichts zuvor Dagewesenem vergleichen. Und: Es gibt gute Gründe, auf eine Erholung nach der Krise zu vertrauen.

Wann das jedoch sein wird, darauf wollen Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Agenturleiter Joachim Fahnemann und Wirtschaftsförderer Jörg Hakenesch keine Wetten abschließen.

Einig sind sie sich jedoch in der Überzeugung, dass es in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt sukzessive wieder nach oben gehen wird. „Die Wirtschaft muss in die Lage versetzt werden, die schlimmen Folgen abzufedern und Perspektiven zu entwickeln“, fordert Bürgermeister Berger. Ihren Teil dazu beitragen wird die Stadt Ahlen. Sie kommt den Unternehmen entgegen: Herabsetzungsanträge und Stundungen zur Gewerbesteuer summierten sich derzeit auf gut vier Millionen Euro. Das Ziel einer „schwarzen Null“ sei im Jahresabschluss zwar nicht mehr zu erreichen. Das solide Wirtschaften in den letzten Jahren versetze die Stadt jedoch in die Lage, auf eine gut gefüllte Ausgleichsrücklage zurückzugreifen. So habe die Stadt noch kurz vor Ausbruch der Krise sämtliche kurzfristigen Kredite abgelöst. Berger gibt sich entschlossen: „Alle Investitionen werden wir weiter durchführen, um die Wirtschaft zu stärken.“ Niemand könne das besser als die öffentliche Hand, „als verlässlicher Partner der Wirtschaft.“ An Rathausquartier, Osttangente und neuem Bauhof werde festgehalten.    

„Die Region ist stark und hat das Potenzial, die Krise zu bewältigen“, übt sich auch Joachim Fahnemann in Optimismus. Gleichwohl werde es dauern, die Folgen aufzufangen. Was Ahlen zugutekommt, sei die positive und solide Ausgangslage der Wersestadt. Bis zum Ausbruch der Pandemie sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Ahlen kontinuierlich gestiegen. Anders als es die weltweite Finanzkrise vor elf Jahren war, habe man es bei Corona mit keiner systemischen Krise zu tun. „Dies gibt Hoffnung auf eine schnelle Erholung, sobald die Pandemie medizinisch unter Kontrolle gebracht ist.“

Bis dahin wird es für viele Unternehmen und Beschäftigte noch einen dornigen Weg zurückzulegen geben. Das soziale Netz in Deutschland erweise sich als sehr tragfähig, „anders als in den USA, wo binnen kürzester Zeit Millionen in die Arbeitslosigkeit fielen.“ Instrumente wie das Kurzarbeitergeld hätten dies verhindert. Ihr Umfang sei so groß, „wie wir uns das in keiner theoretischen Diskussion hätten vorstellen können“, räumt Fahnemann ein. Für dreißig Prozent der Beschäftigten im Kreis Warendorf sei in März und April Kurzarbeit angemeldet worden (2141 Anzeigen für 27701 Personen). Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009 gab es während der Finanzkrise im Agenturbezirk Ahlen-Münster 710 Anzeigen für 21.708 Personen. Heute seien nahezu alle Branchen und auch viele Klein- und Kleinstunternehmen betroffen. Zur Wahrheit gehöre auch, dass für einzelne Betriebe trotz aller Hilfe die Insolvenz unvermeidlich sein wird.

Nicht alle Folgen der Pandemie kann die Kurzarbeit auffangen. So wird nach Prognose der Arbeitsagentur die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Laufe des Jahres sinken und im Schnitt niedriger liegen als 2019. Bereits im April stieg sie merklich an. Der Anstieg zum April 2019 entspricht für Ahlen etwa dem auf Kreisebene (+12,2 Prozent). Joachim Fahnemann: „Ein Grund für die steigende Arbeitslosigkeit liegt darin, dass die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt komplett ausgefallen ist.“ Die Arbeitgeber seien grundsätzlich sehr daran interessiert, ihre Beschäftigten zu halten. „Nach der Krise werden weiterhin mittelfristig zu wenig Menschen in der Region verfügbar sein“, mahnt der Agenturleiter, die jungen Menschen nicht zu vergessen, „die einem Jahrgang angehören, der es nicht einfach hat.“ Kam in den letzten Jahren auf fast jeden Bewerber eine Stelle, so warten die Betriebe derzeit eher ab. Eines stehe jedenfalls fest, so Fahnemann: „Fachkräfte werden nach der Krise händeringend gesucht.“

Wie kreativ viele Betriebe mit der Krise umgehen und welch hohes Maß an Zusammenarbeit besteht, lobte ausdrücklich WFG-Geschäftsführer Hakenesch. So hätten Hersteller von Filtersystemen und Genussmitteln kurzerhand die Produktion auf Masken und Desinfektionsmittel umgestellt. Differenziert müsse man betrachten, in welchem Ausmaß die Unternehmen betroffen sind. Einzelhandel und Reisegewerbe stünden „in einem täglichen Überlebenskampf.“ Etwas anders sehe es im Mittelstand aus. „Dort werden noch immer Aufträge aus der Zeit vor Corona abgearbeitet, es wird produziert und verkauft“, sagt Hakenesch. Langsam beginnen die Firmen wieder damit, strategische Planungen aufzunehmen. „Man guckt sehr aufmerksam, wo geht die Reise hin.“ Die WFG habe die letzten Wochen überwiegend damit zugebracht, Informationen zu sammeln und an die Betriebe weiterzuleiten. Auf der Homepage sei ein Sonderbereich eingerichtet worden, auch habe man den Bestell- und Abholservice „Ahlen bringt`s“ ins Leben gerufen. Man stehe jeden Tag im Kontakt mit Unternehmen und Geldinstituten. Trotz aller Ungewissheit ist Hakenesch sicher: „Das Münsterland ist gut aufgestellt. Ich denke, die Unternehmen werden wieder gut durchstarten.“

Foto: Joachim Fahnemann Dr. Alexander Berger und Jörg Hakenesch sehen die Region in der größten Krise, machen aber auch Mut.

Joachim Fahnemann Dr. Alexander Berger und Jörg Hakenesch sehen die Region in der größten Krise, machen aber auch Mut.