Zum Hauptinhalt springen

Bevor sie zur echten Plage werden: Vorbeugung ist das beste Mittel gegen Ratten

Gibt man in der Internet-Suchmaschine Google den Begriff „Rattenplage“ ein, findet man allein auf den ersten drei Seiten deutschlandweit Treffer: Ob in Duisburg, Augsburg, Dresden, Rottweil oder Ludwigsburg: die unbeliebten Nager treten derzeit an vielen Orten verstärkt auf. Selbst im Buckingham Palace in London sorgen sie in diesem Sommer dafür, dass die Queen „not amused“ ist.

Das Problem mit Haus- und Wanderratten macht auch vor Ahlen nicht halt. „Von einer Plage zu sprechen, ist jedoch unangemessen“, schätzt Fachbereichsleiterin Gabriele Hoffmann die Situation nüchterner ein. Presseberichte und Beiträge in den sozialen Medien hätten von Ahlen teilweise das Bild einer Stadt gezeichnet, in der an allen Ecken Ratten aus ihren Verstecken ans Tageslicht dringen. „Es ist ganz klar, wir haben eine Steigerung der Fallzahlen gegenüber dem letzten Jahr“, so Hoffmann. Waren es in 2018 und 2017 noch jeweils 29 Fälle, die dem Ordnungsamt gemeldet wurden, so waren es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 22. Das verlange Aufmerksamkeit und aktives Tun.

Hartnäckig sei das Problem, wenn es erst mal in der Welt sei, zeigt Hoffmann Verständnis für Betroffene und wird deutlich: „Das ist eine große Belastung, niemand will Ratten im Garten oder Keller haben.“ Tauchten die pelzigen Tiere auf, müsse schnell gehandelt werden. Von alleine würden sie nicht wieder verschwinden, warnt die Rechtsdirektorin vor falschen Hoffnungen. Professionelle Kammerjäger seien die Experten für die Bekämpfung von Rattenbefall auf privaten Grundstücken. Gebe es Anhalte für gravierendere Umstände, könne auch das Ordnungsamt zusammen mit dem Gesundheitsamt des Kreises ins Spiel kommen. „Das ist aber die Ausnahme, zunächst heißt es grundsätzlich immer Selbsthilfe.“

Aktiv ist die Stadt seit eh und je auf eigenen Grundstücken und in den städtischen Kanälen. „Es ist eine Daueraufgabe, die nie beendet sein wird“, gibt sich Robert Reminghorst, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, keinen Illusionen hin. Seitdem die Menschen erste Siedlungen bildeten, haben sie Ratten als Begleiter. Das bedeute aber nicht, dass die Kommunen machtlos wären. „Wir belegen regelmäßig sämtliche Kanäle in der Stadt mit Ködern, um den Befall einzudämmen.“ Jeder zweite bis dritte werde geöffnet, ein Köder festgebunden, der Schachtdeckel markiert und nach zwei bis vier Wochen kontrolliert. Sei der Köder angefressen, werde nachgelegt, bis keine Aktivitäten mehr festzustellen sind. Jährlich ausgetauscht wird der Wirkstoff. „Um auf eventuelle Resistenzen zu reagieren“, wie Reminghorst erklärt. 50.000 Euro lässt sich die Stadt den Kampf gegen Ratten jährlich kosten. Gerade erst sei die diesjährige Belegungsaktion stadtweit und in den Ortsteilen beendet worden. Das festgestellte Aufkommen an Ratten war in den Kanälen nicht größer als im vorigen Jahr. Unter Büschen legt das Ordnungsamt Köderkisten aus, wenn es Hinweise auf Rattenvorkommen gibt.

Hand in Hand und in enger Abstimmung arbeiten Ordnungsamt und Umweltbetriebe bei auftretenden Besonderheiten. „Wie etwa am Lütkeweg“, sagt Michael Göttfert, Gruppenleiter im Ordnungsamt, und in dieser Funktion immer wieder dort, wo Rattenbefall gemeldet worden ist. Dort laufen seit Wochen Anstrengungen, einen zähen Fall gemeinsam mit Grundstückseigentümer und einem von ihm beauftragten Schädlingsbekämpfer zu lösen. Kommende Woche werden deshalb öffentliche Kanäle an der Straße und allen Nebenstraßen zusätzlich zur turnusmäßigen Bekämpfung erneut mit Ködern belegt. „Wir wollen nichts unversucht lassen, um der Situation Herr zu werden“, so Göttfert. Zu einer echten Plage sollen Ratten in Ahlen nämlich nicht werden. Schnelle Erfolge seien bei der Ungezieferbekämpfung leider selten. Vorbeugung sei umso wichtiger: „Wirklich etwas bewirken können wir nur, wenn alle mitmachen.“

Als vorbeugende Maßnahmen verweist die Stadt Ahlen auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes:

Um einem Nagetierbefall vorzubeugen, sollte der Zugang von Nagetieren zu Nahrung (Lebensmittel, Tierfutter, Vorräte etc.) und Wasser verhindert werden. Zugänge zum Innenbereich wie zum Beispiel Spalten oder Löcher sollten möglichst verschlossen werden. Auch die richtige Kompostierung von Abfällen sowie die Beseitigung von Unrat oder Bodendeckern, die als Unterschlupf dienen könnten, kann das Risiko eines Nagetierbefalls verringern. Um die Ansiedlung beziehungsweise Ausbreitung von Ratten in der Kanalisation zu vermeiden, sollten keine Lebensmittel(-reste) durch die Toilette entsorgt werden. Auch das unnötige Füttern von Wassertieren fördert allein das Wohlergehen von Nagern.

Foto: Edmund Schürenkämper (links) und Michael Göttfert vom Ordnungsamt legen Köderkisten an öffentlich zugänglichen Stellen aus.

Edmund Schürenkämper (links) und Michael Göttfert vom Ordnungsamt legen Köderkisten an öffentlich zugänglichen Stellen aus.


Foto: Hilft der eine Köder nicht, wird zu einem anderen gewechselt.

Hilft der eine Köder nicht, wird zu einem anderen gewechselt.


Foto: Köder

Foto: Warnschild "Vorsicht Rattengift ausgelegt"

Foto: Markierungen auf den Schachtdeckeln zeugen von der Köderbelegung der Umweltbetriebe.

Markierungen auf den Schachtdeckeln zeugen von der Köderbelegung der Umweltbetriebe.


Foto: Dagegen kann jeder etwas tun: Unachtsam fortgeworfener Abfall und Lebensmittelreste ziehen zwangsläufig Ungeziefer an.

Dagegen kann jeder etwas tun: Unachtsam fortgeworfener Abfall und Lebensmittelreste ziehen zwangsläufig Ungeziefer an.