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„Bleiben Sie wachsam!“ – Appell zum Jahrestag des Kriegsendes

Einen leidenschaftlichen Appell zur Wachsamkeit gegenüber Gefahren für Demokratie und Frieden richtete Bürgermeister Dr. Alexander Berger auf dem Ostfriedhof an Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen. Am Gräberfeld der sowjetischen Zwangsarbeiter organisierte der Arbeitskreis weiterführender Schulen zum zehnten Mal eine Erinnerungsveranstaltung anlässlich des Gedenktages an das Kriegsende vor 74 Jahren.

Berger nahm in seiner Ansprache Bezug auf die Europawahl in zweieinhalb Wochen, in der es „auch um Ihre ganz persönliche Zukunft und die Freiheit oder Unfreiheit, in der Sie zukünftig leben werden“ gehe.

An den Gräbern der zu Tode gekommen osteuropäischen Zwangsarbeiter werde spürbar, was ein freies und ungeteiltes Europa wert sei. „Es fördert unser Wissen um andere Kulturen und lädt uns ein, auf Reisen ein eigenes Bild zu bekommen von Lebensweise und Sitten unserer Nachbarn.“ Wer mit eigenen Augen gesehen und dem Herzen gespürt habe, wie ähnlich wir uns im Norden, Süden, Westen und Osten Europas sind, der falle laut Berger „auf billige Polemik und dumme Vorurteile über andere Völker nicht mehr herein.“ Abschottung und Unwissen über die Nachbarn habe es den Nazis erst ermöglicht, den Deutschen angebliche Überlegenheit über andere Nationen vorzugaukeln. Heute seien Lehren aus dem Unglück des Krieges zu ziehen: „Die Toten auf dem Feld der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter verpflichten uns, für ein geeintes und friedfertiges Europa einzutreten.“

Berger lobte den aktiven Beitrag der Schulen zur Erinnerungskultur in Ahlen.  Es war 2010 das erste Mal, dass der Arbeitskreis weiterführender Schulen die Verantwortung übernahm für das Gedenken auf Ostfriedhof und Marktplatz. Eine Ausstellung in der Stadtbücherei, die am Mittwochnachmittag eröffnet wurde, wirft einen Blick zurück auf die vergangenen Veranstaltungen zum 8. Mai. Sie seien, so Berger, „mehr als die rituelle Antwort auf einen bedeutungsschweren Tag. Sie sind tatsächliches, politisches Engagement und besorgter Ausdruck einer Generation, die um ihre Zukunft und die demokratischen Zustände in der Gesellschaft bangt.“ Die von der Schülerschaft an diesem Tag auf die Beine gestellten Formate seien auf lokaler Ebene von gleicher Bedeutung wie das Engagement in den Bewegungen „Fridays for future“ oder „Pulse of Europe“.

Am Mahnmal für die Toten der Kriege auf dem Marktplatz legten am Mittag Bürgermeister Berger und der stellvertretende Kommandeur des Aufklärungsbataillons 7, Oberstleutnant Manuel Schwarzer, Kränze nieder. Schülerinnen und Schüler lasen aus Feldpostbriefen Aufzeichnungen von Soldaten über die an den Fronten erlebten Kriegsgräuel vor und verbanden die Schilderungen mit der Aufforderung, sich fortwährend für den Frieden in Europa und der ganzen Welt einzusetzen. Zuvor durchliefen sie auf dem „Weg der Erinnerung“ verschiedene Stationen, (Fritz-Winter-Gesamtschule: Garten der Erinnerung, Vorstellung und Angebote des Volkbundes; Städtisches Gymnasium: Auschwitzfahrten; Gymnasium St. Michael: Dr. Paul Rosenbaum; Berufskolleg St. Michael: Jüdischer Friedhof/Marga Spiegel; Volkshochschule: Bundeswehr/Friedenseinsatz in Mali; Glückaufheim: Zeitzeugengespräche/Bombenangriffe in Ahlen).

Foto: Kränze legten Oberstleutnant Schwarzer (2.v.l.) und Bürgermeister Berger am Mahnmal für die Toten der Kriege nieder.

Kränze legten Oberstleutnant Schwarzer (2.v.l.) und Bürgermeister Berger am Mahnmal für die Toten der Kriege nieder.


Foto: Der Sprecher des Arbeitskreises, Rainer Legant, begrüßte auf dem Ostfriedhof die Teilnehmenden.

Der Sprecher des Arbeitskreises, Rainer Legant, begrüßte auf dem Ostfriedhof die Teilnehmenden.


Foto: Kundgebung auf dem Marktplatz

Kundgebung auf dem Marktplatz


Foto: Bürgermeister Berger appellierte zu Wachsamkeit gegenüber Gefahren für Demokratie und Frieden.

Bürgermeister Berger appellierte zu Wachsamkeit gegenüber Gefahren für Demokratie und Frieden.