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Blick über den Tellerrand: Helga Rohden zu Gast an der Städt. Sekundarschule

„Über den Tellerrand schauen“: Das ist das Thema der Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrganges im Ergänzungsunterricht bei Frau Helmschrott. Dazu hatte die Gruppe Helga Rohden in ihren Unterricht eingeladen. Sehr interessiert folgten alle ihrem Gast auf eine virtuelle Reise nach Bagamoyo in Tansania zur Mwambao School.

Eindrucksvoll schilderte Helga Rohden, dass das weit entfernte Land Tansania in Ostafrika  gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine deutsche Kolonie und die Hauptstadt Bagamoyo „Umschlagplatz“ des ostafrikanischen Sklavenhandels war. Daher rührt auch der Name der Stadt. Bagamoyo heißt übersetzt „Leg dein Herz nieder“: Wer von Bagamoyo als Sklave deportiert wurde, hatte keine Chance, in seine Heimat zurückzukehren.

Reist man nach Tansania, stehen sich eine große Armut und eine faszinierende Natur gegenüber. In Bagamoyo leben viele Familien von der Fischerei, da die Stadt direkt am Indischen Ozean liegt. Trotzdem kann sich eine Familie in der Regel nicht jeden Tag Fisch zum Essen leisten. Auch das Trinkwasser ist für viele Familien ein Problem, denn nicht jeder hat einen Anschluss zum Grundwasser. Viele Schüler und Eltern der Mwambao School nutzen daher die Pumpen auf dem Mwambao-Schulgelände, um sich mit Wasser für die Familien zu versorgen. Das Leben der Familien in den Hütten ist sehr einfach: Meist steht nur ein einziger Raum zur Verfügung, natürlich ohne Dusche oder Toilette nach unseren Vorstellungen. Sie sind in einfachster Ausführung hinter der Hütte angelegt. Die Schüler des Kurses staunten über die höchst bescheidenen Verhältnisse, die Frau Rohden ihnen in vielen Bildern aufzeigte.

Die Mwambao School ist eine Primary School und umfasst einen Schulkindergarten für die Fünfjährigen sowie die Jahrgänge 1 bis 7.

Zurzeit besuchen insgesamt ca. 700 Kinder die Schule. Zum erfolgreichen Lernen fehlt es oft an Büchern, Heften und Stiften. Früher mussten sich bis zu zehn Kinder ein Buch teilen, mittlerweile teilen sich vier Kinder ein Buch. Von großer Bedeutung ist die Versorgung der Kinder mit einer einfachen Grundnahrung, für die an jedem Schultag unter dem Motto „Lernen ohne Hunger“ gesorgt wird. So bekommt seit 2008 jedes Kind kostenlos in der Frühstückspause eine Tasse Porridge kostenlos.

Für die Kinder in Bagamoyo ist ganz klar, dass mehr Lernen auch mehr Chancen für die Zukunft bedeutet. Daher nehmen sie vor den Abschlussprüfungen vier Wochen lang gerne an einem Lerncamp in der Mwambao School teil. Sie bringen – wenn sie haben – Matratzen und Moskitonetze von zu Hause mit und lernen bis abends intensiv zusammen. Während des Lerncamps werden sie in der Schule mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen versorgt. Am Wochenende bekommen sie Besuch von ihren Familien. Das Lerncamp wird seit 2014 durchgeführt; seitdem ist keiner der Schüler mehr durch die Abschlussprüfungen gefallen und alle lernen gerne.

Für Frau Rohden sind die Besuche in Bagamoyo stets verbunden mit Erlebnissen und Erfahrungen aus einer Mischung von Freude und Leid. Seit 2003 ist die Mwambao School ein Stück ihres Lebens, die Partnerschaft mit der Mwambao School gelingt nur in einem Netzwerk, das von vielen anderen mit unterstützt wird. Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule waren von den Erzählungen und Bildern sehr beeindruckt und haben Frau Rohden ein zweites Mal eingeladen, wenn sie von ihrem nächsten Besuch aus Bagamoyo zurück ist.

Foto: (v.l.) Melanie Helmschrott, Ergänzungskurs „Über den Tellerrand schauen“, Helga Rohden

(v.l.) Melanie Helmschrott, Ergänzungskurs „Über den Tellerrand schauen“, Helga Rohden