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„Demokratie leben! Eine Idee vom Glück.“ - Sensibles Gebilde, das immer wieder aufgefrischt werden muss

Das Leben in einer Demokratie darf keineswegs als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Wie wichtig und richtig es ist, sich dieses immer wieder bewusst zu machen, zeigte sich anlässlich des Besuches der Abgeordneten Reinhold Sendker und Henning Rehbaum beim Projekt „Demokratie leben!“ im Ahlener Rathaus.

Die CDU-Politiker aus Bundes- und Landtag informierten sich gemeinsam darüber, wie das Bundesprogramm von den Kooperationspartnern Stadt Ahlen, Arbeiterwohlfahrt und Bürgerzentrum Schuhfabrik umgesetzt wird.

"Demokratie geht uns alle an“, sagte Projektkoordinator Michael Engbers einleitend. Sie sei mit einer Haltung verbunden und wesentlich mehr, „als nur an die Wahlurne zu gehen.“ Den Abgeordneten brachte Engbers die Bausteine näher, aus denen sich das Programm in Ahlen zusammensetzt. Neben dem Aktions- und Initiativfonds ist vor allem das Jugendforum zentraler Ort, an dem Aktivitäten geplant und umgesetzt werden. Diese seien immer darauf gerichtet, jungen Menschen den Wert demokratischer Kultur praktisch zu vermitteln. Allein in diesem Jahr stehen dem Fonds 24.000 Euro zur Verfügung, um lokale Initiativen und Vereine zu unterstützen. Obwohl erst für das nächste Jahr vorgesehen, sei der programmatische Schwerpunkt „Religiöser Extremismus und Islamophobie“ vorgezogen worden, „weil hochaktuell“, so Engbers.

Bundestagsabgeordneter Reinhold Sendker trug an die Projektpartner den Wunsch heran, religiösen Extremismus als zentrales Thema dauerhaft zu betrachten. Die in Ahlen geleistete Arbeit sei wichtig, um Tendenzen zu sehen. „Gut, dass wir das in Ahlen haben“, lobte Henning Rehbaum die Anstrengungen der Projektpartner. Der Landtagsabgeordnete hält es für vordringlich, junge Leute gegen radikale Gedanken stark zu machen: „Gerne können Sie auch noch die Bekämpfung von Antisemitismus mit hineinpacken“. Vor allem unter Geflüchteten aus muslimischen Ländern sei systematisch anerzogener Antijudaismus und Israelfeindlichkeit weit verbreitet, sorgt sich Rehbaum. Flexibilität in der Themenwahl versicherte Integrationsbeauftragte Daniela Noack: „Wir beißen uns nicht an Themen fest“. Grundanliegen sei es, Vielfalt positiv darzustellen. Ein Projekt im letzten Jahr habe sich auch dem Verhältnis von Muslimen und Juden gewidmet. 

Eine weitere große Bedrohung demokratischer Spielregeln erkennt Reinhold Sendker in der Verrohung der Sprache. „Früher haben wir in einem sprachlichen Umfeld gearbeitet, das sachlich nüchtern war.“ Heute vermisse er häufig in den sozialen Medien den respektvollen Umgang miteinander. Sendkers Appell: „Wir müssen zurück zur Sachlichkeit: Das ist der Punkt!“ Die Ursachen für die Zuspitzung der Kommunikation liegen laut der AWO-Beauftragten für „Demokratie leben“, Annegret Kost-Ateser, in zunehmenden Egoismen. Der Gedanke des „Wie kann ich dienen?“ sei verschwunden. An seine Stelle sei das Denken an sich selbst getreten. „Und dann nimmt das diese Formen an“, so ihr Befund.

Für Daniela Noack gilt es, Ungeduld zu vermeiden und an Kommunikationsstrukturen zu arbeiten. Es brauche Zeit, um streitbare Gespräche miteinander führen zu können. Schlechter Ratgeber sei Aufgeregtheit: „Das hilft nicht weiter“, so die einhellige Auffassung in der Runde. Ebenso herrschte Konsens darüber, dass spätestens in den Kindertagesstätten die demokratische Erziehung beginnen muss. In Ahlen, so Fachbereichsleiterin Ulla Woltering, helfe das Instrument der Präventionskette, die Erziehungsfähigkeit von Eltern zu unterstützen. Sie nehme Mütter und Väter schon vor Geburt ihrer Kinder in die Verantwortung, begleite Übergänge und erzeuge Lust auf Bildung. 

Demokratie sei ein „sensibles Gebilde, das immer wieder aufgefrischt werden muss“, formulierte gegen Ende des Gespräches Henning Rehbaum die Meinung in der Runde. Als zu selbstverständlich betrachte es die Gesellschaft, in demokratischen Strukturen zu leben. Diese aber seien „mühselig erworben worden und müssen ständig aufs Neue verteidigt werden“, mahnte Ulla Woltering. Die Bundesregierung beabsichtigt im nächsten Haushalt, die finanzielle Ausstattung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ auf 104,5 Millionen Euro zu verdoppeln. „Das werde ich unterstützen“, kündigte Reinhold Sendker an, der auch für seinen Kollegen aus dem Landtag die Bitte aussprach, die zur Verfügung stehenden Mittel intensiv zu nutzen, um demokratiefeindlichen Entwicklungen entgegenzutreten.

Foto: Eine Menge Anerkennung zollten die Abgeordneten den Kooperationspartnern von „Demokratie leben“: (v.l.) Henning Rehbaum, Daniela Noack, Ulla Woltering, Annegret Kost-Ateser, Michael Engbers, Reinhold Sendker

Eine Menge Anerkennung zollten die Abgeordneten den Kooperationspartnern von „Demokratie leben“: (v.l.) Henning Rehbaum, Daniela Noack, Ulla Woltering, Annegret Kost-Ateser, Michael Engbers, Reinhold Sendker