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Erinnern an die Opfer des Rassenwahns – Patenschaften für „Stolpersteine“ zu vergeben

An 22 Stellen im Stadtgebiet erinnern künftig sog. Stolpersteine an Opfer der Nazi-Euthanasie. Am 8. Februar verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig die Steine im Ahlener Straßenpflaster. „Dass auch Menschen aus Ahlen als lebensunwert ermordet oder sterilisiert worden sind, ist eine vielen Bürgerinnen und Bürgern leider unbekannte historisch belegte Tatsache“, weiß Bürgermeister Dr. Alexander Berger.

Niemand habe sich zwischen 1933 und 1945 seines Lebens und seiner körperlichen Unversehrtheit sicher sein können. Wer durch geistige oder körperliche Behinderung sowie Krankheit von der nationalsozialistisch angeordneten Norm abgewichen sei, habe umkommen können in einer der NS-Tötungseinrichtungen, die sich als Heilstätten tarnten. „Daran wollen wir erinnern und mahnen, dass es ein universelles, unteilbares Recht auf Leben gibt“, so Berger.

Den Stein ins Rollen brachte eine Bürgerin aus Süddeutschland. Nach der letzten Stolpersteinverlegung im Februar wies sie darauf hin, dass ihr Großvater, Inhaber eines Lebensmittelgeschäftes in der Rottmannstraße, als „geistesgestört“ zunächst in die Heilanstalt Gütersloh eingewiesen und 1944 im Tiegenhof/Gnesen im heutigen Polen starb – mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet.

Für die Stadt Ahlen ging Manfred Kehr den Hinweisen nach und forschte zwei Tage im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Er fand Namen von 28 Ahlener Bürgerinnen und Bürger, die sich nach dem Rassenhygienegesetz vom 1. Januar 1934 „schuldig“ gemacht haben: Diese Menschen seien, so heißt es in den Akten, „Gefährder des arischen Erbguts“. Allein im Zuge der „T4-Aktion“ wurden zwischen 1939 und 1941 etwa 80.000 Menschen planmäßig ermordet. Von den 28 ermordeten bzw. misshandelten Ahlener Opfern sollen nun 22, deren letzte Wohnanschrift eindeutig geklärt ist, mit einem Stolperstein geehrt werden.

Bürger und Bürgerinnen können Steinpatenschaften in Höhe von je 120 Euro übernehmen. Die mit einer Messingabdeckung versehenen Pflastersteine sind mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr sowie dem Todesdatum und Ort der Ermordung versehen. Eine Patenschaft kann für 120 Euro pro Stein übernommen werden. Auskünfte erteilt Manfred Kehr im Fachbereich für Jugend, Soziales und Integration der Stadt Ahlen unter Tel. 02382 59567 (kehrm@stadt.ahlen.de). Für drei der Opfer sind bereits Patenschaften abgeschlossen worden, für diese 19 können weitere Interessierte ihre Bereitschaft erklären:

Ermordete nach dem „Rassenhygienegesetz“ (Euthanasieopfer):

Warendorfer Straße 40: MARIA HEGSELMANN, GEB. FREITAGSMÜLLER

Theodor-Körner-Straße 8 (früher Schulstraße): MARGARETE WIEDEHAGE

Parkstraße 109 (früher Friedhofstraße): MARIA PEILER

Alter Hof 8: JOHANNA STEINCHEN

Lütkeweg 28 (früher Adolf-Hitler-Straße): JOSEF HAGEMANN

Lütkeweg 47 (früher Adolf-Hitler-Straße): WILHELM MERSCH

Thurn-und-Taxis-Ring 13 (ehem. Auf dem Rüenberg): EMIL HOPPENHEIDT

Förderweg 25: OTTO SCHULTE

Klosterstraße 20: HEINRICH BUSSMANN

Dolberger Straße 17: THEODOR QUANTE

Galileistraße 74: ELISABETH PAPE, GEB. HÜNNINGHAUS

Schützenstraße 50: JOHANN SIMSON

Kampstraße 13: HEINRICH SELBACH

Rottmannstraße 111: ANNA KLEINE-KAPPENBERG

Weststraße 73: MARIA GROSCH, GEB. BOENKAMP

Überlebende Euthanasieopfer:

Auf dem Westkamp 31: WILHELMINE BRAUN, GEB. REDIGER

Bankenstraße 26: AUGUST DOMBROWSKI

Klosterstraße 33: MARIA BRINKMANN

Ulmenhof 46: DOROTHEA EBEL

Foto: Manfred Kehr und Regina Breitenbach (Bauordnung) auf der Suche nach der ehemaligen Adresse „Alter Hof 8“.

Manfred Kehr und Regina Breitenbach (Bauordnung) auf der Suche nach der ehemaligen Adresse „Alter Hof 8“.


Foto: Kartenausschnitt: Unter der ehemaligen Adresse „Alter Hof 8“ – heute direkt gegenüber vom CinemAhlen - wohnte bis 1941 die Ahlenerin Johanna Steinchen, die 1944 im besetzten Polen von den Nazis ermordet wurde.

Kartenausschnitt: Unter der ehemaligen Adresse „Alter Hof 8“ – heute direkt gegenüber vom CinemAhlen - wohnte bis 1941 die Ahlenerin Johanna Steinchen, die 1944 im besetzten Polen von den Nazis ermordet wurde.