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Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“ Berthold Brecht zitierte der Leiter des Städtischen Gymnasiums, Meinolf Thiemann, am Montagvormittag in der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus.

Zuvor legte Bürgermeister Dr. Alexander Berger am Mahnmal für die Nazi-Verfolgten einen Kranz nieder und gedachte mit den Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen in einer Schweigeminute der Opfer. Am 27. Januar jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee

In der Aula des Städtischen Gymnasiums warnte Thiemann vor Versuchen von rechter Seite, die Verfolgung von Juden während der Nazizeit zu verharmlosen. Heute sei es auch angesichts weniger werdender Zeitzeugen notwendig, die Geschichte zeitgemäß zu vermitteln. Der Schulleiter spielte dazu in seiner Ansprache den Song „Stolpersteine“ des Rapper Trettmann ein. Das Werk wurde nach dem gleichnamigen Projekt von Gunter Demnig benannt, welcher Opfern des Nationalsozialismus in ganz Europa gedenkt und normale Pflastersteine in hochpolierte Messing-Platten mit Eckdaten der jeweiligen Ermordeten austauscht.

Thiemann betonte, dass sich das Städtische Gymnasium nicht der Verantwortung verschließe und eine Stolperstein-Patenschaft im Rahmen der kommenden Verlegung übernehmen wird. Gunter Demnig verlegt am 28. Januar unter anderem einen Stein in der Oststraße in Erinnerung an den früheren Schüler des Gymnasiums, Karl Rosenberg. Der Ahlener Jude floh nach seiner Internierung im KZ Esterwegen über die Niederlande nach Frankreich, wo er unter dem Namen ‚Carlos‘ in der Résistance die Nazis bekämpfte und seinen Lebensabend bis 1986 in Spanien verbrachte.

Bürgermeister Berger sagte, mit der Befreiung des KZ Auschwitz sei vor 75 Jahren die größte Schande der deutschen Geschichte öffentlich geworden. „Zu welchen unvorstellbaren Grausamkeiten Menschen im Geiste einer Ideologie fähig sind, hat die Welt entsetzen lassen.“ Einzigartig sei in der Geschichte, was der Nationalsozialismus angerichtet habe. Sich dessen ständig zu erinnern, sei Pflicht aller verantwortungsvollen Menschen in unserem Land. Berger hob anerkennend die Gedenkstättenfahrten des „Städtischen“ hervor sowie das Engagement in der Initiative „Zusammen gegen Antisemitismus.“

Ihre Eindrücke von der letzten Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz haben Schülerinnen und Schüler der Q 1 in einem Film festgehalten. Im Besonderen hätten Bilder von Kindern die Empfindungen der Teilnehmenden berührt, sagte Organisator und Geschichtslehrer Tobias Meemann. Es sei bedrückend, dass die Hölle auf Erden eine menschengemachte war. In Deutschland müsse bei antijüdischen Vorfällen mehr geschehen als bloßes Zuschaustellen von Gesten der Betroffenheit. „Es ist unvorstellbar, dass in Halle der Massenmord an jüdischen Menschen versucht worden ist.“ Der antisemitische Anschlag sei an einer Tür gescheitert, die nicht nachgegeben habe. Zwei zufällig ausgesuchte Personen verloren bei der Tat ihr Leben.

Foto: „Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ – Die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung versammeln sich hinter dem Plakat der Initiative „Zusammen gegen Antisemitismus“.

„Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ – Die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung versammeln sich hinter dem Plakat der Initiative „Zusammen gegen Antisemitismus“.


Foto: Schweigeminute

Schweigeminute


Foto: Kranzniederlegung: Dominik Mateina, Hannah Pichol, Dr. Alexander Berger

Kranzniederlegung: Dominik Mateina, Hannah Pichol, Dr. Alexander Berger


Foto: Aus der Geschichte der Familie Rosenberg erzählte Gabriel Melville. Im Hintergrund Karl Rosenberg in der Uniform der französischen Armee.

Aus der Geschichte der Familie Rosenberg erzählte Gabriel Melville. Im Hintergrund Karl Rosenberg in der Uniform der französischen Armee.


Foto: Tobias Meemann (r.) forderte ein Engagement, das über bloße Betroffenheitsgesten hinausgeht. Mit auf der Bühne Teilnehmer der Auschwitz-Fahrt: (v.l.) Dominik Mateina, Tim Schniederjürgen, Hendrik Schlotböller

Tobias Meemann (r.) forderte ein Engagement, das über bloße Betroffenheitsgesten hinausgeht. Mit auf der Bühne Teilnehmer der Auschwitz-Fahrt: (v.l.) Dominik Mateina, Tim Schniederjürgen, Hendrik Schlotböller