Zum Hauptinhalt springen

„Keine privaten Betreuungsgruppen einrichten“ – Stadt warnt vor neuen Infektionsherden

„Das ist überhaupt keine gute Idee“, sagt Bürgermeister Dr. Alexander Berger zu Berichten über Kinderbetreuungsgruppen, die sich privat oder in Unternehmen bilden. Berger versteht die gute Absicht hinter dem Engagement, warnt aber eindringlich: „Neue Gruppen zusammenzusetzen, erhöht das Risiko von Infektionen.“

Aus diesem Grund würden auch die Notbetreuungen der Kitas und Schulen ausschließlich in schon bestehenden Zusammensetzungen organisiert und keine zentralen Notgruppen eingerichtet. Um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, sei nun die konsequente Vermeidung von sozialen Kontakten erforderlich. An alle Eltern, die jetzt unvorbereitet ihren Arbeitsalltag umorganisieren müssen, richtet der Bürgermeister ein herzliches Dankeschön. „Ich weiß, was wir uns zurzeit zumuten, aber es gibt dazu keine Alternative.“

Berger bittet alle Erziehungsberechtigten, auch weiterhin nicht die Großeltern mit der Betreuung zu beauftragen, weil ältere Menschen zur Risikogruppe zählen. Um Ansteckungen zu vermeiden, wiederholt er seinen Appell: „Keinesfalls dürfen private Betreuungsgruppen parallel aufgebaut werden.“ Das würde dem Ziel, soziale Kontakte zu minimieren, entgegenlaufen.

Seit Montag ist ein bis zum 19. April geltendes Betretungsverbot für Schulen und Kindertageseinrichtungen verfügt. Die Entscheidung, ein Kind zur Betreuung in der Schule oder Kindertageseinrichtung aufzunehmen, dessen Eltern in einer der untengenannten kritischen Infrastrukturen tätig sind, treffen die Leitungen der jeweiligen Schule bzw. Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflegepersonen.

Grundlage einer solchen Entscheidung ist zum einen ein Nachweis darüber, dass beide Elternteile (soweit nicht alleinerziehend) nicht in der Lage sind, die Betreuung zu übernehmen. Darüber hinaus muss eine schriftliche Zusicherung (oder Zusicherung der Nachreichung der Vorlage) der jeweiligen Arbeitgeber beider Elternteile vorliegen, dass deren Präsenz am Arbeitsplatz für das Funktionieren der jeweiligen kritischen Infrastruktur notwendig ist.

Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen. Bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung würden nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere ernsthafte Folgen eintreten. Die nachstehende Liste lehnt sich an die Verordnung zur Bestimmung kritischer Infrastrukturen nach dem Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI-Gesetz) und wird stetig fortentwickelt.

Der folgende Personenkreis ist in einer Kritischen Infrastruktur tätig:

1. Sektor Energie
• Strom, Gas, Kraftstoffversorgung (inklusive Logistik)
• insbesondere Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze
 
2. Sektor Wasser, Entsorgung
• Hoheitliche und privatrechtliche Wasserversorgung
• insbesondere Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze
 
3. Sektor Ernährung, Hygiene
• Produktion, Groß-und Einzelhandel (inklusive Zulieferung, Logistik)
 
4. Sektor Informationstechnik und Telekommunikation
• insbesondere Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze
 
5. Sektor Gesundheit
• insbesondere Krankenhäuser, Rettungsdienst, Pflege, niedergelassener Bereich, Medizinproduktehersteller, Arzneimittelhersteller, Apotheken, Labore
 
6. Sektor Finanz- und Wirtschaftswesen
• insbesondere Kreditversorgung der Unternehmen, Bargeldversorgung, Sozialtransfers
• Personal der Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes (insbesondere Auszahlung des Kurzarbeitergeldes)
 
7. Sektor Transport und Verkehr
• insbesondere Betrieb für kritische Infrastrukturen, öffentlicher Personennah- und Personenfern- und Güterverkehr
• Personal der Deutschen Bahn und nicht bundeseigenen Eisenbahnen zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes
• Personal zur Aufrechterhaltung des Flug- und Schiffsverkehrs
 
8. Sektor Medien
• insbesondere Nachrichten- und Informationswesen sowie Risiko-und Krisenkommunikation
 
9. Sektor staatliche Verwaltung (Bund, Land, Kommune)
• Kernaufgaben der öffentlichen Verwaltung und Justiz, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Justizvollzug, Veterinärwesen, Lebensmittelkontrolle, Asyl- und Flüchtlingswesen einschließlich Abschiebungshaft, Verfassungsschutz, aufsichtliche Aufgaben sowie Hoch-schulen und sonstige wissenschaftlichen Einrichtungen, soweit sie für den Betrieb von sicherheitsrelevanten Einrichtungen oder unverzichtbaren Aufgaben zuständig sind
• Gesetzgebung/Parlament
 
10. Sektor Schulen, Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe
• Sicherstellung notwendiger Betreuung in Schulen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege, stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung

Foto: Stadt warnt: „Keine privaten Betreuungsgruppen einrichten“

Stadt warnt: „Keine privaten Betreuungsgruppen einrichten“