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Kunstmuseum soll zu einem „Ort der Debatte“ werden

Komisch habe es sich für sie angefühlt, erzählt Dr. Martina Padberg, als sie im August die künstlerische Leitung des Kunstmuseums Ahlen übernahm: „Ein leeres Museum ist kein guter Zustand.“ Die Kunsthistorikerin fand an ihrem ersten Arbeitstag vor, was die Coronakrise angerichtet hatte: Die im März abgebrochene Ausstellung mit Werken von Jobst Tilmann, menschenleer. Konstruktiv wurde die Zeit der vorübergehenden Zwangsschließung im Haus genutzt.

In der ersten Etage liegt neuer Parkett, die Klimatechnik wurde optimiert. Und nun dürfen endlich wieder Besucherinnen und Besucher durch die Gänge flanieren und sich noch bis 8. November an der Ausstellung „Anfang ohne Ende“ erfreuen, einer Schau, die über 150 Gemälde, Papierarbeiten und Objekte aus 35 Jahren des Schaffens von Jobst Tilmann zeigt.

Auch wegen des ins Haus zurückkehrenden Lebens kann Martina Padberg die Vorzüge ihrer neuen Wirkungsstätte entspannter genießen. „Mit dem Skulpturengarten ist das schon eine Oase hier“, versicherte sie Bürgermeister Dr. Alexander Berger, der die Nachfolgerin von Dr. Stephan Trescher jetzt in Ahlen begrüßte. „Man sieht, dass die Stiftung immer bemüht ist, alles zu optimieren.“ Berger sieht das nicht anders. „Das Kunstmuseum Ahlen spielt in der Champions League.“ Ein Haus von diesem Rang wäre ohne die Schenkung und Arbeit der Theodor-F.-Leifeld-Stiftung nie zu bekommen gewesen, gibt sich das Stadtoberhaupt realistisch.

Padberg, die sich als freie Kuratorin in der Museumsszene einen Namen gemacht hat, kam schon Ende der 1990er-Jahre mit dem „KMA“ in professionellen Kontakt. Eigene Projekte setzt sie hier ab Herbst nächsten Jahres um, bis dahin realisiert sie die noch von ihren Vorgängern vorbereiteten Ausstellungen. Ihr erstes Vorhaben soll sich Krisenerfahrungen und ihrer Verarbeitung in der Kunst widmen, ein Thema, das vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie von besonderer Aktualität ist. „Dazu bin ich schon mit interessanten Künstlerinnen und Künstlern im Austausch, die sich auf verschiedenste Weise dem Thema nähern.“

Daran anschließen wird sich eine Ausstellung zur Frühphase der Fotografie auf Basis der herausragenden Sammlung von Hans-Werner Gummersbach, einem gebürtigen Ahlener und langjährigen Mitarbeiter der hiesigen Volkshochschule. Beide Themen seien sehr konkret und berührten die Lebenswelten der Menschen. Wichtige Voraussetzung, um den „Barriereraum Museum“ zu überwinden, findet die künstlerische Leiterin. Zu viele dächten noch immer, „das Museum ist ein Ort, der nicht für mich gemacht ist.“ Das sehe sie überhaupt nicht so. Ihr Ziel und Ideal sei vielmehr ein Museum, das in die Stadt hineinwirke. „Ich mag es gern, wenn das Museum ein Ort der Debatte ist.“ Dafür sucht Padberg laufend den Austausch mit Vereinen, Bildungsträgern und kulturellen Einrichtungen in Ahlen. „Auf spannende Gespräche und Begegnungen freue ich mich.“

www.kunstmuseum-ahlen.de

Kontakt: Tel. 02382 918356 (martina.padberg@kunstmuseum-ahlen.de)

Foto: Durch die laufende Ausstellung von Jobst Tilmann führte Dr. Martina Padberg Bürgermeister Dr. Alexander Berger.

Durch die laufende Ausstellung von Jobst Tilmann führte Dr. Martina Padberg Bürgermeister Dr. Alexander Berger.