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Lernen aus den Schrecken der Hexenverfolgung – Veranstaltungsreihe im November

Auf das Schicksal von Frauen und Männern, die in Ahlen Opfer sogenannter Hexenprozesse wurden, will eine Veranstaltungsreihe im November aufmerksam machen. Zwei Ausstellungen und verschiedene Vorträge beleuchten die Umstände, die vor fünf Jahrhunderten auch in der Wersestadt zu großem Unrecht geführt haben.

„Die Reihe soll dabei helfen, Muster zu erklären“, sagt Dr. Ludger Kaulig, der dem vorbereitenden Arbeitskreis „Hexenverfolgungen“ aus katholischer und evangelischer Kirche sowie Stadt Ahlen angehört. Für den katholischen Stadtpfarrer sei es ein klägliches Zeichen, wenn nicht aus den Geschehnissen gelernt und geschaut würde, wo es heute Verfolgung und Hetze bei uns und woanders gebe.

Der Rat der Stadt Ahlen hatte im Dezember 2017 beschlossen, die in der Zeit der Hexen- und Zaubererverfolgung während des 16. und 17. Jahrhunderts gequälten und ermordeten Menschen zu rehabilitieren. Vorausgegangen war ein Bürgerantrag, der maßgeblich von dem früheren Pfarrer Hartmut Hegeler vorbereitet worden war. Hegeler, der ebenfalls in dem Arbeitskreis mitarbeitet, gilt als einer der wenigen profilierten Forscher auf dem Gebiet der Hexenverfolgung. „Ein großes Kapitel der Geschichte mit dramatischen Abläufen, die nur gering wissenschaftliche Befassung gefunden haben“, zeigte sich AK-Mitglied und Pfarrerin Martina Grebe überrascht. Hegeler wird nicht nur einen Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung halten, am Buß- und Bettag zelebriert er zudem einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Bartholomäus-Kirche, in der zu den Öffnungszeiten eine Ausstellung über zeitgenössische Gegner der Verfolgung zu sehen sein wird.

Aber nicht nur die historischen Vorgänge will der Arbeitskreis in Erinnerung rufen. Ähnliche Phänomene würde es auch heute geben, etwa im Internet, denen es auf die Spur zu kommen gelte, wie Mitorganisator Heinz Aden feststellt: „Wo werden Feindseligkeiten geschürt, wo wird gegen Minderheiten gehetzt, was findet statt an geistiger Wegbereitung und Anfeindung?“ Die in der Regel auf Machtmissbrauch und Aberglaube fußende Hexenverfolgung der Vergangenheit werde zeitlich häufig im Mittelalter verortet. „So war es nicht“, widerspricht Pfarrer Matthias Grevel der landläufigen Meinung. Tatsächlich sei sie eine Erscheinung der frühen Neuzeit gewesen, „und zwar in katholischen wie in evangelischen Gebieten“, so der AK-Angehörige. Auch die Gegner seien sowohl Katholiken wie Protestanten gewesen.

Die Veranstaltungsreihe, die Bürgermeister Dr. Alexander Berger am 5. November um 19:30 Uhr im Heimatmuseum eröffnet, will den Beschluss des Rates „mit Inhalten und Leben füllen“, sagt Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels. Es handele sich um ein ernstes Thema, mit dem es sich auch heute noch zu beschäftigen lohne. Kulturamtsmitarbeiterin Gabriele Moser-Olthoff wird auf Anfrage vormittags Schulklassen durch die Ausstellung führen. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer können bereits jetzt mit ihr Termine unter Tel. 02382 59290 (moser-olthoffg@stadt.ahlen.de) vereinbaren. Das Heimatmuseum wird jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr die Ausstellung zeigen.

Das Programm der Veranstaltungsreihe:

Montag, 5. November, 19:30 Uhr, Heimatmuseum
Eröffnung der Ausstellung, Begrüßung und Vortrag von Dr. Alexander Berger und Hartmut Hegeler

Donnerstag, 8. November, 19 Uhr, Barthelhof
„Hexenverfolgung im geistlichen Staat – Das Kurfürstentum Köln“, Vortrag von Dr. Peter Arnold Heuser

Montag, 12. November, 19:30 Uhr, CinemAhlen
„Hexenjagd“, Film nach Bühnenvorlage von Arthur Miller, mit Einführung durch Willi Stroband (in der Reihe „Das Religiöse im Film“)

Donnerstag, 15. November, 19:30 Uhr, Heimatmuseum
„Digitaler Hass – Hexenjagd im Internet“, Vortrag von Fabian Prochazka

Mittwoch, 21. November, 17 Uhr, Bartholomäus-Kirche
Ökumenischer Gottesdienst

Sonntag, 25. November, 17 Uhr, Heimatmuseum
Finissage mit Michael Kampmann: Texte und Musik, Büchertisch mit der aktuellen Ausgabe des Heimatbandes „Der beflügelte Aal“

Hintergrund:

Beschluss des Rates der Stadt Ahlen vom 14. Dezember 2017:
 
„Die Rehabilitierung der unschuldig gequälten und hingerichteten Opfer der Hexen- und Zaubererverfolgung in Ahlen während des 16. und 17. Jahrhunderts ist ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung. Der Rat der Stadt Ahlen verurteilt diese Gewalt, die an Frauen und Männern begangen wurde. Er gedenkt der Opfer, rehabilitiert sie öffentlich und gibt ihnen damit heute im Namen der Menschrechte ihre Ehre zurück.
 
Wenngleich die Stadt Ahlen nicht Rechtsnachfolgerin der damals politisch und kirchlich Verantwortlichen ist, so besteht dennoch eine ethische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien. Angesichts der lokalen Geschichte steht der Rat der Stadt Ahlen zu dieser Verpflichtung.“

Foto: Eine Veranstaltungsreihe rund um Hexenjagden damals und heute hat der Arbeitskreis Hexenverfolgungen vorbereitet: v.l. Heinz Aden, Martina Grebe, Christoph Wessels, Matthias Grevel, Dr. Ludger Kaulig, Gabriele Moser-Olthoff

Eine Veranstaltungsreihe rund um Hexenjagden damals und heute hat der Arbeitskreis Hexenverfolgungen vorbereitet: v.l. Heinz Aden, Martina Grebe, Christoph Wessels, Matthias Grevel, Dr. Ludger Kaulig, Gabriele Moser-Olthoff


Foto: Motiv „Hexenverbrennung“ der Ahlener Künstlerin Sabrina Zimmermann (aus dem „Daily Painting Projekt“ im Heimatmuseum, 2012)

Motiv „Hexenverbrennung“ der Ahlener Künstlerin Sabrina Zimmermann (aus dem „Daily Painting Projekt“ im Heimatmuseum, 2012)