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„Mord am Hellweg“: Leben und Sterben in der Ahlener Zechenkolonie

Die bekannte österreichische Schriftstellerin Edith Kneifl beteiligt sich am 10. Band der „Mord am Hellweg“-Anthologie. Sie schreibt eine exklusive Kurzgeschichte, die in Ahlen spielen wird. „Wieder einmal ein Hochkaräter, der uns beehrt“, ist Ahlen Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels glücklich über die literarische Beachtung, die Ahlen erfährt.

Drehen wird sich die kriminalistische Story, die in den 1970er Jahren spielen wird, um die Zeche Westfalen und das Leben in der Kolonie. Ohne etwas vorwegzunehmen sei verraten: Ein Mord wird passieren. Denn das ist die Voraussetzung, um für die Anthologie schreiben zu dürfen.

Als Edith Kneifl 1992 den Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres erhielt, war das gleich eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal wurde eine Frau mit dem renommierten Preis ausgezeichnet und zum ersten Mal ein österreichischer Kriminalroman. Mittlerweile hat sich Kneifl längst als die Wiener Krimi-Queen etabliert. Die Romane der 1954 in Wels geborenen und heute in Wien lebenden freien Schriftstellerin sind vielfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Zahlreiche Literaturpreise und -stipendien, darunter die ROMY 2003 für die Verfilmung des Romans „Ende der Vorstellung“ und 2018 der „Ehrenglauser“. Insgesamt sind bisher 22 Kriminalromane und ca. 50 Kurzgeschichten von Edith Kneifl erschienen.

Hintergrund:

Bereits zum zehnten Mal schreiben zahlreiche nationale wie internationale Kriminalautorinnen und -autoren Kurzkrimis für Europas größtes Krimifestival „Mord am Hellweg“. In den nächsten Monaten wird an 23 Orten der Kulturregion recherchiert. Die Jubiläums-Anthologie wird pünktlich zum Festivalbeginn im Herbst 2020 erscheinen.

Dabei sind neben Edith Kneifl u.a. Ben Aaronovitch, Bernhard Aichner, Doris Gercke, Andreas Gruber, Elisabeth Herrmann, Jens Henrik Jensen, Volker Kutscher oder Antti Tuomainen – eine „kriminelle Gesellschaft“, die sich sehen lassen kann. 2002 gegründet wird die Biennale „Mord am Hellweg“ vom 19. September bis 14. November 2020 mit über 200 Veranstaltungen und weit mehr als 400 Autorinnen und Autoren bereits zum zehnten Mal die Hellweg-Region bespielen. Die vielfältigen Vorbereitungen sind bereits angelaufen. Um die am Veranstaltungsprojekt beteiligten Städte und Gemeinden auch zu literarischen Tatorten werden zu lassen, lädt die Festivalleitung traditionell bereits weit vor Festivalbeginn bekannte Krimipreisträger und Bestsellerautoren zur Recherche in die Region ein. Zwei bis drei Tage haben die Schriftsteller Zeit, sich für einen lokalen Kurzkrimi inspirieren und auf ihren persönlichen Ort einzulassen. Mindestens ein Mord ist Pflicht in Ahlen, Dortmund, Hagen, Unna, Lünen, Schwerte, Soest und anderen beteiligten Städten und Gemeinden der Region.

Welche Verbrechensfantasien die Recherchereisen der illustren Krimischar geweckt haben, wird im September 2020 enthüllt, wenn die beliebte „Mord am Hellweg“-Anthologie zum zehnten Mal pünktlich zu Festivalbeginn im Grafit Verlag (Emons Köln) erscheint. Wie Mörder an den Tatort kehren dann auch die Autorinnen und Autoren in „ihre“ Städte zurück, um sich und ihre Mordgeschichten bei einer Lesung vorzustellen. Fast alle bedeutenden Krimiautoren des deutschsprachigen Raums sowie internationale Gäste haben inzwischen für eine „Mord am Hellweg“-Anthologie geschrieben. Herausgegeben und lektoriert wird auch der zehnte Band von Kriminalschriftsteller und Publizist H.P. Karr und der Festivalleitung von „Mord am Hellweg“, Herbert Knorr (Leiter Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V.) und Sigrun Krauß (Kreisstadt Unna, Leiterin Bereich Kultur). Folgende 24 Autorinnen und Autoren reisen für die Jubiläumsausgabe in den nächsten Monaten in die Region:

Österreichs erfolgreichste Krimiautorin Edith Kneifl („Todesreigen in der Hofreitschule“) macht sich auf den Weg nach Ahlen und Bestsellerautorin Gisa Pauly („Sturmflut“) reist nach Bad Sassendorf. Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer („Wilsberg – Ein bisschen Mord muss sein“) schaut sich in Bergkamen um und Benedikt Gollhardt in Bönen. Er wurde vor seinem Thriller-Debüt „Westwall“ besonders als Drehbuchautor von Serien wie „Danni Lowinski“ und „Türkisch für Anfänger“ bekannt. Dortmund wird Schauplatz des Kurzkrimis von Volker Kutscher, dessen berühmte Gereon-Rath-Romane derzeit als „Babylon Berlin“ von ARD/Sky u.a. verfilmt werden.

Die Grande Dame des deutschen Krimis und Bella-Block-Erfinderin Doris Gercke lässt sich von Erwitte inspirieren und die Düsseldorfer KRIMICOPS, die schon fast Kultstatus haben, suchen in Fröndenberg/Ruhr nach einem Tatort. Der Glauser-Preisträger und österreichische Starautor Bernhard Aichner, der im September seinen neuen Thriller „Der Fund“ herausbringt, reist nach Gelsenkirchen. Katja Bohnet („Krähentod“) macht Hagen unsicher und den vielfach preisgekrönten Wiener Andreas Gruber, der sonst den schrägen Profiler Maarten S. Sneijder ermitteln lässt, zieht es nach Hamm.

Auf Recherchereise nach Holzwickede fährt Glauser-Preisträger Horst Eckert („Der Preis des Todes“) und Krischan Koch („Mörder mögen keine Matjes“), den man durch seine skurrilen Küstenkrimis kennt, lässt für „Mord am Hellweg“ die Nordsee hinter sich und macht sich auf den Weg nach Iserlohn. Der finnische Autor Antti Tuomainen („Palm Beach Finland“), der u.a. mit dem Clue Award, dem finnischen Krimipreis ausgezeichnet wurde, macht Kamen zum Schauplatz des Verbrechens und der deutsche Spaßkrimikönig Ralf Kramp („Aus finsterem Himmel“) treibt sein Unwesen in Lüdenscheid. Die derzeit vielleicht bedeutsamste deutschsprachige Krimischriftstellerin Elisabeth Herrmann („Joachim-Vernau-Reihe“) reist nach Lünen und nach Schwerte der Brite Ben Aaronovitch, dessen Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant („Flüsse-von-London-Reihe“) die internationalen Bestsellerlisten im Sturm eroberte.

In ihrem Thriller „Im Jahr der Finsternis“ lässt sie ganz Europa im Chaos versinken, ab Herbst plant die gebürtige Italienerin I. L. Callis dasselbe mit Selm. Der kulinarische Krimiexperte Carsten Sebastian Henn („Der letzte Caffè“) sucht in Soest nach Verbrechen und einer der besten deutschsprachigen Krimiautoren überhaupt Jan Costin Wagner („Kimmo-Joentaa-Reihe“) im und für den Kreis Unna. Jens Henrik Jensen, Autor der OXEN-Trilogie um den schwer traumatisierten Elitesoldaten Niels Oxen, sucht in der Stadt Unna nach einem Schauplatz für seinen Kurzkrimi. Christof Weigold („Der blutrote Teppich“), bekannt für seine raffinierten 20er Jahre Hollywood-Krimis um Privatdetektiv Hardy Engel, wird die düstere Vergangenheit des Nicolaiviertels in Unna unter die Lupe nehmen. Als Inspiration für den großen deutschen Krimimeister Friedrich Ani („Tabor-Süden-Reihe“) dient Werl und Sven Stricker („Sörensen fängt Feuer“), der u.a. als Hörspielregisseur der Werke von Henning Mankell bekannt wurde, reist nach Wickede. Melanie Raabe („Der Schatten“), die 2011 den ersten Platz beim Deutschen Kurzkrimi-Preis belegte und seit Jahren eine der wichtigsten Krimischriftstellerinnen Deutschlands ist, schreibt für Witten.

Foto: Edith Kneifl recherchiert in Ahlen für den „Mord am Hellweg“ (Foto: Marlene Mautner)

Edith Kneifl recherchiert in Ahlen für den „Mord am Hellweg“ (Foto: Marlene Mautner)