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Münchens Alt-OB Christian Ude zu Gast in Ahlen

Ob in der Millionen-„Weltstadt mit Herz“, wie München sich gerne selbst darstellt, oder im westfälischen Ahlen: Bürgerbeteiligungen sind das A&O in der Kommunalpolitik. Darin stimmen überein Münchens früherer Oberbürgermeister Christian Ude und Dr. Alexander Berger.

In der Wersestadt begrüßte Ahlens Bürgermeister den Ex-„OB“ der bayerischen Landeshauptstadt und ehemaligen Präsidenten des Deutschen Städtetages aus Anlass von Udes Lesereise durch Deutschland. Im Rahmen der VHS-Reihe „Autoren lesen“ gab der Politiker am Abend im Volksbank-Forum Kostproben aus seinem jüngsten Buch „Die Alternative oder: Macht endlich Politik!"

Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern seien im Vorfeld von Entscheidungen zwar strapaziös aber lohnenswert, berichtete Ude im Gespräch mit Berger aus seiner 21-jährigen Zeit als Oberbürgermeister. „Offen zu diskutieren, zwingt die Leute, nachzudenken und Abwägungen zu treffen“, so der SPD-Politiker. Nörgler blieben zwar trotzdem Nörgler, Projekte würden dafür beschleunigt und nicht mehr zerredet, wenn es darauf ankommt „zum Schluss in der wichtigen Realisierungsphase.“ Seit den Zeiten von Hans-Jochen Vogel als Münchener OB setze die Landeshauptstadt auf Bürgerbeteiligungen und sei damit „immer gut gefahren.“ Ude bestärkte Berger, mit der frühzeitigen Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern fortzufahren, so wie es zurzeit bei der Erstellung des Radverkehrskonzeptes geschieht oder auch schon bei der Marktplatzgestaltung erfolgreich war. 

Berger und Ude verbindet nicht nur die berufliche Erfahrung als Verwaltungschefs, beide sind „von Haus aus“ auch Juristen. Es sei schon eine Erleichterung, so Ude, wenn man nicht alles glaubt, „was einem als Sachzwang vorgelegt wird.“ Dass das Regieren in einer Stadt mit anderthalb Millionen Einwohnern schwieriger sein muss als in Ahlen mit rund 53.000 Menschen, glaubt Ude indes nicht. Dies anzunehmen sei ein Irrtum. Es werde in der Millionenstadt respektiert, wenn man als Bürgermeister ausgebucht ist und Einladungen nicht folgen könne. „Amtskollegen in Kleinstädten können sich nicht so leicht drücken vor Terminen“, ist Ude, der seit seinem Abschied aus der Politik auch als Kabarettist Erfolge feiert, sicher.

Der zuweilen miesepetrigen Stimmung im Lande zeigt Ude entschieden die rote Karte: „Die Verhältnisse sind nicht schlecht!“ Die Miesmacherei sei eine „Karikatur der Realität.“ Versäumt worden sei es jedoch in den letzten Jahren, den Diskurs über wichtige Themen zu pflegen, die die Gesellschaft bewegen. Dies habe auch die politischen Ränder gestärkt, weil „Themen, über die gestritten wurde, überall stattfanden, nur nicht im Parlament.“ Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen komme seine Partei nicht umhin, in einer Großen Koalition weiter zu regieren. Dies entbinde sie jedoch nicht von der Freiheit, Entwürfe für die Zukunft zu entwickeln. „Die Ideenlosigkeit kann man nicht Frau Merkel anlasten, Ideen muss man sich schon selber ausdenken.“ 

Gespräch unter Amtskollegen: Christian Ude (l.) und Dr. Alexander Berger befürworten konsequent, die Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger zu nutzen.


Eintrag in das Gästebuch der Stadt Ahlen.


Auf Lesereise durch Deutschland ist Christian Ude zurzeit unterwegs.