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Reste der Stadtmauern werden wieder sichtbar

Wer mit Bus oder Bahn nach Ahlen reist, bekommt am Sidney-Hinds-Platz einen ersten Eindruck von der Stadt. Die Grünfläche gegenüber des Bahnhofs ist in den letzten Jahren ein wenig ins Abseits geraten. Das wird sich bald schon ändern: Der Vorplatz zum Bahnhof soll wieder zu einem erlebbaren Stadttor mit „Visitenkartenfunktion“ werden und in das öffentliche Leben integriert werden.

So sieht es die Beschlussvorlage vor, über die der Betriebsausschuss am Dienstag beraten hat. Einstimmig sprach er sich dafür aus, dem Park neue Akzente zu verleihen. Aus dem heutigen Durchgangspark soll wieder ein Ort werden, in dem der Aufenthalt Freude macht. Kernstück sind die alten Wehranlagen. Die Relikte aus dem Mittelalter sollen nachempfunden werden, um Bürgern und Besuchern die geschichtliche Entwicklung Ahlens näherzubringen.

„Die ehemalige Wehranlage ist im Bereich des Parks nicht überbaut und kann mit wenig technischem Aufwand erlebbar gemacht werden“, sagt Jörg Pieconkowski von den Ahlener Umweltbetrieben. Der Gruppenleiter und Landschaftsarchitekt hat die Pläne zur Neugestaltung entworfen. Im letzten Sommer legten Archäologen die als Bodendenkmal eingetragenen Wallanlagen frei, die Teil der Stadtbefestigung waren. „Weil wir über ihre Lage jetzt sehr gut Bescheid wissen, haben wir die im Stadtgebiet einmalige Gelegenheit, die historischen Befestigungsanlagen herauszustellen, sichtbar und erlebbar zu machen.“
 
Die Planung sieht vor, im Gelände Dimension und Lage der ehemaligen Befestigungsanlagen sichtbar zu machen. Der Querschnitt wird dabei durch eine mit Cortenstahl verkleidete Betonwinkelmauer optisch begrenzt. Eine Hinweistafel soll den in Ahlen einzigartigen Ort erklären - kann Anlaufpunkt bei Stadtführungen sein.
 
Barrierefreiheit und Wegeführung
Die Parkanlage ist im heutigen Zustand erneuerungsbedürftig und nicht barrierefrei. Unter anderem sind die sehr pflegeintensiven Gehwegbeläge für Benutzer von Rollatoren und Rollstuhlfahrer ungeeignet. Der neue barrierefreie Belag sieht Pflaster auf Fuß- und Radweg sowie auf den Rampen vor, eine wassergebundene Wegedecke kommt auf die übrigen Parkwege. Die teils sehr breiten Parkwege sollen begradigt und auf das notwenige Maß reduziert, die freiwerdenden Flächen dann zu zusätzlichen Grünflächen werden. Die jetzige Wegeführung bleibt weitgehend erhalten. Lediglich der Weg zum Ort, wo früher der Jüdische Friedhof lag, soll weichen. Der Erinnerungsort wird künftig über einen seitlichen Zugang von Westen her erreichbar.

Ruhebänke und Lampen werden exakt diejenigen werden, die man heute schon aus dem Berliner Park kennt. „Das dient einem einheitlichen Erscheinungsbild und begrenzt den Unterhaltungsaufwand“, so Jörg Pieconkowski.

Blumen und Gehölze
Im Zuge der Umgestaltung werden einige sogenannte Pionierbäume – Bäume die sich selbst ausgesät haben - entfernt, damit die Grundstruktur des Parks wieder erkennbar wird und attraktive Sichtachsen freigelegt werden. Die alten Gehölzflächen werden in Form gebracht und ergänzt oder durch die Pflanzung von blühenden Sträuchern und Bodendeckern erneuert. Pieconkowski verspricht, dass ein bei den Bürgerinnen und Bürgern besonders beliebtes Element erhalten bleibt: „Das zentrale und die Anlage prägende Blumenbeet rühren wir nicht an.“ Im Gegenteil: Durch die landschaftspflegerischen Maßnahmen vergrößere sich die optische Wirkung der jahreszeitlich wechselnden Blütenteppiche die zukünftig auch im zeitigen Frühjahr und damit drei Mal im Jahr gepflanzt werden. Keine Zukunft hingegen hat die Beeteinfassung aus Buchsbaum. Nur mit massivem Einsatz von Gift ließe sich die auch in privaten Gärten bekannte Züngslerplage wirksam in den Griff bekommen. „Das wollen wir aber nicht einsetzen, weil darunter auch immer Nützlinge leiden“, unterstreicht der städtische Grünflächenchef.
 
Alter Jüdischer Friedhof
Wiederverwertung heißt es beim Bau des neuen Aufgangs zum Erinnerungsort für den früheren Jüdischen Friedhof. „Hierfür möchten wir die Stadtmauerblöcke und Bodenplatten verwenden, die auf den Stadtwall führen“, plant Pieconkowski. Am nordwestlichen Ende des Parks befinden sich Gedenksteine, die an den Friedhof erinnern, der in den 1930er-Jahren zum Westfriedhof verlagert worden ist.

Die Planung für den Sidney-Hinds-Park werden von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Ahlen und dem Landesdenkmalamt begrüßt, insbesondere da die meisten Bodendenkmäler nicht dauerhaft sichtbar sind. „Wir rücken die Relikte jetzt wieder kunstvoll  ins Stadtbild, das wird eine echte Sehenswürdigkeit“, freut sich Jörg Pieconkowski auf die anstehenden Bauarbeiten im Park, die nach der erwarteten Förderzusage möglichst in der zweiten Jahreshälfte 2019 begonnen werden sollen.

Förderung
Dem Förderantrag wurden Kosten in Höhe von 310.000 Euro zugrunde gelegt. Der Rat der Stadt Ahlen hatte im letzten Jahr auf Basis des Integrierten Handlungskonzeptes „Masterplan Ahlener Innenstadt im Trialog“ (Stand 2015) beschlossen, für die Umsetzung des Stadterneuerungsprojektes „Aufwertung und Qualifizierung des Sidney-Hinds-Parks“ Fördermittel aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ (Stadterneuerungsprogramm 2019) zu beantragen.

Wer war Sidney Hinds?
Colonel Sidney Hinds auf amerikanischer und Oberfeldarzt Dr. Paul Rosenbaum auf deutscher Seite verhandelten an Karfreitag 1945 die kampflose Übergabe der Stadt Ahlen an die heranrückende US-Army. Der Stadt ist damit die sinnlose Zerstörung erspart geblieben. Beiden „Rettern von Ahlen“ gedenkt die Stadt mit der Benennung von zentralen Plätzen: Am Bahnhof nach Sidney Hinds, auf dem Kirmesplatz an der Rottmannstraße nach Dr. Paul Rosenbaum. Ein Gedenkstein an der Stadtbücherei erinnert an beide Männer, die das Ende der Kriegshandlungen in Ahlen herbeigeführt haben.

Foto: Im letzten Sommer gruben Archäologen nach der alten Stadtbefestigung.

Im letzten Sommer gruben Archäologen nach der alten Stadtbefestigung.


Foto: Sie wird bald dauerhaft sichtbar werden.

Sie wird bald dauerhaft sichtbar werden.


Skizze Ausbauplanung Sidney-Hinds-Park (Zum Vergrößern bitte anklicken)