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Städtische Schreinerei zieht um: Maschinen waren fast 50 Jahre im Dienst

Aufbruchstimmung, aber auch ein bisschen Wehmut herrscht derzeit in der städtischen Schreinerei am alten Baubetriebshof. Denn beim Umzug der Einrichtung an den neuen Standort am Ostberg dürfen einige der Maschinen nicht mitkommen.

„Moderne Maschinen, Absaugvorrichtungen und viel Platz zum Arbeiten haben die Schreiner der Stadt Ahlen in ihrem neuen Domizil vorgefunden“, zitiert Frank Merschhaus aus einem Zeitungsbericht. Damit beschreibt der Stadtsprecher jedoch nicht die aktuellen Zustände im soeben eröffneten Baubetriebshof am Ostberg, sondern den Bezug der Vorgänger-Schreinerei an der Alten Beckumer Straße zum Jahreswechsel 1973/74.

Genau 46 Jahre nach der Veröffentlichung jenes Presseberichts steht Schreiner Christian Splett an derselben Stelle neben der mannshohen Plattenaufteil¬säge, vor der sich damals einer seiner Vorgänger für Redakteur Rolf Kersting ablichten ließ. „Eine sehr robuste Maschine“, hält er fest. Und sehr gut gepflegt eben. Doch wo in den vergangenen Jahrzehnten fleißig Holz gesägt und zusammengeleimt, wo so manches Schul-Interieur repariert oder ergänzt wurde, wird nun auseinandergeschraubt und abgebaut. Die Abwicklung des alten, 220 Quadratmeter großen Schreinerei-Standorts sowie des gesamten bisherigen Bauhofgeländes ist seit Tagen in vollem Gange.

„In gut einer Woche soll alles raus sein“, sagt Dennis Hadrika, Gruppenleiter im Technischen Zentralen Gebäudemanagement, beim Ortstermin. Dafür legen sich die „Holzwürmer“ Christian Splett, der seit gut zwei Jahren hier arbeitet, und sein Kollege Stefan Krampe – zwölf Jahre an dieser Stelle im Dienst – derzeit mächtig ins Zeug. Sie sortieren, was noch nützlich ist. Alles andere wandert in den Container. Dabei haben sie unter einem Schrank auch den besagten Zeitungsartikel entdeckt, der für einige Erheiterung unter den Kollegen sorgt. „Stark engagiert sind die Mitarbeiter auch im Karneval“, ist da unter anderem zu lesen. „Nach Feierabend stellen sie ihre handwerklichen Fähigkeiten in den Dienst des Bürgerausschusses und basteln die Aufbauten mehrerer Wagen zusammen.“ Von dieser Episode zeugen auch noch einige Fotos an den Wänden, auch wenn die zentralen Elemente des Rosenmontagsumzugs längst an anderer Stelle erstellt werden.

Etwas wehmütig blicken die Schreiner jedoch auf die Geräte, die sie nun zurücklassen müssen. Neben der Plattenaufteilsäge stehen dort noch ein Kettenstemmer, eine Bandschleifmaschine und eine Langlaufbohrmaschine – allesamt Baujahr 1973. „Sie sind voll funktionsfähig, halten aber den heutigen Vorschriften zur Arbeitssicherheit nicht mehr stand“, erklärt Dennis Hadrika, warum sie nicht mit in den Neubau am ehemaligen Güterbahnhof umziehen. „Für den privaten Gebrauch könnten sie natürlich noch verwendet werden, nur nicht mehr in einer professionellen Schreinerei.“ Und so hofft der ZGM-Mitarbeiter, dass sich vielleicht für das eine oder andere Schätzchen noch innerhalb des Endspurts ein neuer Eigentümer findet. Hobbybastler haben in Coronazeiten schließlich Hochkonjunktur.

Ein historischer Schubladenschrank hat den Sprung ins moderne Umfeld jedoch geschafft. Er wird sicher ein Hingucker in der neuen Schreinerei sein. Die ist platzmäßig allerdings nicht mehr so großzügig wie das Pendant aus den 70er Jahren. „Wir mussten uns daher genau überlegen, was wir mitnehmen und was nicht“, sagt Stefan Krampe.

Quelle und Foto: Christian Wolff, Ahlener Zeitung vom 17.11.2020

Foto: Schreiner Christian Splett steht an derselben Stelle neben der Plattenaufteilsäge, wo fast 50 Jahre zuvor einer seiner Vorgänger den ersten Schnitt setzte. Der Auszug läuft. Dabei wird so einiges im Container landen.

Schreiner Christian Splett steht an derselben Stelle neben der Plattenaufteilsäge, wo fast 50 Jahre zuvor einer seiner Vorgänger den ersten Schnitt setzte. Der Auszug läuft. Dabei wird so einiges im Container landen.