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Unterschiedlich, aber weitreichend - „Partnerschaft für Demokratie“ fördert sechs Maßnahmen

Mittel in Höhe von insgesamt 26.000 Euro hat jetzt der Aktions- und Initiativfonds der „Partnerschaft für Demokratie“ bewilligt. Von der zweiten Tranche im laufenden Projektjahr profitieren der „Minifonds“ sowie fünf Projekte, die sich den Zielen der „Partnerschaft für Demokratie“ in besonderer Weise verpflichtet fühlen.

„Je unterschiedlicher die Projekte sind, desto mehr Menschen können wir erreichen“, begründet Projektkoordinatorin Lisa Kalendruschat das weite Spektrum der geförderten Initiativen.

Die 2015 ins Leben gerufene lokale Partnerschaft „Demokratie leben! Eine Idee vom Glück“ zielt darauf ab, in Ahlen ein Zeichen für demokratische Werte zu setzen und diese auch zu leben. „Die ausgesuchten Projekte setzen diesen Anspruch vorbildlich um“, so Kalendruschat. Für die Koordinatorin steht außer Frage, dass Demokratiearbeit anstrengend ist und viel Energie benötigt. „Aber alle Bemühungen sind es wert, weil die Ziele so ungemein wichtig sind und die Pfeiler für das menschliche und friedvolle Zusammenleben darstellen.“

Der Begleitausschuss hat zudem beschlossen, den „Minifonds“ wegen großer Nachfrage erneut aufzulegen. In ihm stehen Mittel in Höhe von 2.500 Euro zur Verfügung, „für kleine spontane Vorhaben“, wie Lisa Kalendruschat sagt.“ Dieser kann etwa zum Zuge kommen, wenn ein Verein oder eine Initiative kurzfristig einen Referenten für eine Veranstaltung buchen möchte, die sich im weitesten Sinne der Demokratieförderung verschreibt. Anträge können ab sofort bei Lisa Kalendruschat gestellt werden.

„Grünes Licht“ gab der Begleitausschuss für folgende Maßnahmen: 

- Demokratie leben in Kindertageseinrichtungen (AWO) – Sensibilisierung der Ahlener KiTas und ihrer Mitarbeitenden für Demokratie, Menschenrechte und Teilhabe;
- Jugendkinotag (Innosozial) – Zugang zu den Themen Demokratie, Inklusion und Integration über das Medium Film;
- Workshopwoche „Gay mir weg!“ (Fritz-Winter-Gesamtschule) – Thematisierung von Alltagsdiskriminierung aufgrund sexueller Orientierung;
- Demokratieerziehung im Lunch Club (Lunch Club) – Regeln für ein friedliches Miteinander mit Respekt und Toleranz;
- „Würfelbrot“ – ANDERS sein ist voll okay (Jugendecke Nord) – Auseinandersetzung mit dem Thema ANDERS-SEIN über das Medium Theater.

Weitere Informationen und Beratung bei der Antragstellung gibt Lisa Kalendruschat in der Koordinierungsstelle der „Partnerschaft für Demokratie“  unter Tel. 02382 59765 (kalendruschatl@stadt.ahlen.de).

Die „Partnerschaft für Demokratie“ wird gemeinschaftlich getragen von der Stadt Ahlen, der Arbeiterwohlfahrt und dem Bürgerzentrum Schuhfabrik. Finanziell unterstützt wird sie durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die geförderten Projekte im Einzelnen:

Demokratie leben! in KiTas

„Mit Erziehung zu demokratischem Verhalten kann man nicht früh genug beginnen!“ Heiko Sachtleber, Geschäftsführer der AWO Ahlen, kennt fremdenfeindliche Haltungen, die sich bei Kindern oft in Sprüchen und Witzen äußern, jedoch auch in Beschimpfungen bei Konflikten.

„Oft korrigiert leider auch das Elternhaus nicht genug“, so Sachtleber. Das soll nun anders werden: Mit dem Projekt der AWO und der Partnerschaft für Demokratie werden Kindertageseinrichtungen trägerübergreifend bei der Vermittlung demokratischer Werte bereits seit 2017 begleitet. Das Programm durchläuft drei Module, die sich an der persönlichen Kompetenzerweiterung der Mitarbeitenden in den Einrichtungen orientieren. „Wir wollen, dass sie bei der Bearbeitung ihrer Alltagserfahrungen noch kompetenter werden.“ Sachtleber betont, dass das Demokratieprojekt in eine gemeinsame Verabredung aller Ahlener Kindertageseinrichtungen zu Demokratiebildung und -erhaltung münden solle. Eine Fortsetzung des Vorhabens im kommenden Jahr ist geplant.

Jugendkinotag „Glashaus“

„Demokratie, Inklusion, Integration sind oft zentrale Inhalte von Filmen, die nicht den Weg in die kommerziellen Kinos finden. Einige davon wollen wir am Jugendkinotag im CinemAhlen zeigen“, so Petra Pähler-Paul von Innosozial. Sie hat für den Jugendkunstraum „Glashaus“ einen Antrag an die Ahlener Partnerschaft für Demokratie gestellt.

Pähler-Paul erlebt in ihrer Arbeit täglich, dass Demokratie und Toleranz eine große Bedeutung für das Zusammenleben in unserer Stadt haben. „Kunst, und damit auch Film, muss immer in Zusammenhang mit demokratischen Werten betrachtet werden und sollte tunlichst ohne pädagogischen Zeigefinger auskommen.“ Das Medium Film biete einen geeigneten Zugang für Jugendliche, um demokratische Werte in die Diskussion zu bringen. Das jugendliche Leitungsteam des „Glashauses“ möchte im Herbst neun Filme kostenfrei im Kino zeigen. Das CinemAhlen hat seine Unterstützung zugesichert.

„Gay mir weg!“

„Das ist doch voll schwul!“ Wer so etwas sagt, meint es nicht nett. Diffamierungen auf Basis sexualisierter Sprach-Gewalt nehmen in unserer Alltagssprache, auch auf dem Schulhof, immer größeren Raum ein. Wie schafft Sprache Realitäten und wie beeinflussen diese unser Denken? Ines Reicke von der Fritz-Winter-Gesamtschule hat die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in den Mittelpunkt eines Förderantrags an die Ahlener Partnerschaft für Demokratie gestellt. „Sexuelle Diskriminierung verstößt gegen Artikel 1 des Grundgesetzes!“, so ihr Fazit. Im Förderprojekt werden im November 2018 in einer Workshop-Woche für die Jahrgangsstufe 10 der Ahlener Gesamtschule verschiedene Aspekte der körperlichen Entwicklung junger Menschen diskutiert. Die Diskriminierung durch Sprache wird Thema werden, das Umkleiden beim Schulsport genauso wie die besondere Situation junger Menschen in der Pubertät. Der Förderverein der Schule hat das Treibkraft-Theater aus Hamm für das Projekt gewinnen können.

Demokratie-Erziehung im Lunch Club

„Die Lunch-Club-Kinder lernen in unserem Projekt, wie wichtig es ist, in einer Gruppe Regeln zu haben“, erklärt Heike Gründken, pädagogische Leiterin des Lunch Club e.V. in Ahlen. Diese Regeln seien unentbehrlich für ein alltägliches Miteinander in Respekt und Toleranz.

Die Kinder bekommen durch das Projekt, das vom Begleitausschuss der Ahlener Partnerschaft für Demokratie bewilligt wurde, die Möglichkeit, an einem Streitschlichterworkshop teilzunehmen. „Außerdem lernen sie in Rollenspielen, angenehme wie unangenehme Gefühle zu verbalisieren.“ Zeitraum für das Demokratieprojekt ist der Spätsommer und der Herbst dieses Jahres, unterstützt wird der Lunch Club e.V. durch die Familienbildungsstätte, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

„Würfelbrot – ANDERSsein - ist voll okay!“

„Ich bin der Partnerschaft für Demokratie sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit erhalten, ein Theaterprojekt mit Kindern über das Anderssein durchzuführen.“ Projektleiter Tobias Winopall hat den Antrag für die Jugendecke Nord der evangelischen Jugend im Kirchenkreis gestellt, der Begleitausschuss der Ahlener Partnerschaft für Demokratie hat zugestimmt. „Würfelbrot“ ist der Titel eines Theaterstücks des BrilleTheaters aus Witten, das der Frage nachgeht, was eigentlich „normal“ ist und vor allem, wer darüber entscheidet. Zielgruppe sind die Jahrgangsstufen eins bis sechs von sechs Ahlener Schulen. Dort werden nach der Aufführung die Geschehnisse auf der Bühne im Unterricht aufgearbeitet und vertieft.

Foto: (v.l.) Rudolf Jünemann, Lisa Kalendruschat, Juliane Schneider, Birgit Burian, Anke Peters, Alois Brinkkötter, Birsen Budumlu, Karim Blanz, Halina Niezgoda, Klaus Schwandt

(v.l.) Rudolf Jünemann, Lisa Kalendruschat, Juliane Schneider, Birgit Burian, Anke Peters, Alois Brinkkötter, Birsen Budumlu, Karim Blanz, Halina Niezgoda, Klaus Schwandt