Zum Hauptinhalt springen

Verbraucherschützer leisten „echte Lebensberatung“ – Jahresbericht 2018 mit leidigen Dauerthemen - aber auch Verbesserungen

Für das Team der Verbraucherzentrale im Ahlener Rathaus war das Jahr 2018 wieder einmal eines voller Dauerbrenner. Ob Ratenzahlungsvereinbarungen, Inkassoprobleme, Internetabzocke oder am Telefon aufgeschwatzte Verträge: Die Klassiker des Verbraucherfrusts haben weiterhin Konjunktur, wie Judith Spittler, seit letztem Jahr Leiterin der Beratungsstelle, im Pressegespräch aus Anlass des Jahresberichts zugeben musste.

Doch es gibt auch einen Lichtschein am dunklen Horizont: „Die Datenschutzgrundverordnung hat die Verbraucherrechte gestärkt“, konstatiert Spittlers Kollegin Daniela Kreickmann.

Was in manchen Vereinen und Firmen zwar zu einem Mehraufwand an Datenschutz geführt habe, erweitert andererseits auf der Verbraucherseite den Rechtsschutz. So genießen Verbraucher nun einen Anspruch, innerhalb eines Monats zu erfahren, ob bei einem Unternehmen persönliche Daten von einem gespeichert sind. Sollte das der Fall sein, kann deren Verarbeitung bzw. Nutzung widersprochen werden. Daniela Kreickmann: „Wir haben dazu einen Musterbrief als Download auf der Internetseite der Verbraucherzentrale, der im Bereich Datenschutz der beliebteste ist.“          

Damit geprellte VW-Kunden ebenfalls zu ihrem Recht gelangen, unterstützt die Verbraucherzentrale das Musterfeststellungsklage-Verfahren wegen der manipulierten Abgassoftware. „Wir leisten Hilfestellung“, empfiehlt Judith Spittler die Beratungsstelle bei Fragen zu kontaktieren. Am 30. September findet die mündliche Gerichtsverhandlung fest, bis wenige Tage zuvor können sich Geschädigte noch auf die Liste der Klagenden setzen lassen.

Dass die Ahlener Beratungsstelle ganz offensichtlich das Vertrauen der Menschen im Kreis Warendorf genießt, zeigen die nüchternen Zahlen: Mehr als 5000 Anfragen gingen in 2018 allein auf der lokalen Kontaktseite ein. Wichtig sei das persönliche Gespräch, macht Judith Spittler deutlich. Rund eintausend Rechtsberatungen führte die Verbraucherzentrale durch. Die Leiterin beschreibt, dass es dabei häufig um mehr geht als allgemeine Rechtsauskünfte: „Wirtschaftliche, soziale und psychosoziale Dinge spielen eine Rolle, das ist echte Lebensberatung.“

Viel Arbeit bereiteten den Verbraucherschützern in 2018 untergeschobene Verträge, die den Menschen das Leben schwermachten. „Ein leidiges Thema, das nicht aufhört“, wie Daniela Kreickmann sagt. Wer Anbietern von Strom und Gas am Telefon nichtsahnend Auskunft über seine Zählernummer gebe, wisse oft nicht, dass das schon ausreichend ist für das Anstoßen eines Anbieterwechsels. Ähnliche Überrumpelungen gebe es bei Gewinnspielen und Kommunikationsdienstleistungen wie Telefon und Internet.

Für die Präsenz in Ahlen und im Kreis Warendorf dankte Bürgermeister Dr. Alexander Berger den Verbraucherschützern, die dafür sorgten, „dass die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, und das auch noch klimafreundlich.“ Damit schlug er den Bogen zur Energieberatung der Verbraucherzentrale. Energieberater Joachim Rölfing kommt gerne auch ins Haus, um Energieeinsparpotenziale aufzuspüren und anbieterunabhängige Beratung zu leisten. So habe die Nachfrage nach Photovoltaik im letzten Jahr zugenommen. „Perfekt“, so Rölfing, sei die Kombination aus Photovoltaik und E-Mobilität. „Ein sauberer und kostenloser Antrieb, der unabhängig macht von Erdöl.“ In seinen Sprechstunden merke er jedoch, dass noch immer Ängste da seien, was Reichweiten und das Netz an Ladestationen betreffe.    

Für alternative Lösungen tritt Rölfing auch beim Heizen ein. Noch immer würden betagte Heizungen in der Regel erst dann gegen zeitgemäße Brennwertkessel ausgetauscht, wenn die nicht selten über dreißig Jahre alten Anlagen den Dienst versagen. „Das passiert gerne während der Heizperiode und dann ist die Not groß.“ Um nicht unter solchen Handlungsdruck zu geraten und um in Ruhe nach einem vernünftigen Ersatz suchen zu können, empfiehlt Rölfing, sich frühzeitig zu kümmern. „Dann muss man nämlich nicht auf das erstbeste Angebot reagieren, sondern hat einen durchdachten Plan.“ Und der sei in jedem Fall „besser als Hauruck.“

Die Öffnungs- und Beratungszeiten der Verbraucherzentrale Ahlen:
Mo, Fr: 8.30 – 13.00 Uhr
Di, Do: 8.30 – 13.00 sowie 14.30 – 17.00 Uhr
Mi: geschlossen

Die Beratungsstelle befindet sich auf der 1. Etage des Rathauses. Im Internet gibt es zahlreiche aktuelle Verbraucherthemen und den Jahresbericht 2018 unter www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/ahlen.
Kontakt: Tel. 02382 9613101
ahlen@verbraucherzentrale.nrw

 

Foto: Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale tut Gutes für die Menschen in Ahlen und Umgebung: Nachzulesen im Jahresbericht 2018, den jetzt (v.l.) Dr. Alexander Berger, Daniela Kreickmann, Judith Spittler, Joachim Rölfing vorstellten.

Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale tut Gutes für die Menschen in Ahlen und Umgebung: Nachzulesen im Jahresbericht 2018, den jetzt (v.l.) Dr. Alexander Berger, Daniela Kreickmann, Judith Spittler, Joachim Rölfing vorstellten.