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VHS-Reihe „Wie weit ist Afrika?“ hat begonnen

Zum 28. Mal startet in dieser Woche die Veranstaltungsreihe der Volkshochschule „Wie weit ist Afrika?“ Mit einem bunten Reigen aus Vorträgen, Musik- und Tanzdarbietungen, Filmen und Lesungen rückt Afrika bis zum 12. Juli wieder ein bisschen näher an Ahlen heran.

Premiere feiert dabei Nadine Köttendorf, die seit Jahresbeginn neue Leiterin der VHS Ahlen ist. „Afrika fasziniert mich sehr“, freut sie sich, gleich zum Einstand diese traditionsreiche Reihe konzipieren zu dürfen. Unterstützung kommt wie auch in den letzten Jahren von zahlreichen Partnern, denen die Liebe zu Afrika und die Beziehung zu Menschen und Kulturen am Herzen liegt.

Auf die seit nun fast drei Jahrzehnten im Titel der Reihe gestellte Frage nach der Entfernung des afrikanischen Kontinents wird es am 16. Juni endlich eine verbindliche Antwort geben. „Dann enthüllen wir am Platz der Städtepartnerschaft ein Entfernungsschild für Bagamoyo“, kündigt Köttendorf an. Auf Initiative des Freundeskreises Bagamoyo pflegt Ahlen seit gut fünf Jahren mit der 35.000 Einwohner zählenden Hafenstadt in Tansania eine Städtefreundschaft, „um die vielen privaten Initiativen zu würdigen, die sich um einen Austausch zwischen unseren Städten bemühen.“ Der Stellenwert, den Bagamoyo in Ahlen genießt, soll nun auch jedem ins Auge fallen, der am Städtepartnerschaftsplatz am Europakreisel vorbeikommt. Für die Partnerstädte Differdingen, Penzberg und Teltow befinden sich dort bereits Hinweisschilder.

Die Enthüllung des Schildes zur Mittagszeit schließt an den deutsch-tansanischen Kulturgottesdienst an, der am 16. Juni um 9.30 Uhr in der Pauluskirche gefeiert wird. Gestaltet wird er von Studenten des Bagamoyo College of Arts mit Liedern und Tänzen aus Ostafrika. Nkwabi Nghangasamala und Beatrice Taisamo üben zudem mit den Besuchern tansanische Kirchenlieder ein. Während der sechs Wochen besuchen sie ferner Schulen und Kitas in Ahlen, um mit den Kindern die beliebten Trommel- und Tanzworkshops durchzuführen.

Begleitet wird die Reihe „Wie weit ist Afrika?“ von einer Ausstellung in der Stadtbücherei, die schwerpunktmäßig kreatives Spielzeug von Kindern aus Afrika zeigt. Mit dem „WeltSpielZeug“ kommen etwa 200 fantasievolle Exponate nach Ahlen, darunter Tüten-Segler, Blätter-Puppen, Dosen-Flugzeuge und Draht-Autos. „Mit bewundernswertem Geschick haben Mädchen und Jungen aus 20 Entwicklungsländern die fantasievollen Spielsachen aus Recyclingstoffen gefertigt“, sagt Marc Tornow von der Hilfsorganisation „Plan International“, die die Ausstellung zusammengestellt hat.

Eine besondere Note erhält die Ausstellung durch den Ort, an dem sie im Lesecafé der Stadtbücherei zu sehen ist. „Gleich daneben befinden sich unsere Angebote mit der Gaming-Zone und den Spieleregalen“, macht Büchereileiterin Ewa Salamon auf den Kontrast aufmerksam. Man könne geradezu die Spannung fühlen, die sich aus dem Dialog von modernen elektronischen Spielemöglichkeiten auf der einen Seite und den selbstgebastelten Dingen auf der anderen Seite ergebe. Nicht weniger spannend wird es bei den Vorlesestunden. An vier Nachmittagen lässt die Stadtbücherei speziell aus Büchern vorlesen, die auch den jüngsten Besuchern ein Bild von Afrika vermittelt.

Flyer "Wie weit ist Afrika?"

Partner der VHS-Reihe „Wie weit ist Afrika?“ sind:
Freundeskreis Bagamoyo e.V., Cinema Ahlen, Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V., Plan International, Stadtbücherei Ahlen, Weltladen Ahlen e.V., Vorlesepaten, Leitstelle „Älter werden in Ahlen“, Familienbildungsstätte, Ev. Kirchengemeinde Ahlen, „Musicians for a better Life" e.V. und Hochschule für Musik und Theater München mit freundlicher Unterstützung durch das Goethe Institut und das Auswärtige Amt, Innosozial gGmbH, Internationales Frauenfrühstück, Integrationsteam der Stadt Ahlen, Förderverein für Flüchtlinge Ahlen e.V., anno Verlag, Schule für Musik im Kreis Warendorf.

Hintergrund:
Zur Städtefreundschaft Ahlen-Bagamoyo (aus dem Beschluss des Rates der Stadt Ahlen vom 17. Dezember 2013):  
„Der Rat der Stadt Ahlen deklariert die vielfältigen Beziehungen zwischen den Städten Ahlen und Bagamoyo (Tansania) als „Städtefreundschaft“. Das inzwischen über 25jährige beispielhafte Engagement von Schulen, Vereinen, Einrichtungen der Bildung und Weiterbildung, Kirchen, Betrieben, Initiativen, Ärzten, Handwerkern, Architekten, Künstlern und sonstigen Einzelpersonen wird als nachhaltig und wichtiger zivilgesellschaftlicher „Beitrag zu einer gerechteren Welt“ (im Sinne der Leitlinien der Entwicklungszusammenarbeit des Landes NRW) begrüßt.
 
Die ca. 80 km nördlich von Daressalam am Indischen Ozean gelegene Distrikthauptstadt Bagamoyo zählt zu den historisch bedeutsamsten Orten Afrikas. In Bagamoyo befindet sich eine der ältesten Moscheen Ostafrikas, auch die ersten christlichen Missionare betraten hier ostafrikanischen Boden und die erste katholische Kirche Ostafrikas wurde in dieser tansanischen Stadt errichtet. Bagamoyo war der Endpunkt der Sklavenrouten Ost- und Zentralafrikas, wobei die katholische Kirche das erste Freiheitsdorf freigekaufter Sklaven in Bagamoyo gründete. Auch der Leichnam David Livingstones wurde in der Stadt aufgebahrt. Ferner ist der Ort als Teil eines Weltkulturerbes „Ostafrikanische Handels- und Sklavenroute“ im Gespräch.
 
Bagamoyo war aber auch die erste Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas und Sitz einer deutschen Bezirksverwaltung sowie der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft bis zum Ende des ersten Weltkriegs. Von Bagamoyo aus organisierte die Freiheitsbewegung von Mosambik (Frelimo) ihren Widerstand gegen Portugal. Bagamoyo ist ein anerkannter Wallfahrtsort, Sitz der einzigen Kunsthochschule und des größten Theaters von Ostafrika, ein wichtiger Tagungsort sowie Heimatort des amtierenden Staatspräsidenten Jakaya Kikwete. Auf dem Gelände des Bagamoyo District Hospitals wird sehr erfolgreich (u.a. mit Unterstützung eines Schweizer Tropeninstituts, eines britischen Pharmakonzerns und der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung) an der Entwicklung einer Malaria-Impfung gearbeitet, die später einmal Millionen Menschen das Leben retten könnte.
 
Die Bewohner der Stadt sind jedoch ausgesprochen arm. Meist handelt es sich um Fischerfamilien, die seit Jahrhunderten täglich mit ihren traditionellen Segelbooten zum Fischfang aufs offene Meer fahren. Viele Infrastrukturmaßnahmen der vergangenen Jahre sind auf Entwicklungshilfeorganisationen überwiegend aus Skandinavien zurückzuführen oder das Ergebnis von Spenden aus Deutschland. Seit nunmehr fast 25 Jahren bestehen zwischen den beiden Städten Ahlen und Bagamoyo auf verschiedenen Ebenen intensive partnerschaftliche Kontakte, die nachstehend beispielhaft aufgeführt sind:
 
Schulpartnerschaften
(Mwambao Primary School Bagamoyo – Marienschule Ahlen / Mwasama Primary School Bagamoyo - Städtische Realschule Ahlen),

Sonstige Kontakte und Projekte im schulischen Bereich
(Unterstützung der Mwanamakuka Primary School Bagamoyo durch den Freundeskreis Bagamoyo e. V. / Unterstützung der Mwasama Primary School durch die Musikschule Beckum- Warendorf e.V. / Projekt Science Buddys der Realschule Ahlen u.a.)

Kirchenpartnerschaften
(Katholische Mission Bagamoyo – St. Bartholomäus Ahlen)

Partnerschaften im Bereich Kultur und Weiterbildung
(Kooperationsvertrag Bagamoyo College of Arts - Musikschule Beckum-Warendorf e.V. und VHS Ahlen)

Kontakte und Projekte im medizinischen Bereich
(Unterstützung des Bagamoyo District Hospitals durch verschiedene Ahlener Ärzte und durch den Freundeskreis Bagamoyo e.V.)

Kontakte und Projekte im sportlichen Bereich
(Unterstützung des SC Saadani Bagamoyo durch Rot Weiß Ahlen u. a.)

Reisen von Besuchergruppen aus Ahlen nach Bagamoyo
(mittlerweile über 300 Ahlener, die schon nach Bagamoyo gereist sind)

Foto: Eröffneten die Ausstellung „WeltSpielZeug“ in der Stadtbücherei: (v.l.) Ewa Salamon, Marc Tornow, Nadine Köttendorf, Nkwabi Nghangasamala

Eröffneten die Ausstellung „WeltSpielZeug“ in der Stadtbücherei: (v.l.) Ewa Salamon, Marc Tornow, Nadine Köttendorf, Nkwabi Nghangasamala


Foto: Kleine Ingenieursleistungen sind die Bastelarbeiten der Kinder aus Afrika, Asien und Lateinamerika

Kleine Ingenieursleistungen sind die Bastelarbeiten der Kinder aus Afrika, Asien und Lateinamerika