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Von Wirtschaftswegen bis Breitband: Landwirte und Stadtverwaltung schreiben Zusammenarbeit groß

Gerade noch trockenen Fußes erreichten der Bürgermeister und seine Mitarbeiter den Hof Post in der Ahlener Bauerschaft Brockhausen. Nur wenige Augenblicke nach ihrem Eintreffen öffneten sich am dunklen Himmel die Schleusen zu einem ergiebigen frühsommerlichen Landregen.

„Das müsste jetzt drei Tage ununterbrochen so weitergehen“, wünschte sich Gastgeber Martin Post, der turnusmäßig als Vorsitzender des Bauerschaftsbeirates an der Reihe war, das „Gespräch quer über den Küchentisch“ zwischen Landwirten und Stadtverwaltung auszurichten. Die Trockenheit auf den Feldern mag nach dem Hitzesommer 2018 zwar aus den Schlagzeilen wieder verschwunden sein, doch noch immer plagen sich die Landwirte mit ihr herum. Der Grundwasserspiegel, auf dem Land wichtig für Brunnen und Bewässerung, hat längst noch nicht wieder seinen alten Stand erreicht. Nur ein Thema, das es bei Kaffee und Brötchen zu besprechen gab.

Grundwasserqualität
Vom Wasser von oben war der Blick schnell gewendet auf das Wasser von unten. „Wegen des Nitrats im Grundwasser ist die Landwirtschaft sehr unter Druck“, sagte WLV-Kreisgeschäftsführer Matthias Quas. Als falsch wies er den in der Öffentlichkeit anzutreffenden Eindruck zurück, auch das Trinkwasser sei betroffen von der Düngemittelausbringung auf Feldern. Generell müsse das Verfahren überdacht werden, mit dem Nitratkonzentrationen gemessen werden. „Sieben Messstellen im Grundwasserkörper von hier bis Münster sind einfach zu wenig“, so Quas. Werde ein erhöhter Wert in zehn Kilometer Entfernung gemessen, bedeute das bereits Warnstufe Rot für Ahlen. Die Landwirtschaft verlange nach einem feingliedrigeren System, das den tatsächlichen Verhältnissen vor Ort gerecht wird.

Auf Zustimmung stieß die Ankündigung von Umweltbetriebsleiter Bernd Döding, dass die Stadt auch künftig auf die Inanspruchnahme landwirtschaftlich genutzter Ausgleichsflächen verzichtet. So werde im Fall des geplanten Baus der Osttangente auf Flächen am Ostfriedhof zurückgegriffen, die wegen aufgegebener Erweiterungspläne nicht genutzt werden. Ebenso großes Interesse zeigten die Landwirte am Bericht des Bürgermeisters zur Rathausfrage, die, so Berger, „nachhaltig und orientiert am Klima- und Umweltschutz gelöst werden muss.“  

Energiegewinnung
Umweltschutz spielt ebenso eine Rolle beim Ansinnen des WLV, einen kommunalen Partner für ein Nahwärmeprojekt zu gewinnen. Nicht zuletzt wegen der Schäden an Fichten nach dem Hitzesommer 2018 stehe in der waldreichen Region viel Holz zur Verfügung. „Im Wohnbaubereich gibt es das noch gar nicht“, warb Quas um Interesse. Für Stadtbaurat Andreas Mentz durchaus ein Punkt, „an dem man arbeiten kann.“ Die Zukunft an den Energiemärkten lasse es sinnvoll erscheinen, sich auch in Ahlen kooperativ aufzustellen.

Wirtschaftswege
Entspannte Gesichter gab es am Frühstückstisch, als die Runde auf das Thema Wirtschaftswege zu sprechen kam. Nicht immer war das so in der Vergangenheit. „Mit 300.000 Euro für den Unterhalt können wir aber gut leben, solange es keine andere Lösung gibt“, sagte Martin Post. Die gemeinsame Bereisung der Wirtschaftswege mit den Umweltbetrieben hatte Ulrich Averberg „sogar richtig Spaß gemacht.“ Man sehe etwas und könne „direkt die einzelnen Wege miteinander vergleichen, um eine Rangfolge beim Bedarf zu finden“, ergänzt Martin Post. Zusammenarbeit von Stadt und Landwirtschaft wird auch groß geschrieben bei Sichtdreiecken an Hofeinfahrten und Wegekreuzungen. Ralf Storkamp sagt der Verwaltung zu: „Direkt an uns wenden, das kriegen wir hin.“        

Ein Ärgernis für Stadtmenschen wie Landwirte gleichermaßen ist verbotenerweise abgelagerter Müll im Außenbereich. Hubert Steinhoff glaubt, dass sich Verursacher zur Strecke bringen lassen, wenn der Druck erhöht wird: „Dann müssen die Landwirte die Augen aufhalten und auch mal Fotos machen und die Polizei rufen“, appelliert er an seine Kollegen, wenn sie etwas Verdächtiges beobachten.

Breitband im Außenbereich
Erste Schritte, um die Breitbandversorgung im Außenbereich zu verbessern, stellte Strukturförderer Lutz Henke für das Jahresende in Aussicht. Mit städtischem Eigenanteil werde das Programm im Kreis Warendorf umgesetzt, für das Bund und Land einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung stellen werden. Als „ganz klasse“ bezeichnete Matthias Quas das Engagement der Kommunen, die dem ländlichen Bereich Anschluss an Standards ermöglichen, die in städtisch geprägten Regionen längst Normalfall seien.

Öffentlichkeitsarbeit
Noch nie begegnet ist Wirtschaftsförderer Jörg Hakenesch beim Aufbau der „Neuen Ahlener Woche“ einem so höflichen Aufbauteam wie in diesem April. „Sie stellten sich namentlich und mit Handschlag vor“, lobte der WFG-Geschäftsführer die Landjugendlichen, die den Stand der Ahlener Landwirtschaft montierten. Zu 95 Prozent positiv sei die Anwesenheit der landwirtschaftlichen Betriebe aufgenommen worden, was nicht nur am guten Kaffee und Kuchen der Landfrauen gelegen habe. Hakenesch reiht sich ein in das Lob: „Das war eine echte Bereicherung.“ Er würde sich freuen, wenn Ahlen sich bewerben würde für den „Tag der Landwirtschaft“ in sechs Jahren. Mehrere tausend Besucher aus dem ganzen Kreis Warendorf kommen dabei stets zusammen, wenn die Landwirte öffentlich zeigen, wer sie sind und was sie können.

Einladung des Bürgermeisters
Als einen „wertvollen Austausch, der immer wieder Spaß macht“, dankte Bürgermeister Dr. Alexander Berger für die Einladung und sprach zugleich eine für das nächste Jahr aus. Dann nämlich ist die Stadt wieder an der Reihe und wird auftischen im Verwaltungsgebäude des neuen Baubetriebs- und Wertstoffhofes am Ostberg.

Foto: Gruppenfoto mit Hund: Die einen sprechen vom „Bauernfrühstück“, für die anderen ist es das „Bürgermeisterfrühstück“. Auf dem Hof Post trafen sich zu ihrer jährlichen Generalbesprechung die WLV-Ortsverbandsvorsitzenden mit Vertretern der Stadtverwaltung: (v.l). Ralf Storkamp (Ahlen), WFG-Geschf. Jörg Hakenesch, Robert Reminghorst (Ahlener Umweltbetriebe), Andreas Mentz, Lutz Henke, Martin Post (Bauerschaftsbeirat), Bernd Döding, Dr. Alexander Berger, Hubert Steinhoff (Dolberg), Ulrich Averberg (Vorhelm), Dr. Matthias Quas (WLV)

Gruppenfoto mit Hund: Die einen sprechen vom „Bauernfrühstück“, für die anderen ist es das „Bürgermeisterfrühstück“. Auf dem Hof Post trafen sich zu ihrer jährlichen Generalbesprechung die WLV-Ortsverbandsvorsitzenden mit Vertretern der Stadtverwaltung: (v.l). Ralf Storkamp (Ahlen), WFG-Geschf. Jörg Hakenesch, Robert Reminghorst (Ahlener Umweltbetriebe), Andreas Mentz, Lutz Henke, Martin Post (Bauerschaftsbeirat), Bernd Döding, Dr. Alexander Berger, Hubert Steinhoff (Dolberg), Ulrich Averberg (Vorhelm), Dr. Matthias Quas (WLV)