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Weil Menschen aus Ahlen kommen: Bürgermeister kritisiert undifferenzierte Diskriminierungen

Für nicht hinnehmbar hält Bürgermeister Dr. Alexander Berger die Reaktionen, die Bürgerinnen und Bürger aus Ahlen in Städten und Landkreisen wie Münster und Osnabrück erfahren. „Arzttermine werden abgesagt, zu Prüfungen werden Studenten nicht zugelassen, und das alles nur, weil mancherorts sehr undifferenziert die Lage in den Kreisen Warendorf und Gütersloh betrachtet wird.“

Diese Form der Diskriminierung und pauschalen Zurückweisung sei sachlich weder gerechtfertigt noch zumutbar.

In einem Schreiben an Münster Oberbürgermeister Dr. Markus Lewe haben die Bürgermeister des Kreises Warendorf zusammen mit Landrat Dr. Olaf Gericke ihrer Empörung nun Luft verschafft. „Wir halten es für völlig unverhältnismäßig und untragbar, dass Menschen mit Bezug zu diesen beiden Landkreisen und den darin liegenden Städten und Gemeinden derart stigmatisiert werden. Nicht einmal in den beiden betroffenen Kreisgebieten ist eine derartige Maskenpflicht verhängt worden. Daher sind wir stark irritiert, dass in der Stadt Münster nun eine solche Verpflichtung per Allgemeinverfügung verhängt worden ist“, schreiben sie an Lewe. „Das kann so nicht bleiben“, sagt Berger und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass Münster und Osnabrück ihre Entscheidungen noch einmal überdenken, „damit der Westfälische Frieden gewahrt bleibt.“

Ausdrücklich danken möchte das Stadtoberhaupt Kommunen, die ihre Solidarität mit den Menschen in den Kreisen Warendorf und Gütersloh ausdrückten. „Der Oberbürgermeister aus Hamm hat zu Recht davor gewarnt, eine ganze Bevölkerungsgruppe zu stigmatisieren.“ Berger habe mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass es mit Thomas Hunsteger-Petermann keine Maskenpflicht für Ahlener auf der anderen Seite der Lippe geben wird.

Das Schreiben der Bürgermeister im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Lewe, sehr geehrter Herr Stadtrat Heuer,
 
das Corona-Ausbruchsgeschehen um den Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück versetzt die Städte und Gemeinden im Kreis Warendorf sowie die Kreisverwaltung, vor allem aber unsere Bürgerinnen und Bürger in eine absolute Ausnahmesituation. Die gestrige Verkündung der CoronaRegioVO, die viele Lockerungen des Landes Nordrhein-Westfalen auch für unseren Kreis bis zunächst zum 30.06.2020 zurücknimmt, führt zu erheblichen Einschränkungen im gesamten Kreisgebiet. Viele Menschen in unseren Verwaltungen und Hilfsorganisationen sind gerade mit Hochdruck dabei, das Ausbruchsgeschehen unter Kontrolle zu halten und leisten dabei einen herausragenden Einsatz.
 
Einige Bundesländer haben angekündigt, ihre Reiseregelungen derart zu verschärfen, dass Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf sich nach der Einreise für einen gewissen Zeitraum in häusliche Quarantäne begeben müssen. Im Gespräch soll auch der Nachweis eines maximal 48 Stunden alten negativen Abstrichs sein. Sie können sich vorstellen, wie schlimm diese Situation für viele Familien ist, die in den letzten Wochen viel geleistet und sich nun so sehr auf ihre wohlverdienten Urlaube gefreut haben.
 
Aus den Medien mussten wir nunmehr zudem erfahren, dass die Stadt Münster gestern eine Maskenpflicht für Bürgerinnen und Bürger aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf und Münsteranerinnen und Münsteraner, die in die beiden Kreise als Beschäftigte einpendeln, verhängt.
 
Wir halten es für völlig unverhältnismäßig und untragbar, dass Menschen mit Bezug zu diesen beiden Landkreisen und den darin liegenden Städten und Gemeinden derart stigmatisiert werden. Nicht einmal in den beiden betroffenen Kreisgebieten ist eine derartige Maskenpflicht verhängt worden. Daher sind wir stark irritiert, dass in der Stadt Münster nun eine solche Verpflichtung per Allgemeinverfügung verhängt worden ist.
 
Wir bitten Sie eindringlich, diese stigmatisierende Maskenpflicht für unsere Bürgerinnen und Bürger und die Menschen, die aus Ihrem Stadtgebiet in unsere Städte und Gemeinden einpendeln, umgehend wieder aufzuheben. In einer Krise sollten wir bei aller gebotenen Vorsicht solidarisch zusammenstehen und nicht noch zusätzliche Trennlinien ziehen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. Alexander Berger – Bürgermeister der Stadt Ahlen

Dr. Karl-Uwe Strothmann – Bürgermeister der Stadt Beckum

Elisabeth Kammann – Bürgermeisterin der Gemeinde Beelen

Carsten Grawunder – Bürgermeister der Stadt Drensteinfurt

Berthold Lülf – Bürgermeister der Stadt Ennigerloh

Sebastian Seidel – Bürgermeister der Gemeinde Everswinkel

Karl-Friedrich Knop – Bürgermeister der Stadt Oelde

Wolfgang Annen – Bürgermeister der Gemeinde Ostbevern

Josef Uphoff – Bürgermeister der Stadt Sassenberg

Berthold Streffing – Bürgermeister der Stadt Sendenhorst

Wolfgang Pieper – Bürgermeister der Stadt Telgte

Christian Thegelkamp – Bürgermeister der Gemeinde Wadersloh

Axel Linke – Bürgermeister der Stadt Warendorf

Dr. Olaf Gericke – Landrat des Kreises Warendorf

Foto: Dr. Alexander Berger zählt zu den Unterzeichnern des Schreibens an den Oberbürgermeister der Stadt Münster.

Dr. Alexander Berger zählt zu den Unterzeichnern des Schreibens an den Oberbürgermeister der Stadt Münster.