Zum Hauptinhalt springen

Weniger Ratten in Ahlener Kanälen

Erfolge im Einsatz gegen den Schädlingsbefall im Ahlener Kanalnetz können jetzt die Umweltbetriebe vermelden. Seit März hatte die Fachfirma Nehlsen in städtischem Auftrag die Kanalschächte im Ahlener Stadtgebiet sowie in den Ortsteilen mit Rattengiftködern belegt. In lediglich 192 von 4500 Schächten konnte mit der ersten Nachschau Köderanfraß festgestellt werden.

Bei der Belegungsaktion des Vorjahrs waren es noch 262 Fälle, in denen Ratten im Untergrund nachgewiesen wurden. „Unsere präventiven Maßnahmen wirken“, stellt Robert Reminghorst, stellvertretender Umweltbetriebsleiter, zum Abschluss der vorbeugenden Beköderung fest. 50.000 Euro lässt sich die Stadt die jährlich stattfindende Maßnahme kosten.

Schädlingsbekämpfer Jörg Gastmann kennt die Ahlener Abwasserkanäle wie kaum ein anderer. Mit seinen Kollegen begann er Ende März, jeden zweiten Kanalschacht mit petrolfarbenen Ködern in Blockform zu belegen. „Ist eigentlich alles in Ordnung hier“, findet der in ganz Deutschland tätige Experte in Ahlen keinen Hinweis auf irgendwelche Auffälligkeiten. Es gebe auch keine signifikanten Häufungen in bestimmten Stadtteilen. Der Mensch habe es selbst in der Hand, in welchem Maße Ratten seine unerwünschten Begleiter seien, so Gastmann. „Vor allem Lebensmittel in den Kanälen sind für Ratten interessant.“ Speisereste gehörten deshalb nicht in der Toilette runtergespült, sondern gut verpackt in den Biomüll.    

Zu fressen finden sollten Ratten in städtischen Kanälen ausschließlich ausgelegtes Gift. Hat die Ratte von dem trügerischen Leckerbissen genascht, bewirkt der darin enthaltene Gerinnungshemmer nach etwa sechs Tagen ihren Tod. Rund 30 Gramm des Gifts muss ein Nager aufnehmen, damit er verendet. Etwa zwei bis drei Wochen nach Erstbelegung erscheinen Gastmann und sein Team erneut, um den Erfolg zu kontrollieren. Dort, wo Köder angefressen worden sind, kommen neue in den Schacht. Die nicht angeknabberten werden wieder entfernt, damit das Abwasser nicht mehr als nötig belastet wird.

Nach weiteren vierzehn Tagen erfolgt die zweite Nachschau, eine dritte wiederum zwei Wochen später. Von Grün über Rot zu Pink wechselt jeweils die Markierung am Schachtdeckel. In ganz Ahlen musste nur in 16 Schächten wegen Nachfraßes ein drittes Mal nachbelegt werden. Es reiche, so Gastmann, jeden zweiten der etwa einhundert Meter auseinanderliegenden Schächte zu belegen. „Der Aktionsradius einer Ratte beträgt von ihrem Nest aus etwa 150 Meter, damit erreichen wir jeden Punkt im Netz.“ Obwohl die Kanalsituation es eigentlich nicht verlange, werde auch im Bereich Lütkeweg und an einer Stelle im Ahlener Süden ein drittes Mal nachbelegt, sagt der Einsatzleiter des Kanalbetriebs, Peter Füchtenhans. Die Umweltbetriebe wollten nichts unversucht lassen, bei der Lösung dort bestehender Einzelprobleme auf Grundstücken zu assistieren.     

Während für die Ungezieferbekämpfung in den Kanälen das Abwasserwerk der Umweltbetriebe und auf öffentlichen überirdischen Flächen das Ordnungsamt zuständig sind, müssen sich auf Privatgrundstücken die Eigentümer um die Vorbeugung selbst kümmern. Kommen die Nager aus ihren unterirdischen Verstecken und werden im Garten gesichtet, „dann ist etwas falsch gemacht worden“, konstatiert Schädlingsbekämpfer Gastmann. Meistens seien es wieder Lebensmittelreste, deren Geruch auf Ratten magnetisch wirke. Was viele nicht wissen: „In einen Komposthaufen gehören nur reine Gartenabfälle wie Laub oder Rasenschnitt.“ Eierschalen oder Obstreste seien hingegen für Ratten beliebte Lockstoffe. Selbst das Auslegen von Vogelfutter sollte nach Gastmanns Meinung möglichst unterlassen werden.

„Gelbe Säcke gehören erst am Tag der Abfuhr an die Straße“, gibt Michael Göttfert vom Ordnungsamt einen weiteren Tipp, der den Ratten die Suche nach verwertbarer Nahrung erschwert. An den Verpackungsresten sollten weder Joghurt noch sonstige Reste von Essbarem kleben. Ebenso sollten Biotonnen immer geschlossen bleiben. „Sie bei Madenbefall zu öffnen, ergibt keinen Sinn“, so Göttfert. Erstens kämen dann noch mehr Fliegen und zweitens auch möglicherweise Ratten. Haben sich trotz aller Vorbeugung Ratten auf einem Grundstück eingenistet, kann nur noch der professionelle Schädlingsbekämpfer für Abhilfe sorgen. Jörg Gastmann warnt jedoch vor der falschen Vorstellung, dass alles, was vorbeihuscht und raschelt, gleich eine Ratte sein müsse. Und habe sich doch eine auf der Nahrungssuche oder Wanderung in einen Garten verirrt, dann reiche es zur Vertreibung oft, einfach kräftig in die Hände zu klatschen. „Die haben nämlich mehr Angst als Vaterlandsliebe.“

Foto: Die pinke Markierung bedeutet: Dieser Schacht ist dreimal belegt worden. Eine absolute Ausnahme in Ahlen. V.l. Jörg Gastmann, Michael Göttfert, Peter Füchtenhans (Abwasserwerk), Robert Reminghorst

Die pinke Markierung bedeutet: Dieser Schacht ist dreimal belegt worden. Eine absolute Ausnahme in Ahlen. V.l. Jörg Gastmann, Michael Göttfert, Peter Füchtenhans (Abwasserwerk), Robert Reminghorst


Foto: Jörg Gastmann versenkt die Köder im Schacht

Jörg Gastmann versenkt die Köder im Schacht


Foto: Festgebunden werden die Köder, damit die Nager sie nicht in ihre Nester schleppen.

Festgebunden werden die Köder, damit die Nager sie nicht in ihre Nester schleppen.