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Wenn Kinder einfach nicht mehr zur Schule gehen: Welche Gründe führen zur Schulverweigerung?

Der Volksmund spricht schlicht vom „Schule schwänzen“ oder „blau machen“, wenn junge Menschen sich der Pflicht widersetzen und nicht mehr zur Schule gehen. Oft wissen selbst die Eltern nicht Bescheid und kommen erst spät ihren Kindern auf die Schliche, nämlich dann, wenn die Information der Schule im Briefkasten liegt. Auch in Ahlen zeichnet sich die negative Tendenz ab: Die Schulschwänzer werden mehr und immer jünger. Dies will man aber nicht tatenlos hinnehmen.

Deshalb setzt sich die Stadt Ahlen im Rahmen der Präventionskette gemeinsam mit den weiterführenden Schulen mit diesem wichtigen Thema intensiv auseinander. „Eltern, pädagogische Fach- und Lehrkräfte sind diejenigen, die die Anzeichen einer Schulvermeidung frühzeitig erkennen können und handeln müssen“, sagt Marina Bänke, Koordinatorin der Präventionskette.

Um so früh wie möglich geeignete Maßnahmen mit der Unterstützung anderer Akteure einleiten zu können, wollen alle Beteiligten ein strukturiertes und transparentes Verfahren festlegen. Mit dem Thema Schulabsentismus, wie das „Schwänzen“ wissenschaftlich genannt wird, beschäftigt sich seit Anfang des Jahres innerhalb der Ahlener Präventionskette die Arbeitsgruppe III „Späte Kindheit – weiterführende Schulen“. Neben dem Jugendamt und der Schulverwaltung sind fünf weiterführende Schulen, verschiedene Träger und Fachdienste sowie die schulpsychologische Beratungsstelle des Kreises in der AG vertreten.

Schulabsentismus, Schulverweigerung, Schulmüdigkeit oder Schulschwänzen – all diese Begriffe beschreiben das gleiche Phänomen, wenn Kinder und Jugendliche der Schule fernbleiben. „Man geht davon aus, dass inzwischen bis zu zehn Prozent der Schüler einer Klasse zumindest Tendenzen zur Schulvermeidung zeigen“, erklärt Marina Bänke. Dabei haben gehäufte Schulversäumnisse in vielen Fällen massive Folgen: Sie führen zu sinkenden Schulleistungen, fehlenden Schulabschlüssen und zur sozialen Ausgrenzung. Eine weitere große Gefahr sei, so Bänke, „dass meist der Übergang von der Schule in den Beruf nicht gelingt.“

Zu unterscheiden seien zwei Fälle, so Dr. Anne Giebel, AG-Sprecherin und stellvertretende Schulleiterin am Städtischen Gymnasium: „Bei der aktiven Schulverweigerung geht es um die Schulbesuchsverweigerung, bei der passiven Schulverweigerung wiederum um die Nichtbeteiligung am Unterricht.“ Meistgenannte Gründe, die zum Nichtbesuch der Schule führten, seien Entmutigung, fehlende Einsicht in den Sinn von Schule, soziale Probleme, Ängste und familiäre Probleme.

Die Ahlener Präventionskette verfolgt vier strategische Ziele. Zum einen bemüht sie sich, Übergänge zu gestalten und die Elternarbeit zu verstärken, zum anderen sollen Akteure besser vernetzt und gleichzeitig die Bildungslust gefördert werden. Am Ende sollen alle Kinder, Jugendlichen und Familien in Ahlen bestmögliche Chancen für die Zukunft bekommen und frühestmöglich an Bildung, Kultur, Sport und Freizeitangeboten teilhaben. Ausgehend von den bisherigen Erkenntnissen und aufbauend auf bereits bestehende Maßnahmen und Projekte bereitet die Arbeitsgruppe ein Paket an konkreten Maßnahmen vor, das nach den Sommerferien fertig gestellt wird.

Foto: In der Arbeitsgruppe III suchen Lehrer, Sozialpädagogen und Institutionen nach Wegen gegen das Fernbleiben von der Schule.

In der Arbeitsgruppe III suchen Lehrer, Sozialpädagogen und Institutionen nach Wegen gegen das Fernbleiben von der Schule.