3000 Liter Tank stillt Durst der Bäume

„Hoffentlich macht es der alte Junge noch lange“, sagt Rudolf Delsmann und schlägt kumpelhaft zweimal auf den alten Mercedes. 34 Jahre hat der Tankwagen Typ MB 608 auf dem Buckel, als einziger im Fuhrpark der Umweltbetriebe ist er mit einem Saisonkennzeichen auf Ahlens Straßen unterwegs. Von März bis Oktober nutzt den beim Klärwerk ausrangierten Spülwagen die städtische Grünflächenunterhaltung.

Neuanpflanzungen aus dem letzten und vorletzten Jahr fährt Delsmann an, dessen eigentlicher fahrbarer Untersatz in weniger heißen Zeiten ein Großrasenmäher ist. „Aber der Rasen wächst ja zurzeit nicht“, erklärt er seinen Bewässerungseinsatz zum Schutz der Vegetation.

In den Tank des städtischen Fahrzeugs gehen 3000 Liter Wasser. „Wiedereinleitungsfähiges Wasser aus der Kläranlage“, betont Delsmann, dass kein wertvolles Trinkwasser den Hydranten entnommen wird. Was normalerweise in die Werse eingeleitet wird, bringt nun den Stadtbäumen das ersehnte Nass. Etwa drei- bis viermal täglich muss der Mann von den Umweltbetrieben die Zapfanlage am Klärweg ansteuern. „Sind es überwiegend vereinzelt stehende Bäume und die Fahrwege weiter, komme ich auch mit zwei Touren hin.“ An der Bürgerobstwiese am Berliner Park hält sich Delsmann heute etwas länger auch. Ein Großteil des kompletten Tanks geht drauf für die jungen Obstbäume. Anders als mancher Jungbaum im Park haben die im Dezember eingesetzten heimischen Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume noch keine Bewässerungsringe am Boden. „Dadurch versickert das Wasser langsamer und der Streuverlust ist geringer“, weiß der städtische Bewässerer. Es glaubt, dass bald wohl alle Neupflanzungen damit versehen werden, wenn die Sommer anhaltend so heiß und trocken bleiben.

Folgen des Sommers 2018 und des viel zu regenarmen Winterhalbjahres kann man auch in der Stadt sehen. „Totholz haben wir in manchen Bäumen“, sagt Grünflächenleiter Jörg Pieconkowski. Seine dreiköpfige Baumpflegetruppe ist ständig unterwegs, um es zu entfernen. Anfällig für Trockenschäden sind vor allem Baumarten wie Birke, Ahorn, Buche und Hainbuche. Eine Zukunft als Stadtbaum sagt Pieconkowski der Linde voraus. Sie komme mit den absehbar zur Regel werdenden Wetterextremen wohl am besten zurecht. Zwar schleichend und kaum wahrnehmbar, aber mit absoluter Sicherheit wird sich auch in Ahlen die Stadtvegetation verändern. Bis dahin müssen Rudolf Delsmann und sein Oldie-Tankwagen noch so manchen Tropfen Wasser zu den durstigen Bäumen bringen.   

Foto: Wasser marsch! Rudolf Delsmann bringt Jungbäumen das lebenswichtige Nass

Wasser marsch! Rudolf Delsmann bringt Jungbäumen das lebenswichtige Nass