Sanierung des Stadtparks: Jury entscheidet sich für Vorschlag, der auf Tradition setzt

„Komplett überzeugt“, so Stadtbaurat Andreas Mentz“, habe ihn und das Preisgericht der jetzt öffentlich einsehbare Entwurf zur Umgestaltung des Ahlener Stadtparks.

In einem sogenannten partizipativen Werkstattverfahren hatten vier Planungsbüros die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von einem behutsam weiterentwickelten Stadtpark zu formulieren. Vorausgegangen war ein Bürgerdialog, in dem Bürgerinnen und Bürger ihre Wünsche äußerten, was der Stadtpark künftig funktional und gestalterisch können muss.

Am besten umgesetzt hat die Anforderungen nach Auffassung der siebenköpfigen Jury das Büro „scape Landschaftsarchitekten“ aus Düsseldorf. „Er weist mit Abstand die meisten Qualitäten auf“, so Mentz. Der Entwurf orientiere sich an der bestehenden Wegestruktur und interpretiere diese in geschwungenen Verläufen. Das historische Oval, das auf Entwürfe aus den 1930er-Jahren zurückgeht, werde durch zurückhaltende Einbauten nachgezeichnet, die historischen Fragmente darin angemessen neu inszeniert. Die im Entwurf dargestellte Renaturierung der Werse sei hingegen eine „Extra-Baustelle“, die mit dem Wasser- und Bodenverband außerhalb des Parkprojekts anzugehen sei. Auch für die Situation an der Robert-Koch-Straße im Übergang zum Krankenhaus gelte es, in einem separaten Verfahren zu planen. Fraglos zutreffend sei: „Der Impuls ist klasse“.

Ausdrücklich loben will Mentz auch die Anrainer des Parks. So hätten St.-Franziskus-Hospital, das St. Vinzenz am Stadtpark und das Kunstmuseum großes Interesse an dem Verfahren gezeigt. Nun gehe es darum, zusammen mit dem Büro „scape“ und der Politik „bis Herbst eine förderfähige Arbeitsgrundlage zu schaffen, um in die Städtebauförderrunde 2020 zu kommen.“ Vergleichbar mit der Sanierung des Berliner Parks könnte der Umbau des Stadtparks mit etwa einer Million Euro zu Buche schlagen. 80 Prozent davon seien förderfähig. Durchaus vorstellbar sei ein Baubeginn Ende nächsten Jahres.

Der Siegerbeitrag ist hier einzusehen:

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Alle Wettbewerbsbeiträge werden bis Ende Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses auf der Sitzungsetage präsentiert.

Jurymitglieder:
Dr. Alexander Berger, Bürgermeister
Ina Bimberg, Landschaftsarchitektin BDLA, Iserlohn
Thomas Dietrich, Landschaftsarchitekt BDLA, Essen
Andreas Mentz, Stadtbaurat und Erster Beigeordneter
Joachim Rabe, Vorsitzender des Betriebsausschusses
Susanne Schamp, Vorsitzende des Gestaltungsbeirats der Stadt Ahlen
Frank Viehfeger, Vorsitzender des Stadtentwicklungs- und Planungsausschusses

Erläuterung des Büros „scape Landschaftsarchitekten“ zum Siegerbeitrag:

Der Stadtpark als wichtigster zentrumsnaher Freiraum der Ahlener Innenstadt bildet den direkten Übergang von der Fußgängerzone im Südosten dem St.-Franziskus-Hospital im Norden und ist elementarer Bestandteil der Grünverbindung entlang der Werse. Als Zeugen einer bewegten Vergangenheit finden sich im Park unterschiedliche Geschichtsspuren sowie ein wertvoller Gehölzbestand. Leider ist die prunkvolle Parkgestaltung von einst kaum mehr ablesbar. Wildaufwuchs, viele blickdichte Sträucher und die in die Jahre gekommenen Ausstattungselemente lassen den Park heute unattraktiv und unübersichtlich erscheinen. Der früher prägende Fluss ist heute kaum mehr wahrnehmbar.

An dieser Stelle setzt das Entwurfskonzept an. Ziel ist es, zum einen Werse und Park wieder stärker als bisher miteinander zu verweben, dem Fluss sein naturnahes, frei mäandrierendes Erscheinungsbild zurückzugeben und diese Formensprache unter Berücksichtigung historischer Bezüge auf die Wegeführung zu übertragen. Die Parkanlage soll zu einem transparenten und abwechslungsreichen Naherholungsraum entwickelt werden, in dem neue und weiterentwickelte Orte für Begegnung, Bewegung, Spiel, Kunst und Naturerleben die vorhandenen Freiraumqualitäten sinnvoll ergänzen und neue Anziehungspunkte für alle Bevölkerungsgruppen schaffen.

Es erfolgt eine Zonierung in drei Bereiche mit unterschiedlichem, thematischem Schwerpunkt. Der erste Bereich umfasst die Werseauenlandschaft. Hier stehen die Aspekte Ökologie und Naturerlebnis im Vordergrund. Daran schließt der Parkbereich an, welcher sich in eine freie von markanten Einzelbaumgruppen akzentuierte Rasenfläche, die Kampenwiese, und einen schattigen Waldabschnitt gliedert. Der Waldbereich soll zu einem lichten Skulpturenwald entwickelt werden, welcher von Pflanzenbänder durchzogen wird. Diese finden sich in einer differenzierten Artenzusammensetzung auch im nördlichen Parkabschnitt wieder und zeichnen das um 1830 von Wassergräben durchzogene Überschwemmungsgebiet der Werse nach.

Die nördliche und östliche Parkkante wird als Heil- und Duftgarten verstanden. Hier prägen locker gestellte Obst- und Blütengehölze teilweise unterpflanzt von blütenreichen Stauden und Halbsträuchern das Bild und laden zum Verweilen ein. Die Anbindung des Parks an das nördlich angrenzende St. Franziskus-Hospital wird deutlich aufgewertet. Durch den Rückbau von
Stellplätzen wird Raum für neue großzügige Treppenanlagen geschaffen und ein direkter Zugang über die zur Mischverkehrsfläche umgewandelte Robert-Koch-Straße ermöglicht. Bereits etablierte Wegeverbindungen werden weiterqualifiziert und neue Anknüpfungspunkte zum westlichen Werseufer und zum St. Vinzenz Areal hergestellt. Ungenutzte Wegeverbindung werden aufgegeben, um den neuen weitläufigen Grünflächen Raum zu geben.

Werseaue
Der gerade Verlauf der Werse wird im Bereich des Parks in einen naturnahen Gewässerverlauf mit eingelagerten Inseln und flacheren Uferböschungen transformiert. Werse und Park werden wieder miteinander in Bezug gesetzt. Unterholz wird zur Verbesserung der Einsehbarkeit und Zugänglichkeit entfernt. Eine natürlich gestaltete Uferzone mit einer einheimischen Artenzusammensetzung bildet einen Lebensraum und Rückzugsort für Tiere. Im Uferbereich ergänzte Holzstämme sowie Ufer- und Störsteine bieten Kindern als auch Erwachsenen die Möglichkeit, Natur und Wasser hautnah zu erleben. Der westlich der Werse verlaufende überregionale Radweg wird leicht geschwungen separat von der Straße geführt. Uferbegleitende Sitzstufen und Balkone ermöglichen ein längeres Verweilen am Wasser mit Ausblick auf die Rubberts Mühle und die Werseaue. Eine Schnittstelle zwischen natürlich geprägter Auen- und gestalteter Parklandschaft stellen die, unter ökologischen Gesichtspunkten überformten, stillen Wassergärten dar. Die ehemaligen Fontänenbecken bilden, mit Seerosen, Sumpfschwertlilien und Zwergbinsen besetzte, kleine pflegeextensive Feuchtbiotope.

Parklandschaft - Skulpturenwald und Kampenwiese
Als Wechselspiel von Schatten und Licht gliedert sich der Parkabschnitt in eine offene multifunktional nutzbare Rasenfläche. Der vorhandene Baumbestand wird auf wenige markante Einzelbäume reduziert, welche die historische Kampenwiese umspielen. Das ovale Rasenparterre von einst wird skizzenhaft mittels Sitzmauern nachgezeichnet; ein triangularer wassergebundener Rundweg nimmt die historisch gegebene Formensprache und die vorhandenen Kleinarchitekturen in sich auf. Eine der Zick-Zack-Mauer vorgelagerte wassergebundene Fläche und ein zum Holzdeck umgewandeltes ehemaliges Wasserbecken eröffnen den Parkbesuchern Raum zum Sonnenbaden und Boule spielen und können bei Parkveranstaltungen ebenso als Tribüne genutzt werden. Im Südwesten ersteht formaufgreifend zum Rasenoval der Wasserspielplatz `Kampenwiese´ mit Sitzgelegenheiten, Sand- und Matschspielfläche sowie Spielgeräten, welche auch im Winterhalbjahr nutzbar sind.

Nördlich daran angrenzend erstreckt sich der Skulpturenwald. Der vorhandene Baumbestand wird um weitere exotische Parkbäume ergänzt und zu einem lichten Wäldchen entwickelt. Kunstskulpturen setzen in der erweiterten Ausstellungsfläche des Ahlener Kunstmuseums vor texturenreichen Schattenstaudenpflanzen Einzelakzente. Östlich daran anschließend befindet sich das tagsüber zugängliche Gelände von St. Vinzenz; es bietet das Potential zur Anlage eines Parkcafés mit einem zugehörigen halböffentlichen Lern- und Naturgarten.

Duft- und Heilgarten
Nach Norden zum St. Franziskus-Hospital hin werden die Pflanzenbänder zu einem Duft- und Heilgarten entwickelt. Das Thema der medizinischen Heilkräuter und Duftpflanzen setzt sich mit seinem von weiß bis ins rosa-violett reichenden Farbenspiel bis zum Krankenhauskomplex fort und stellt so neben den großzügigen Freitreppenanlagen einen weiteren Brückenschlag zwischen Hospital und Park her. Ein locker verteilter Baumhain aus hochstämmigen Fliederbäumen setzt im Frühling intensive Farb- und Duftakzente. Die verwendeten Arten wurden so ausgewählt, dass sie für Bienen und andere Insekten geeignete Futterpflanzen darstellen. Im Osten bildet ein locker gestellter Obstbaumhain einen fließenden Übergang zu den angrenzenden Privatgärten aus. Hängematten laden in diesen Bereich dazu ein, die Seele baumeln zu lassen.

Realisierung
Im ersten Bauabschnitt erfolgt der Parkausbau inklusive des neuen Wegenetzes und der Vegetationsarbeiten. Diese Maßnahmen bilden das Grundgerüst für die in einem Folgebauabschnitt zu renaturierende Werseaue sowie die im Parkbereich nachzurüstenden besonderen Ausstattungselemente wie: Wasserspielplatz, Sitzmauern, Holzdecks, und Bänke.

Foto: So könnte es im Stadtpark bald aussehen: Entwurfsskizzen aus dem Siegerbeitrag

So könnte es im Stadtpark bald aussehen: Entwurfsskizzen aus dem Siegerbeitrag