Rede zum Arbeitnehmerempfang am 29. April 2016 im Rathaus der Stadt Ahlen

Foto: Dr. Alexander Berger bei seiner Rede am 29. April 2016
Dr. Alexander Berger bei seiner Rede am 29. April 2016

Sehr geehrte Frau Kautzmann,
verehrter Herr Meiwes, geschätzter Herr Adomat,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,

vielen Dank Manfred Kehr für diesen musikalischen Einstieg in den Arbeitnehmerempfang der Stadt Ahlen aus Anlass des 1. Mai. Ich habe mir gedacht, es tut dieser Traditionsveranstaltung gut, wenn sie auch eine kulturelle Komponente bekommt. Deswegen bin ich unserem Kollegen Manfred Kehr sehr dankbar, dass er sich bereit erklärt hat, uns heute am Vor-Vor-Abend des Arbeiterfeiertages Nachdenkliches und Heiteres zu Gehör zu bringen.

Mir war bekannt, dass der Kollege eine private Leidenschaft für die Musik und vor allem für die Bewahrung des regionalen Liedgutes pflegt. So lag es für mich nahe ihn zu bitten, hier heute für uns zu spielen. Darin sehe ich auch einen Beitrag zur Wertschätzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Jeder Arbeitgeber sollte stets bemüht sein, die Kolleginnen und Kollegen im Ganzen zu sehen. Beschäftigte allein auf ihren Beitrag zum Unternehmenszweck zu reduzieren, sie nur als Produktionskapital zu betrachten, das entspricht nicht meinem persönlichen Bild vom Beschäftigten und auch nicht der in diesem Hause praktizierten Unternehmenskultur.

Dort, wo es private Fertigkeiten, Fähigkeiten und Interessen gibt, sollten wir diese so gut es geht, auch für die Stadtverwaltung aktivieren. Dieser ganzheitliche und ressourcenorientierte Blick bringt einen unglaublichen Mehrwert und vor allem Motivation für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es vermittelt aufrichtig empfundene Anerkennung, was mir als Bürgermeister und Vorgesetzter von rund 700 städtischen Belegschaftsmitgliedern als Leitfaden dient.

Meine Damen und Herren, als eine der ersten Maßnahmen habe ich nach meinem Amtsantritt die Mitarbeitersprechstunde eingeführt. Ich will nämlich wissen, welche Sorgen, Nöte und Wünsche meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewegen. Hinter verschlossener Tür unter vier Augen lassen sich mit mir vertraulich in kollegialem Gespräch auch die Dinge bereden, über die man mit seinen Kollegen am Arbeitsplatz oder den direkten Vorgesetzten aus welchen Gründen auch immer lieber nicht sprechen möchte. Das Angebot wird fleißig angenommen, worüber ich mich wirklich freue.

Glücklich sein können wir auch alle über die funktionierende Mitbestimmung bei der Stadtverwaltung. Erst vor wenigen Wochen fand die Wahl zum Personalrat mit einer überzeugenden Wahlbeteiligung erfolgreich statt. Dank umsichtiger Partner auf beiden Seiten können Personalrat und Dienststellenleitung seit vielen Jahren konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Das soll und darf nicht heißen, in allen Punkten harmonisch dieselbe Sichtweise zu teilen. Es ist aber ein solides Fundament vorhanden, auf dem auch einmal strittig Sachfragen verhandelt werden dürfen, ohne  dass das Grundvertrauen leidet. Dafür bin ich Ihnen, lieber Herr Adomat, und Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern außerordentlich dankbar.  

Wie sehr sich die Frauen und Männer aus Stadtverwaltung und Ahlener Umweltbetriebe danach sehnen, mit ihren Anliegen wahrgenommen zu werden, zeigt die gegenwärtig laufende Mitarbeiterbefragung. Schon in der ersten Woche haben knapp 200 Beamte, Tarifbeschäftigte und Auszubildende ihren Fragebogen ausgefüllt. Sie verbringen viele Stunden ihres Lebens am Arbeitsplatz. Daher wissen sie auch am besten, was getan werden muss, damit es ihnen dort gut geht. Die Stadt Ahlen will Ihre Gesundheit am Arbeitsplatz und darüber hinaus schützen. Die Umfrage stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt: Wie zufrieden sind sie mit Ihrer Arbeit, ihrer Führungskraft und dem Betriebsklima? Fühlen sie sich gut informiert? Wie kann ihre Gesundheit besser unterstützt werden? Welche Anregungen haben sie, die allen Beschäftigten nutzen könnten?

Ich bin sehr gespannt, zu welchen Ergebnissen wir in Zusammenarbeit mit unserem Partner, der Kommunalagentur NRW, gelangen werden. Eines steht fest: In den berüchtigten Schubladen wird die Mitarbeiterbefragung auf keinen Fall verschwinden. Dafür wird schon unsere Personalvertretung sorgen, mit der die Umfrage gründlich vorbereitet und abgestimmt worden ist.

Liebe Gäste, nur gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen die Leistung, die für die Aufgabenwahrnehmung in einem modernen Dienstleistungsunternehmen erforderlich ist. Zugleich dürfen die Arbeitsbedingungen nicht krank machen. Ich will, dass wir achtsam mit uns selbst und dem anderen umgehen. Deswegen bin ich der Personalverwaltung und dem Personalrat dankbar, dass beide schon vor geraumer Zeit erkannt haben, wie unverzichtbar ein Gesundheitsmanagement ist.

Die Stadtverwaltung hat schon vor einigen Jahren ein betriebliches Eingliederungsmanagement sowie einen Mobbing-Beauftragten eingesetzt. Gute Ansätze wie beispielsweise den Tag der Gesundheit, Rückenkurse oder die mobile Mittagspause wollen wir weiter ausbauen und entwickeln. Die Stadtverwaltung soll sich so aufstellen, dass sie mit gesunden und leistungsbereiten Beschäftigten in die Zukunft gehen kann und auch als Arbeitgeber für junge Leute interessant ist.

Eine der wesentlichen Ursachen für Erkrankungen am Arbeitsplatz liegt auch in der zunehmenden Arbeitsverdichtung. Oder besser ausgedrückt: Immer weniger Beschäftigte satteln immer mehr Arbeit. Bekanntermaßen leiden nach weit verbreiteter Ansicht die öffentlichen Finanzen in Ahlen nicht auf der Seite der Einnahmen, sondern auf der Ausgabenseite. Darum ist es nur recht und billig, auch die Stadtverwaltung einem kritischen Blick zu unterziehen.

Mit der eingefädelten Organisationsuntersuchung im Fachbereich Jugend und Soziales sowie im Eigenbetrieb Ahlener Umweltbetriebe wollen wir uns Klarheit darüber verschaffen, ob es wirklich Einsparpotenziale gibt. Ich sage Ihnen aber auch: Sollte das Ergebnis am Ende lauten, das stellenweise sogar eine personelle Unterdeckung gegeben ist, muss die Politik daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass liebgewonnene Standards nicht länger aufrechterhalten werden können und eine deutliche Aufgabenpriorisierung vorgenommen werden muss.

Verehrte Damen und Herren, ich bin fest davon überzeugt, dass die Stadtverwaltung ein überaus attraktiver Arbeitgeber ist. Sie bietet nicht nur soziale Sicherheit, sondern auch abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeitsfelder. Das muss so bleiben! Gewinnen können wir den Wettstreit um kluge Köpfe, in dem wir mit vielen anderen Branchen stehen, aber nur, wenn wir diese Attraktivität auch in Zukunft behalten. Gute Arbeit verdient gutes Geld. Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes haben in den laufenden Tarifverhandlungen diese Woche erstmals die Muskeln spielen lassen. Gewerkschaftsforderung und Arbeitgeberangebot liegen noch weit auseinander. Am Ende – das lässt sich zuverlässig jetzt schon sagen - wird ein Kompromiss stehen. Das Streikrecht ist eine der höchsten Errungenschaften im modernen Sozialstaat, es verdient und genießt meinen vollen Respekt. Gleichwohl möchte ich dazu appellieren, das scharfe Schwert des Arbeitskampfes mit Bedacht zu ziehen.

Die Bürgerinnen und Bürger erwarten einen funktionierenden Staats- und Stadtapparat, sie haben einen Anspruch darauf, dass wir ihnen zu Diensten sind. Mögen die Verhandlungsführer beider Seiten sich dies stets vor Augen führen.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch kurz eingehen auf diverse politische Umtriebe, die wir in den letzten Wochen in Ahlen zur Kenntnis nehmen mussten. Es hat mich gefreut, dass es immer auch Gewerkschafter waren, die zum Protest gegen platte Parolen und den Ungeist der Zwietrachtsäher aufgerufen haben. Wir leben in einer solidarischen Gesellschaft und wollen diese Werte auch unseren Kindern vermitteln. Es ist maßgeblich dem jahrzehntelangen Wirken der internationalen Gewerkschaftsbewegung zu verdanken, dass die wunderbare Idee der Völkerverständigung zu den Grundwerten aller Demokraten zählt. Ich danken Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz!

Bevor wir gleich mit großem Interesse die Worte von Frau Kautzmann hören, freuen Sie sich jetzt noch einmal auf Manfred Kehr.

Ich wünsche Ihnen allen am Sonntag einen schönen Maifeiertag, den Gewerkschaftern eine gut besuchte Kundgebung in der Stadthalle und uns weiterhin einen angenehmen Arbeitnehmerempfang.

Vielen herzlichen Dank!