Ansprache von Bürgermeister Dr. Alexander Berger zum Neujahrsempfang am 17. Januar 2017 in der Stadthalle Ahlen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste des Neujahrsempfangs der Stadt Ahlen!

Ich heiße Sie alle recht herzlich willkommen zum Neujahrsempfang der Stadt Ahlen. Schön, dass Sie so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind und sich an diesem Abend die Zeit nehmen, in geselligem Rahmen das noch junge Jahr zu begrüßen. Sie werden sich vielleicht gefragt haben, warum wir uns heute zum Stelldichein des neuen Jahres in der Stadthalle versammeln und nicht - wie es üblich war in den letzten Jahren - nebenan im Ratssaal des Rathauses. Lassen Sie mich, verehrte Damen und Herren,  zu einem Vergleich greifen: Unser gemeinsames Haus „Stadt Ahlen“ durfte sich im vergangenen Jahr über den Zuzug neuer Bewohner freuen. Wie es im wahren Leben ja auch gelegentlich vorkommt, ist deren Wohnung noch nicht vollständig eingerichtet, es müssen hier und dort die Handwerker noch Kleinigkeiten richten, vor allem das Wohnzimmer und – ganz wichtig! – die Küche sind nicht rechtzeitig fertig geworden. Wie es sich unter guten Nachbarn gehört, habe ich dem Familienoberhaupt der neuen Mieter angeboten, die Lücke zu überbrücken und gemeinsam mit uns auf das Jahr 2017 anzustoßen. Jetzt wäre aber auch mein Wohnzimmer, der Ratssaal, angesichts dieser großen Gästeschar nicht groß genug gewesen. Also haben wir kurzerhand Dekoration, Musik, Speisen und Getränke zusammengeworfen und das Licht sozusagen im Partykeller der Stadt Ahlen, hier in unserer schönen Stadthalle, eingeschaltet. Ich bin mir sicher, es wird eine schöne Feier unter Freunden! Und damit heiße ich Sie, sehr geehrter Herr General Gorgels, und Sie, verehrter Herr Oberstleutnant Kribus, mit Ihren Soldatinnen und Soldaten des Aufklärungsbataillons 7 noch einmal ganz herzlich willkommen in der Stadt Ahlen. Lassen Sie uns zusammen Gastgeber sein des ersten gemeinsamen Neujahrsempfangs von Stadt und Bundeswehr.

Ein frohes, gesundes und vor allem friedliches Jahr 2017 möchte ich Ihnen allen, meine lieben Gäste, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele wünschen. Möge Gottes Segen Ihnen und den Ihnen anvertrauten Menschen gewiss sein auf allen Wegen und bei den mithin schwierigen Entscheidungen, die Sie im privaten und beruflichen Leben zu treffen haben.

Ganz besonders freue ich mich, unsere verehrten Ehrenbürger unter uns begrüßen zu dürfen. Lieber Herbert Faust, bleiben Sie auch 2017 mein kritischer Begleiter der politischen und gesellschaftlichen Weltläufe unserer Stadt – wir bauen auf Ihre klugen und weitsichtigen Ratschläge, die in manch aufgeregter und abgehobener Tagesdiskussion für Klarheit sorgen und uns zurück auf den Boden führen.

Nicht weniger herzlich begrüße ich unseren Abgeordneten aus dem Land, die sich im Mai dem Votum der Wählerinnen und Wähler stellen werden. Ihre parlamentarische Arbeit verdient ungeachtet der parteipolitischen Farbe unser aller höchsten Respekt. Seien Sie sich bitte bei Ihren anspruchsvollen Aufgaben in Düsseldorf immer bewusst, den Interessen und dem Wohl des gesamten Volkes verpflichtet zu sein. Lieber Herr Rehbaum: Ihre – wie ich es empfinde – basisnahe Arbeit im Wahlkreis und ganz speziell bei uns in Ahlen ist jedenfalls nicht schuld daran, dass manche Menschen eine Entfremdung zwischen Politik und Bürgern wahrzunehmen glauben. Bleiben Sie den Menschen weiterhin so verbunden, und auch so präsent in Stadt und Land, wie wir es von Ihnen kennen und erwarten.

Ich möchte mich bedanken bei den Repräsentanten des Kreises Warendorf in Politik und Verwaltung, sehr geehrter Herr Landrat Dr. Gericke. Der Kreis weiß sehr genau, was er an seinen 13 so verschiedenen Städten und Gemeinden zwischen Ems, Werse und Lippe hat. Aber auch in den Kommunen wird entgegen manchem Gerücht nicht vorwiegend als belastend wahrgenommen, was aus dem Kreishaus kommt. Das Verhältnis zwischen Kreis und seinen Kommunen ist eben weitaus mehr als die alljährliche Auseinandersetzung zwischen Landrat und den Bürgermeistern um die Höhe der Kreisumlage. Und dennoch, das will ich nicht verhehlen: Die eine oder andere Wohltat, die sich der Kreis gönnt, würde auch uns Bürgermeistern schmecken.

Damit komme ich zu den Akteuren, die bei uns in Ahlen das Zepter schwingen, und so für eine bunte, lebens- und liebenswürdige Stadt sorgen. Es sind selbstverständlich die Mitglieder des Rates der Stadt Ahlen zu nennen und zu begrüßen, aber auch und vor allem die vielen Vertreter von Organisationen, Vereinen und Verbänden, die in hauptamtlicher oder ehrenamtlicher Funktion zum Gelingen unserer städtischen Gemeinschaft einen wertvollen Beitrag leisten. Ohne das außerordentliche Engagement im Ehrenamt fehlte es in unsere Stadt ganz erheblich an dem solidarischen Zusammenhalt, den wir täglich spüren können.

Meine Damen und Herren, ich habe im Laufe des vergangenen Jahres zunehmend den Eindruck gewonnen, das sich die Stimmung in der Stadt Ahlen und unter ihren Bürgern und Institutionen deutlich verbessert. Zurückhaltung und Stagnation waren über Jahre hinweg ein wahrzunehmendes Lebensgefühl vieler Bürger, wenn sie über ihre Stadt sprachen. Menschen. Ahlen wurde bisweilen empfunden als idyllischer Flecken im Münsterland, eingeengt im Dreieck der Oberzentren Münster, Bielefeld und Dortmund.

So falsch dieses zurückhaltend geprägte Selbstbild auch früher schon war, so wenig spricht erst recht heute dafür. Man verkaufte sich in Ahlen unter Wert, weil es auch im Stadtbild erkennbare Anhaltspunkte für den Eindruck des vermeintlichen Stillstandes gab. Gewerbebrachen wie Hundhausen, Nahrath und Blomberg mussten immer und immer wieder als Beweis dafür herhalten, dass sich in Ahlen nur wenig bewegt. Ich bin glücklich und dankbar, dass es uns im Zusammenspiel von tatkräftigen Ahlener Unternehmern mit der städtischen Bauverwaltung  gelungen ist, das Brachenthema endlich ganz konkret anzugehen und gewinnbringend für die Stadt Ahlen zu lösen. Lassen Sie es mich plakativ den „Aufbruch durch Investition“ nennen, was zurzeit überall in der Stadt zu spüren ist.

Besonders erfreut bin darüber, dass es Ahlener sind, die sich dieser großen Aufgaben vielversprechend annehmen. Das beweist doch wie kaum etwas anderes mehr, wie sehr die Ahlener an ihre eigene Stadt glauben und welche Potenziale sie hier erkennen! Auch der rasante Wohnungsbau belegt das freundliche Investitionsklima, das in Ahlen herrscht. Wir haben aus guten Gründen den Weg einer offensiven Grundstückspolitik eingeschlagen, um Jungen wie Alten, Familien wie Pflege- und Betreuungsbedürftigen Wohn- und Lebensperspektiven zu schaffen. Wenn dies am Ende Entwicklungsdruck für zusätzliche Kindergartenplätze auslöst, dann haben wir uns damit ein wirklich schönes Problem geschaffen, welches wir als Stadt Ahlen gerne angehen wollen. Ahlen zählt heute wieder mehr als 54.000 Einwohnerinnen und Einwohner, darunter erfreulich viele junge und ganz junge Menschen. Die Eröffnung der Kindertagesstätte „Villa Regine“ war ein sichtbares Zeichen des neuen, jungen Wachstums in unserer Stadt. 

Finanzwirtschaftlich war das hinter uns liegende Jahr ebenfalls eines, das Anlass zu Optimismus gibt. Erstmals seit Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements vor einem Jahrzehnt wird Ahlen für das Jahr 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können. Alle Zeichen stehen nach den Berechnungen unseres Stadtkämmerers, der für seine sorgfältig vorsichtigen Schätzungen bekannt ist, nicht nur auf Ausgleich. Es ist – so zeigen es die jüngsten Berechnungen – sogar von einem Überschuss im höheren sechsstelligen Bereich für 2016 auszugehen.

Kräftig wird Ahlen im laufenden Jahr in den Ausbau und die Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur investieren. Es sind verantwortungsvoll angelegte Mittel, die zu erheblichen Einsparungen in der Zukunft führen. Das zeigt: Wir in Ahlen verfügen über Gestaltungsspielräume und Perspektiven, für die uns vergleichbare Kommunen sehr beneiden. Auch bei den Fördergebern in Europa, im Bund und beim Land genießt Ahlen einen exzellenten Ruf. Etwa 2 Millionen Euro an Förderzusagen konnten wir zuletzt für verschiedene Projekte, wie die Marktplatzumgestaltung, die Sanierung des Berliner Parks und die Umsetzung eines Radverkehrskonzeptes generieren. Ebenso kommt der Umbau des JuK-Hauses zu einem Mehr-Generationen-Haus in den Genuss einer großzügigen, millionenschweren Förderung.

Und noch ein weiteres Indiz dafür, dass die finanzwirtschaftliche Bewegung in die richtig Richtung geht: In den letzten Monaten gelang es, die Kassenkredite von 31,6 Millionen im November 2015 auf heute 16 Millionen Euro zu halbieren.

Meine sehr verehrten Gäste, wir haben in Ahlen wahrlich keine Veranlassung, den Kopf hängen zu lassen. Messbare Tatsachen sind  mir wichtiger als notorisch übellaunig ins Internet geraunte Kommentare derer, die sowieso schon immer alles besser gewusst haben wollen. In zahlreichen Beteiligungsformaten haben engagierte  Menschen gezeigt, dass sie aktiv mitreden und mitmachen wollen: Wir haben von Beginn diverser Planungen an auf das Wissen und die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger gesetzt. Sie haben ein gewichtiges Wort mitgeredet bei der Umgestaltung von Berliner Park und Erlengrundpark, bei der Sitzmöblierung der Fußgängerzone, in der Diskussion um das geeignete Straßenpflaster auf dem Marktplatz und bei der Ideenschmiede für das Rathaus-Quartier. Dafür möchte ich auch heute noch einmal allen danken, die am Bürgerdialog mit ihrer Meinung und Kritik offen, konstruktiv und fair teilnehmen.

Wie sehr Ahlen eine Stadt des solidarischen Miteinanders ist, zeigt auch die Bewältigung der Flüchtlingszuwanderung. Die 2015 überall gespürte Energie des bereitwilligen Willkommens wandelte sich 2016 in integrative Kraft. Dank des nicht nachlassenden Engagements ehrenamtlicher und hauptamtlicher Helfer, sowie unserer jahrzehntelangen Prägung durch Zuwanderung,  haben wir in unserer Stadt ein Klima des Helfens erhalten und gefestigt. Die Gäste beider Unterkünfte in Bodelschwinghschule und Westfalenkaserne haben sich in den Händen ihrer Betreuer vom Arbeiter Samariter Bund sicher und geborgen gefühlt. Für diese, den Menschen zugewandte Arbeit, möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ASB im Namen der Stadt Ahlen herzlich danken. Für die meisten von ihnen beginnt mit Schließung der Einrichtungen am 31. März ein neuer Lebensabschnitt, für den ich ihnen von Herzen alles Gute wünsche. Die Stadt ist allen Helferinnen und Helfern für ihre geräuschlose, effektive und verantwortungsvolle Arbeit der letzten Monate zu tiefem Dank verpflichtet.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch der Volkshochschule meinen Respekt bekunden. Allein in Ahlen ist es ihr gelungen, rund 30 Kurse für 800 Geflüchtete und EU-Zuwanderer auf die Beine zu stellen, um deren Integration in speziellen Integrationskursen, Deutschkursen, Seiteneinsteigerkursen und im Talentcampus zu fördern. Von einem Studienjahr auf das andere sprang die Anzahl der Unterrichtstunden von 14.000 auf 25.000: Alles im laufenden Betrieb, zusätzlich und mit nahezu unverändertem Personal.  

Liebe Anwesende, bevor gleich General Gorgels und Oberstleutnant Kribus das Wort ergreifen, lassen Sie mich noch kurz folgendes sagen.

Unsere Kaserne in Ahlen setzt mit der abgeschlossenen Verlegung des Aufklärungsbataillons 7 ihre mehr als ein halbes Jahrhundert währende Tradition als Standort des Deutschen Heeres fort. Dabei spreche ich ganz bewusst von unserer Kaserne! Sie dient nämlich nicht nur als Unterkunft für die Truppe am Rande der Stadt – Sie ist vielmehr ein nicht mehr fortzudenkender Bestandteil der Stadt Ahlen. Auch bei der Bewältigung der Flüchtlingszuwanderung haben die Verantwortlichen in der Westfalenkaserne keine Sekunde gezögert, der Stadt Ahlen ihre Hilfe anzubieten. Wir, die Bürgerinnen und Bürger, dürfen für unsere Bundeswehr allen Stolz empfinden, den sie für ihr humanitäres Engagement verdient. 

Sehr geehrter Herr Kribus, in unserer Stadt werden Sie eine Aufgeschlossenheit für die Bundeswehr vorgefunden haben, wie es sie – leider! - nicht mehr überall anzutreffen gibt. Die tiefe Verbundenheit der Ahlener mit ihrer Kaserne liegt nicht zuletzt darin begründet, dass viele junge Männer hier ortsnah den Grundwehrdienst ableisten durften. Ich erinnere mich stets gerne an diese Zeit, als ich von 1989 bis 1990 fünfzehn Monate lang das soldatische Einmaleins im damaligen Jägerbataillon 7 beigebracht bekam. Ganz nebenbei fiel während jener Monate die alte Weltordnung in sich zusammen und Deutschland vollendete seine staatliche Einheit. Vor diesem historischen Hintergrund haben sich meine Erinnerungen an die Bundeswehrzeit besonders tief eingebrannt.

Über die Jahrzehnte sind enge Bande zwischen den Soldatinnen und Soldaten auf der einen und den Bürgerinnen und Bürgern auf der anderen Seite gewachsen. Die Ausstellung zur Garnisonsgeschichte Ahlens hat dies vor wenigen Wochen im Heimatmuseum eindrucksvoll dokumentiert. Bundeswehrangehörige gehörten und gehören zu Ahlen. Ich verspreche Ihnen, alles dafür zu tun, das es Ihrem Verband und vor allem den Soldatinnen und Soldaten in Ahlen an nichts fehlen wird.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, noch einmal möchte ich Ihnen allen, den Erwähnten und all jenen, die ich namentlich nicht einzeln begrüßen konnte, für Ihr Wirken zum Wohle unserer Stadt und unserer Bürger aus tiefstem Herzen meinen Dank aussprechen. Bleiben Sie dort, wo Sie Verantwortung tragen, unserer Stadt treu verbunden!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.