Amtseinführung von Meinolf Thiemann als Leiter des Städtischen Gymnasiums am 25. Januar 2018 in der Schulaula

Foto: Amtseinführung in der Aula des Städtischen Gymnasiums: (v.l.) Dr. Alexander Berger, Dr. Anne Giebel, Meinolf und Ulrike Thiemann, Dietmar Schade
Amtseinführung in der Aula des Städtischen Gymnasiums: (v.l.) Dr. Alexander Berger, Dr. Anne Giebel, Meinolf und Ulrike Thiemann, Dietmar Schade

Sehr geehrter Herr Schade,
verehrte Frau Dr. Giebel,
meine sehr geehrten Kollegiums- und Gremienvertreter, liebe Eltern, Schüler und Gäste!


Verehrter Herr Thiemann,

ich freue mich aufrichtig, Sie heute als neuen Leiter des Städtischen Gymnasiums in Ahlen begrüßen zu dürfen. Im Namen des Rates und der Verwaltung der Stadt Ahlen sowie aller Bürgerinnen und Bürger heiße ich Sie an Ihrer neuen Wirkungsstätte herzlich willkommen!

Ich schätze mich glücklich, dass wir mit Ihnen einen Schulleiter empfangen dürfen, der über eine herausragende berufliche Vita verfügt. In Ihren bisherigen teils sehr verschiedenen Verwendungen konnten Sie Rüstzeug packen, von dem das „Städtische“ in den kommenden Jahren profitieren wird. Gerade weil Sie nicht nur den gymnasialen Karrierezug in Ihrer Laufbahn kennengelernt haben, werden Sie in besonderer Weise über den Tellerrand blicken. Sie selbst haben in einem Gespräch mit der lokalen Presse vor wenigen Tagen beschrieben, was die Schulgemeinde von Ihnen erwarten darf: „Bewährtes bewahren und stärken sowie neue Akzente setzen“, so lautet Ihre Agenda.

Das sind große Worte, gelassen ausgesprochen. Auf eine 107-jährige Tradition blickt das Städtische Gymnasium Ahlen in diesem Jahr zurück. Seine Wurzeln liegen im Kaiserreich, es hat die Wirrungen der Kriege ebenso wie die politischen Revolutionen und gesellschaftlichen Reformen zwei Jahrhunderte hindurch schadlos überstanden. Dabei war es immer Abbild seiner Zeit, ließ aber nie die klassischen Bildungsziele außer Acht. „Bewährtes bewahren und stärken sowie neue Akzente setzen“, könnte somit auch das Motto des Städtischen Gymnasiums sein. Lieber Herr Thiemann, ich glaube, hier kommt zusammen, was zusammengehört.

Sie kommen zu einem Zeitpunkt an diese Schule, in der die Bildungslandschaft in Ahlen in einem dynamischen Wandel begriffen ist. Mit dem Auslaufen von Realschule und Geschwister-Scholl-Schule hat das letzte Jahr einen neuen Höhepunkt in dieser Entwicklung markiert. Ich sagte schon vergangene Woche auf dem Neujahrsempfang der Stadt Ahlen: Wir nehmen die Wünsche von Eltern sehr ernst, die sich maximal geeignete Schulabschlüsse für ihre Kinder wünschen. Deswegen müssen wir nicht nur über erweiterte bzw. neue Schulformen nachdenken, sondern auch – ich greife gerne auf Ihre Formulierung zurück – die bewährten Schulen stärken. Das gilt ganz besonders für unser Städtisches Gymnasium, das ein Aushängeschild in Ahlen und im Kreis Warendorf ist. In dieser zugegeben nicht bescheidenen Erwartung vertraue ich Ihnen diese Schule mit ihren Menschen an.

Aus einer lange vergessenen Zeit stammen die Worte, die aus Anlass der Amtseinführung Ihres Vorgängers Dr. Heinrich Schoppmeyer 1949 der damalige Schülervertreter fand. „Ruhe und Zurückgezogenheit braucht jede Schule für ein gutes Gedeihen“, davon war er überzeugt. Meine Damen und Herren, wie wirken diese Worte heute auf uns?

Schule steht 70 Jahre später mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Es wird an ihr gezogen und gerüttelt, sie wird von Eltern und der Politik mit Erwartungshaltungen überschüttet und verantwortlich gemacht für manch unerwünschte Phänomene, die in Wirklichkeit wohl eher in andere Verantwortungen fallen. Nicht nur die reine Vermittlung der Lehrstoffe wird von ihr erwartet, sie möge auch als Korrektiv dienen, um gesellschaftliche Verwerfungen auszugleichen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde es richtig, dass sich die Schulen auch um das psychosoziale Wohl ihrer Schülerinnen und Schüler kümmern. Die Diskussion um die Fortführung der Schulsozialarbeit in Ahlen hat das im letzten Jahr noch einmal sehr deutlich gezeigt. Und auch der Rat der Stadt Ahlen hat ein überwältigendes Votum pro Schulsozialarbeit abgegeben. Ich finde es gut, dass Projekte wie die „Schule der Vielfalt“ – um nur ein Beispiel zu nennen - zu einem toleranten und humanistischen Menschenbild beitragen.

Gleichwohl verstehe ich die frühere Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Schule sei ein Spiegelbild der Gesellschaft, aber nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung zeige Tendenzen, Schule einfach überzogen zu überfordern, warnte Brunhild Kurth. Durch dieses Spannungsfeld, verehrter Herr Thiemann, werden Sie das Städtische Gymnasium nun navigieren müssen. Für „Ruhe und Zurückgezogenheit“ - wie anno 1949 - wird keine Gelegenheit sein.
Sie können sich bei Ihrer Arbeit auf der Brücke aber auf eine Mannschaft verlassen, die erfahren darin ist, den bildungs- und sozialpolitischen Stürmen zu trotzen. Und auch aus dem Rathaus – speziell aus dem Fachbereich für Schule, Kultur, Weiterbildung und Sport sowie aus dem Zentralen Gebäudemanagement – bekommen Sie alle Unterstützung, um das Schiff auf seinem Kurs Richtung G 9 und durch die Unbilden der Digitalisierungsoffensive an den Schulen auf Kurs zu halten. Für Ihre Ideen habe ich jederzeit ein offenes Ohr, ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.

Meine Damen und Herren, ein guter Kapitän braucht einen zumindest genauso guten und zuverlässigen Ersten Offizier bzw. eine Erste Offizierin, wenn Sie mir dieses Bild erlauben, verehrte Frau Dr. Giebel. Sie haben in der Zeit des Interregnums nach Ausscheiden von Herrn Knepper fantastische Arbeit geleistet. „Das Städtische Gymnasium erstarrte nicht in Lethargie und machte überhaupt nicht den Eindruck, unter geschäftsführender Leitung zu stehen, wir hatten eine Schulleitung!“

Sie haben mit großem Eifer und fühlbarer Freude an der Tätigkeit die Fäden in der Hand gehalten und nie auch nur den Anschein von Führungslosigkeit erweckt. Dafür möchte ich Ihnen herzlichen Dank aussprechen und Ihnen alles Gute wünschen für Ihre nun wieder intensiver werdende Lehrtätigkeit – denn dafür haben Sie diesen schönen Beruf ergriffen.

Ihnen, verehrter Herr Thiemann, möchte ich abschließend eine Sorge nehmen. Ich weiß, es kann mitunter einschüchternd wirken, wenn man auf dem Weg zu seinem Büro die stattliche Galerie an Vorgängern passiert. Man stellt sich insgeheim immer die Frage: Schauen diese einen ermahnend oder aufmunternd an? So ergeht es mir jedenfalls mit der Bürgermeister-Galerie im Rathaus. Viele von denen, die auf dem Flur im Lehrertrakt verewigt sind, durfte ich persönlich noch als Schüler kennenlernen. Und ich kann ihnen verraten: Sie alle waren Menschen, mit liebenswürdigen Schwächen und bewundernswerten Stärken. Sie prägten das Städtische Gymnasium zu ihrer Zeit und unter den jeweils herrschenden Umständen und Herausforderungen.

Werden Sie nun Teil dieser 107-jährigen Geschichte, verstehen Sie die Blicke Ihrer Amtsvorgänger als Aufmunterung und überraschen Sie uns mit neuen Akzenten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit