Tag des offenen Denkmals 2010

12. September 2010

„Kultur in Bewegung: Reisen, Handel und Verkehr“

Unter dem diesjährigen Motto „Kultur in Bewegung: Reisen, Handel und Verkehr“ wurde mit engagierten, privaten Denkmaleigentümern ein ansprechendes Tagesprogramm entwickelt:

Die bereits seit dem Mittelalter (ca. Ende des 13. Jahrhunderts) bestehende Hellstraße wurde als parallele Ausweichmöglichkeit für die Hauptverkehrsachse der Oststraße genutzt. Sie besitzt viele schöne, kleine Baudenkmäler - insbesondere aus der Zeit vor der Industrialisierung.

Die Hellstraße ist städtebaulich, aber auch stadtbaugeschichtlich ein interessanter Bereich der Stadt, zu dem es viel zu erzählen gibt und der sich gut in das o.g. Thema einfügt.

Zu besichtigende Denkmäler in der Hellstraße
Zu besichtigende Denkmäler in der Hellstraße

Führungen

Start, Ziel und "Info-Point für die geführten Rundgänge ist der kleine Platz am östlichen Ende der Hellstraße.
Dort kann man auch bei einem Glas Wein und einem Imbiss am "Gourmet-Lädchen" verweilen.

Es sind jeweils zwei parallel laufende Führungen vorgesehen, die ca. 1 ¼ Stunde dauern:

um 11.00 Uhr – nur Hellstraße 29 und 40
um 13.00 Uhr – alle benannten Gebäude
um 15.00 Uhr – alle benannten Gebäude
um 17.00 Uhr – alle benannten Gebäude

Die Führungen werden von Frau Dr. Silke Eilers, Stadthistorikerin und Frau Nicole Wittkemper, städtische Denkmalpflegerin durchgeführt.


Da die von innen zu besichtigenden Gebäude alle in Privatbesitz und zum Teil relativ klein sind, gibt es einige Regeln zu beachten:

• Für eine Innenbesichtigung sind die angebotenen Führungen zu nutzen.

• Eine zwischenzeitliche Besichtigung der Gebäude durch Einzelpersonen ist aus Rücksicht auf die Privateigentümer nicht möglich.

• Die Teilnehmerzahl bei den Führungen ist auf max. 25 Personen begrenzt.

Hellstraße 40

Hellstraße 40
Hellstraße 40

Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus, mit giebelständigem Krüppelwalmdach, welches nach 1840 errichtet wurde.
Das Haus ist ein Beispiel für die ältere Bebauung in den Nebenstraßen mit bescheidenen Fachwerkhäusern als die Stadt eine verarmte Ackerbürgerstadt war.
Die denkmalgeschützte Fassade stellt zusammen mit der Nachbarfassade ein wichtiges stadtgestalterisches Element dar und bildet hier einen interessanten städtebaulichen Raum in der Kurve der Hellstraße, der zum Verweilen einlädt – nicht zuletzt auch, weil sich heute hier das Gourmet-Lädchen befindet.

Hier werden die angebotenen Stadtführungen starten und auch enden.

Hellstraße 29

Hellstraße 29
Hellstraße 29

Das Ackerbürgerhaus entstand in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts als Vierständer-Hallenhaus.
Der Grundriss deutet auf ein in seinen Ursprüngen vorhandenes Durchgangsdeelenhaus hin, dessen Mittelschiff im hinteren Teil verengt war. Das breitere östliche Seitenschiff diente als Wohnbereich.
Es handelt sich um ein Zeugnis der in diesem Teil des Münsterlandes seit dem späten 16. Jh. weitverbreiteten wirtschaftlichen Fachwerkbauweise mit Deelentor, von dem in Ahlen kein weiteres Gebäude so ungestört erhalten ist.

Als typisches Ackerbürgerhaus diente es als Wohnwirtschaftgebäude, dessen Bewohner neben anderer Berufstätigkeit im Wesentlichen ihren Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft bestritten. In der Traufgasse zum Nachbarn ist ein Brunnen erhalten.

Nach langem Leerstand wurde es 2005 in Teilen saniert und dient heute komplett dem Wohnen.

Hellstraße 26

Hellstraße 26
Hellstraße 26

Der Türbalken mit Inschrift 10. Juli 1849 lässt hier die Erbauungszeit vermuten, die Recherchen der heutigen Eigentümer lassen aber deutlich werden, dass das Gebäude bereits im Brandkataster von 1770 erwähnt ist.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrh. wurde die Fachwerkfassade verputzt, vielleicht im Sinne des damaligen Geschmacks, der aus dem Klassizismus resultierte: man tat so, als wäre es ein reicheres Steinhaus.

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau in Oberrähmzimmerung, welcher traufständig zur Straße steht.
Die Eigentümer haben mit viel Liebe ihr kleines Häuschen saniert, so dass es sich heute in einem sehr gepflegten Zustand darstellt.

 

Hellstraße 6

Hellstraße 6
Hellstraße 6

Das Gebäude wurde in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts als zweigeschossiges Fachwerkhaus errichtet. Später wurde eine Fassade mit verputzter Mauerwerksfront in Neurenaissance –Zier vorgeblendet.
Ursprünglich handelte es sich um ein bescheidenes Bürgerhaus mit Wohnung, Werkstatt und Stall.

Ab 2002 gab es erste Überlegungen zu einer grundlegenden Sanierung und Restaurierung, da das Gebäude einige Schäden aufwies und sein Grundriss in vergangenen Jahren immer wieder verändert worden war.
Die vorgestellte Neu-Renaissance-Fassade musste entfernt werden, da das dahinterliegende Fachwerk stark beschädigt war.
Das Innere des Gebäudes wurde unter größtmöglichem Substanzerhalt den heutigen Wohnbedürfnissen angepasst.

Die Eigentümerin ist von der Verwendung von Lehmbaustoffen – auch für die Innendämmung ihres Gebäudes – total überzeugt und ist inzwischen selbst Spezialistin in der Verarbeitung dieses traditionellen und bauphysikalisch optimalen Materials.