Tag des offenen Denkmals 2011

11. September 2011

„Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert" - In Anlehnung an das von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in diesem Jahr vorgeschlagene Thema wurden vom städtischen Denkmalpflege-Team zwei ehemalige Wohngebäude aus der Zeit der ersten Industrialisierungsphase in Ahlen ausgewählt, die in vorzüglicher Weise die Wohn- und Lebensbedürfnisse von zwei großen Fabrikanten in Ahlen darstellen.

Mit ihrer heutigen Nutzung dokumentieren diese Gebäude aber auch, wie man ein Denkmal umnutzen kann - ja sogar moderne Architektur hinzufügen kann - ohne den Charakter und die geschichtliche Aussage des Gebäudes zu zerstören.



Der Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. (SKF) im Kreis Warendorf ist eine gemeinnützige Organisation, die sich seit 1923 insbesondere um die Belange von Frauen und Kindern kümmert. In Ahlen gibt es diese Einrichtung seit 1928. Die Fusion der Einrichtungen in Warendorf und Ahlen fand 1999 statt.

Während der SKF in Ahlen bereits seit vielen Jahren seine Geschäftsstelle an der Königstraße 8 hat, gibt es seit diesem Jahr eine Dependance an der Warendorfer Straße 8, die sich ebenfalls bezüglich ihrer einladenden, freundlichen Ausstrahlung sehen lassen kann.

Die Baudenkmäler Königstraße 8 und Warendorfer Straße 8 werden am 11. September 2011 im Rahmen von Führungen für interessierte Bürger geöffnet. Ein kleiner Spaziergang vom einen zum anderen Baudenkmal bietet ganz nebenbei die Möglichkeit, entlang der Nordstraße einiges Interessantes über die Stadtgeschichte zu erfahren.

Nachfolgende Führungen sind vorgesehen:

Führung 1 Start: 11.00 Uhr Königstr. 8 Ende: ca. 12.45 Uhr Warendorfer Str. 8
Führung 2 Start: 11.30 Uhr Königstr. 8 Ende: ca. 13.15 Uhr Warendorfer Str. 8
Führung 3 Start: 14.30 Uhr Königstr. 8 Ende: ca. 16.15 Uhr Warendorfer Str. 8
Führung 4 Start: 15.00 Uhr Königstr. 8 Ende: ca. 16.45 Uhr Warendorfer Str. 8

Bitte beachten:
Aus Rücksicht auf die Mütter mit ihren Kindern, die in beiden Häusern wohnen, sind bitte ausschließlich die angebotenen Führungen zur Besichtigung zu nutzen.

Weitergehende Informationen zu den beiden Ahlener Baudenkmälern, die im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“ vorgestellt werden:

Königstraße 8
Erbaut 1905/06 wurde die Villa nach Abriss zweier Gebäude für den Fabrikanten und Ackerbürger Wilhelm Tovar von dem Ahlener Architekten F.C. Schröder. Als komfortables und sehr großzügiges Wohnhaus für eine Familie errichtet, gilt das Baudenkmal als Beispiel eines Fabrikanten- Wohnhauses aus der ersten Blütezeit der Emailleindustrie in Ahlen; hier als großes Gebäude in einer ehemals stark ackerbürgerlich geprägten Straße mit sehr aufwendiger und demonstrativer Fassadengestaltung und solider Wirkung.

Gestaltungselemente der Gründerzeit und der Art alter Herrenhäuser überlagern sich hier reizvoll mit Details des Jugendstils.

Das Baudenkmal stellt ein Dokument des damaligen, schichtspezifischen Lebensstils und der Wohnkultur sowie der Form der Repräsentation durch Architektur dar.

Heute wird das Haus vom Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. (SKF) genutzt.

Warendorfer Straße 8
Das Baudenkmal Warendorfer Straße 8 wurde 1905/06 für den Emaille-Fabrikant Johannes Beumer von dem Baugewerksmeister Heinrich Rötering aus Ahlen erbaut.

Besonders auffallend ist der porticus-artig überdachte Eingangsbereich auf Formziegelsäulen. Form-, Farb-, und Glasursteinen sowie Keramikfliesen mit Jugendstildekor wurden hier reichlich verwendet. Errichtet wurde das Gebäude als großzügiges Wohnhaus des Besitzers der benachbarten ehemaligen Emaillefabrik.

Es ist ein gutes Beispiel für die damalige Verwendung industriell hergestellter Massenprodukte zur Gliederung und Dekoration der Fassade. Die repräsentative Villa mit sparsam differenziertem Baukörper und Gestaltung in der Art des Jugendstils stellt ein siedlungs- und wirtschaftsgeschichtliches Dokument des Ausbaus der nordöstlich an die Altstadt grenzenden Gebiete dar.
Die Villa ist heute frisch saniert und wird u.a. ebenfalls vom Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. (SKF) genutzt.

Stadthistorikerin Dr. Silke Eilers von der Kulturabteilung sucht im Zusammenhang mit den beiden Baudenkmälern noch Informationen und hofft auf die Hilfe der Ahlener Bevölkerung.