Sonntag, 9. September 2012

Tag des offenen Denkmals 2012


Zum diesjährigen bundesweiten Thema „Holz“ fallen einem in Ahlen die vielen Fachwerkgebäude in der Stadt und im ländlichen Raum ein. Trotz ihrer unterschiedlichen Nutzungen und Ausführungen weisen sie doch viele typische Merkmale auf, da sie traditionell über Jahrhunderte in gleicher Weise errichtet wurden.

So geht es auf dem

Hof Schulze Rötering, Prozessionsweg 115, Ahlen


im Wesentlichen um das im Jahr 2003  translocierte Kötterhaus von ca. 1830 (ehemals Sachsenstraße).

                       

Aber auch die beiden weiteren Baudenkmäler, nämlich der Speicher von ca. 1720 und das als technisches Bauwerk errichtete Göpelhaus von 1880, reihen sich in die Tradition des Fachwerkbaus ein.

    

Weitere Infos zu den Gebäuden:

Das kleine Fachwerkhaus  mit Satteldach wurde als bescheidenes Kötterhaus um 1830 errichtet. Sein Standort – zunächst ländlich südlich der Innenstadt gelegen -  entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Gewerbegebiet. Das Gebäude stand seit einigen Jahren leer und verfiel zunehmend, weil es an dieser Stelle keine Chance auf eine Umnutzung hatte.

Im Jahr 2003 kamen die Stadt als damalige Eigentümerin und Familie Schulze Rötering dann ins Gespräch mit der Idee das Fachwerkhaus an einen anderen Standort zu versetzen (zu translozieren). Nach einigen Verhandlungen insbesondere zur künftigen Nutzung des Gebäudes auf dem Hof Schulze Rötering, wurde das kleine Kötterhaus auf den Schulzenhof transloziert. Dabei half die Idee, dass es sich bei Fachwerkgebäuden in früheren Jahrhunderten durchaus um die bewegliche Habe seines Eigentümers handeln konnte. Baumaterial war wertvoll, so dass es zu Wiederverwendung insbesondere des verbauten Holzes kam. Das Baudenkmal wurde in allen seinen Teilen kartiert, fotografiert und durchnummeriert. Es folgte  geordnet der Abbau, um das Gebäude seiner neuen Bestimmung entsprechend wieder zu errichten. Heute befindet sich die Gastronomie des Hofes Schulze Rötering in dem Fachwerkhaus.

Der große Schulzenhof „Schulze Rötering“ hat eine  spannende Geschichte, die sich in der Gräften- Hofanlage und hier exemplarisch in zwei Baudenkmälern widerspiegelt. Der Hof wird im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Scrodere-Fehde erwähnt. Die im Urkataster von 1829 vorhandene Gräftenanlage lässt auf eine Erweiterung im Mittelalter zu einer geräumigen Gartengräfte schließen. Dabei war wohl der Speicher mit einem doppelten Gräftenring gesichert.

Der dreigeschossige stattliche Getreidespeicher von ca. 1720 wurde seinerzeit von Johann Hermann Schulte Rötering errichtet. Das Gebäude, welches mit einer eigenen Gräfte geschützt war, diente der sicheren Lagerung des wertvollen Getreides und anderer wertvoller Güter. Es zeichnet sich baulich durch ein relativ enges Fachwerk mit starken Stützen aus. Der oberste Speicherstock ist einzeln abgezimmert und kragt nach allen Seiten leicht aus. Neben der Funktion als Speicher diente es auch als Backhaus (dieses wurde zugunsten einer großen Fenstertür 1975 abgerissen) und als Timmerkammer und Braukeller. Ladeluken in den oberen Geschossen und die Aufzugslukarne mit Kranbalken geben noch Hinweis auf die Verladung der Güter. Bei diesem Baudenkmal handelt sich um ein hervorragendes Beispiel für einen ackerbäuerlichen Speicher in der urtümlich turmartig-wehrhaften Form. Es zeigt die Bedeutung des Getreideanbaus sowie die besondere Bedeutung von Schulzenhöfen, die durch die soziale und rechtliche Stellung in der Bauernschaft mit Angelegenheiten der Gemeinschaft betraut waren und in Notzeiten den Nachbarn Schutz boten.

Das Göpelhaus zählt zu den best erhaltenen und ungewöhnlich aufwendig gestalteten Göpelhäusern Westfalens. Es wurde ca. 1880 errichtet als Technikgebäude der modernen Landwirtschaft. Das achteckige Gebäude steht auf einem niedrigen Ziegelsockel. Die darüber befindlichen Fachwerkaußenwände zeichnen sich durch historistisch abgefasste Kanten aus. Dabei sind die Wandfelder jeweils zweifach verriegelt und in der mittleren höheren Zone entweder mit Andreaskreuzen oder hochgesetzten Kreuzen verziert, um darunter eingesetzte Fenster zu schaffen. Die Wandfelder dazwischen sind mit Backsteinen ausgemauert. Ein Göpel ist eine mechanische Vorrichtung zur Erzeugung einer Antriebskraft durch Menschen oder Tiere.

Führungen:

Es finden drei Führungen mit Erläuterungen zur Hofgeschichte und den dortigen denkmalgeschützten Fachwerkbauten durch Frau Wittkemper  / Frau Schulze-Rötering statt.

11.30 Uhr       14.00 Uhr       16.00 Uhr

Dauer jeweils ca. 20 Minuten.

Danach haben die Besucher die Gelegenheit dem Zimmermann Alfons Kraskes über die Schulter zu schauen.


Vorführung:

Lebendig wird die Veranstaltung neben den 20-minütigen Führungen auch durch die Vorführungen des Zimmermanns Alfons Kraskes, der seinerzeit das Fachwerkhaus mit Hilfe der Eigentümer kartierte, abbaute und auf dem Hof wieder errichtete. Er wird alte Zimmermannstechniken und Holzverbindungen zeigen, wie sie auch am wieder errichteten Kötterhaus zu sehen sind.


Stadt Ahlen
Der Bürgermeister
-Untere Denkmalbehörfe-
Nicole Wittkemper
Tel.: 0 23 82 / 59-286
Email: wittkempern@stadt.ahlen.de
www.ahlen.de

Landcafé Schulze Rötering
Tel.: 0 23 82 / 8 89 89 80