„Handwerk, Technik, Industrie“: Tag des offenen Denkmals auf der Zeche Westfalen

          

Kaum passender hätte für Stadtbaurat Andreas Mentz das diesjährige Motto für den Tag des offenen Denkmals am 13. September sein können. „Handwerk, Technik, Industrie, da sind wir zuhause und an diesem Ort sowieso“, meinte Mentz bei der Programmvorstellung in der früheren Lohnhalle.

In der Region gebe es nur wenig vergleichbare Objekte, die noch so authentisch Zechenkultur dokumentierten. Auch wer glaube, das Zechengelände zu kennen, werde am Denkmaltag noch manch neue Entdeckung machen können.

Dafür sorgt allein schon der Rundgang, den Hermann Huerkamp, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Westfalen, zweimal anbietet. Um 11.15 Uhr und 15.00 Uhr startet er mit hoffentlich zahlreichen Besuchern zu einer besonderen Führung. „Es wird nicht die klassische Zechenführung, so haben wir sie noch nicht gehabt“, macht Huerkamp neugierig. Aufgesucht werden auch solche Orte, in die man sonst nicht hineinkomme. Etwa die alte Schreinerei und die alte Schmiede, die heute von Firmen auf dem neu entstandenen Gewerbegebiet betrieben werden. Eineinhalb Stunden sollten sich die Gäste Zeit nehmen für die Exkursion über das Gelände, Startpunkt ist das Museum beim Bergbautraditionsverein.

Dass ohne Mitstreiter ein solcher Tag nicht auf die Beine zu stellen ist, macht die städtische Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper deutlich. So öffne auch das Grubenwehrmuseum, und der Förderverein Fördertürme lade um 12.45, 13.30 und 14.15 Uhr zu geführten Besteigungen des Fördergerüstes ein. „Das zeigt die schöne Zusammenarbeit an diesem Ort, die nicht nur für die angesiedelten Unternehmen gilt.“ Von 11 bis 17 Uhr sind Besucherinnen und Besucher auf dem Zechengelände herzlich willkommen, für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt.

Hintergrund

Für das diesjährige Thema „Handwerk, Technik, Industrie“ bietet sich einmal mehr das Gelände der ehemaligen Steinkohlenzeche Westfalen an – und das nicht nur weil es sich um ein großes, vielschichtiges und interessantes Industriedenkmal handelt, sondern weil sich seit der Schließung der Zeche im Juni 2000 das Zechengelände rasant entwickelt hat.

Dabei war die Entwicklung des Startergebäudes – die ehemalige Lohnhalle mit Waschkaue durch die Projektgesellschaft Westfalen mbH die Initialzündung für den Standort. Neben verschiedensten Nutzern, wie z.B. Edo-Competition, Big-Wall, Schule Haus der Pflege und Phänomexx haben sich in den letzten Jahren viele mittelständische Handwerksbetriebe aus Ahlen etabliert. D.h. ganz konkret, die Unternehmer haben das positive Entwicklungspotential der Zeche Westfalen erkannt, identifizieren sich mit dem Standort und tragen mit ihren Investitionen ganz aktiv zum Erhalt und zur Attraktivität von dem Gewerbegebiet Zeche Westfalen bei.

Der Standort profitiert von den wirtschaftlichen Nutzungen und die Tageanlagen der Zeche Westfalen können somit erhalten und bewahrt werden. Gebäude, wie die ehemaligen Werkstätten, Maschinenzentrale, Versandgebäude, Lampenstube, Lok-Schuppen und Kesselhaus sind zu einem großen Teil denkmalgerecht saniert worden und in neuer Nutzung.

Besonderheit der ehemaligen Zeche Westfalen ist ihr stringenter Aufbau, an dem man den Weg der Kumpel und der Kohle heute noch gut nachvollziehen kann. Aufgrund der vielen erhaltenen Gebäude bis hin zu Mannschaftsgang und Fördertürmen ist der ursprüngliche Betrieb auf der Zeche heute noch nachvollziehbar. Nachdem ab 1901 die ersten Probebohrungen auf Steinkohle im Gebiet der Stadt Ahlen mit Erfolg vorgenommen wurden, entstand nicht lange danach ein Bergwerk und angrenzend daran, von 1918 bis 1924 die Siedlung für Bergarbeiter und ihre Familien.

Der Abbau von Steinkohle, der Personalbetrieb und die Energieversorgung nahmen immer größere Bereiche am Rande der Stadt ein und fügten sich schließlich mit der Kolonie im Süd-Osten als neuer Stadtteil an die historische Innenstadt Ahlen an. Die Zeche Westfalen war fast über 100 Jahre Motor der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Ahlen und größter Arbeitgeber von bis zu 5.500 Menschen. 1967 kam die Schließung der Zeche aus Kostengründen erstmalig ins Gespräch, aber erst 1990 wurden die ersten sozialverträglichen Abbaumaßnahmen getroffen. 1995 wurde mit der Gründung des Stadtteilforums und der Einleitung des Prozesses der bewohnerorientierten Stadtteilerneuerung die Transformation vorangetrieben. Seit 1996 fanden erste Planungsrunden zur Nachnutzung des Zechengeländes statt, um rechtzeitig ein Folgekonzept zu entwickeln.
Am 1. Juli 2000 wurde der aktive Betrieb der Zeche Westfalen eingestellt.

Während Schächte verfüllt, bergbauspezifische Gebäude abgerissen und denkmalwürdige Bestandteile erhalten wurden, entstand ein Folgenutzungskonzept für die Zeche Westfalen. Im Verbund mit der Stadt Ahlen und der Mittelstandsinitiative Ahlen gründet sich im März 2004 die Projektgesellschaft Westfalen mbH.

Die Projektgesellschaft Westfalen mbH kaufte 2004 das Gebäude Lohnhalle/Waschkaue und baute es zu einem neuen Gewerbezentrum um. Mit dem Starterprojekt, dem Umbau der Lohnhalle und Kaue, entstand ein neues einzigartiges Zentrum. Mit der Fertigstellung im September 2006 wurde der Anfang zur nachhaltigen Transformation des Geländes gesetzt.

Große Teile des Geländes und der Bestandsgebäude wurden in den Grundstücksfonds des Landes NRW, verwaltet von landeseigenen NRW-Urban, übertragen. Der Grundstücksfonds NRW ist seit über 30 Jahren ein vitales städtebauliches und strukturpolitisches Instrument des Landes Nordrhein-Westfalen zum Ankauf und zur Entwicklung altindustrieller Brachflächen. Auf ehemaligen Werksgeländen entstehen so neue zukunftsfähige Nutzungen für Gewerbe, Wohnen, Freizeit und Dienstleistung. Über den Grundstücksfonds wurden in Kooperation mit der Stadt Ahlen, der Wirtschaftsförderung Ahlen und der Projektgesellschaft Westfalen mbH große Teile der weiteren Bestandsgebäude und Altflächen verkauft.

Projektgesellschaft Westfalen mbH
Die Projektgesellschaft Westfalen mbH hat die Aufgabe, die Lohnhalle/Kaue der ehemaligen Schachtanlage Westfalen 1/2 in Ahlen zu entwickeln und neuen Nutzungen zuzuführen sowie neue Arbeitsplätze zu schaffen und für die Zukunft zu sichern. Vermietung und Vermarktung sind die großen Aufgaben der Gesellschaft. Zweck der Projektgesellschaft ist in erster Linie der denkmalgerechte Erhalt der Lohnhalle/Kaue auf dem ehemaligen Bergbaustandort sowie die Wahrung der Ablesbarkeit der Standortgeschichte. Die Gesellschaft ist damit ein Instrument der kommunalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Projektgesellschaft Westfalen war der erste Bauherr zur Nachnutzung des Geländes und ist der Betreiber des Gewerbezentrums Lohnhalle/Waschkaue. Sie damit Ansprechpartner vor Ort in allen Fragen bezüglich zur Zeche. Alleiniger Gesellschafter ist seit März 2010 die Stadt Ahlen, denn die MIA GmbH besteht seit 2010 nicht mehr.

Fördertürme brauchen Förderung
Die Fördertürme Schacht I und II auf der ehemaligen Zeche Westfalen sind die Wahrzeichen des Bergbaus in Ahlen und der gesamten Region. Neben dem blauen Wasserturm bilden sie die Leuchttürme der Technik – und Industriekultur und sind - nun besonders in der sogenannten Grünfuge freigestellt und herausgearbeitet - Markenzeichen des neuen Gewerbegebietes "Zeche Westfalen". Das Projekt "Förderverein Fördertürme" wird vom Verein Initiativkreis für Denkmalpflege, Stadterhaltung und Stadtbildpflege in Ahlen e.V. getragen. Der Verein setzt sich für den bedingungslosen Erhalt der Fördertürme und des Wasserturms ein, die sich im Eigentum der Stadt Ahlen befinden.

Das Grubenwehr Museum
In Trägerschaft des Bergbautraditionvereins e.V. bewahrt das Museum die Erinnerung an „die Arbeit vor ORT“ und "die damit verbundenen Risiken“ auf der Zeche Westfalen im Gedächtnis. Es bietet im ehemaligen Übungshaus Raum für Simulationsübungen, das sich im Startergebäude über drei Stockwerke erstreckt. Das Museum führt in eine Welt des Bergbaus, die in Ahlen Teil der Geschichte ist, aber nicht vergessen werden soll. Die Mitglieder des Traditionsvereins haben über lange Zeit Dinge aus dem Bergbau zusammengetragen, mit dem Ziel ein Museum mit dem Schwerpunkt der Tätigkeiten der Grubenwehr zu eröffnen. Zwei Filme informieren über die Entstehung der Steinkohle und schildern die gefährliche und aufopferungsvolle Arbeit der Grubenwehr. Aber auch unzählige Sauerstoffgeräte, eine Steinsammlung und eine Prisensammlung runden das Bild ab.