Am Markt beginnt die Zukunft der Innenstadt

Rege Bautätigkeit herrscht seit Wochen am Marktplatz. Drei Jahre lang stand das aus dem frühen 19. Jahrhundert stammende Geschäftshaus leer, das mit Christoph Ludorff nun einen neuen Eigentümer gefunden hat. Nach Abschluss der denkmalgerechten Sanierung wird die Innosozial gGmbH ihren Fachdienst für interdisziplinäre Frühförderung dort unterbringen.

Möglich macht dies das „Sofortprogramm Innenstadt 2020“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Ahlen erhält mehr als 400.000 Euro Förderung, um Leerständen in der City den Kampf anzusagen.

„Ich habe mich viel mit dem Thema Inklusion beschäftigt“, sagt Ludorff, der selbst einen Sohn mit mehrfacher Behinderung hat. Ihm sei es eine „Herzensangelegenheit“, das Projekt in Partnerschaft mit Innosozial umzusetzen. Am Markt entstehen acht Therapie- und Gruppenräume, in denen Ärzte, Psychologen, Heilpädagogen, Ergotherapeuten, Logopäden und Krankengymnasten mit ihren jungen Klienten arbeiten werden. Kinder von 0 bis 6 Jahren mit Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen oder sozialemotionalen Störungen bekommen hier Hilfe. Eltern und Einrichtungen können sich kostenlos beraten lassen, erhalten eine professionelle Diagnostik und geeignete Förderung. „Inklusion gehört in die Mitte der Gesellschaft, und wo ist das besser anzusiedeln als in einem Haus mit der Adresse Markt 1“, so Ludorff. 800.000 Euro investiert der Eigentümer in den von Architekt Christian Tripp geleiteten Umbau, davon allein 200.000 Euro in die Barrierefreiheit. 

Innsozial eröffnet nach Zeppelincarree und Röteringshof mit dem Frühförderzentrum am Marktplatz seine dritte Niederlassung in Ahlen, aber die erste in der City. Geschäftsführer Dietmar Zöller kann sich hier noch viel mehr vorstellen: „Den zentralen Standort wollen wir zukünftig nutzen, um auch kulturelle Projekte von Musik, Kunst und Theater anzubieten und damit den Marktplatz zu beleben.“ Den Brückenschlag in die Innenstadt begrüßt Bürgermeister Dr. Alexander Berger. „Das wird zu einer höheren Frequenz hier führen“, so seine Überzeugung. Berger prophezeit, dass die Zukunft der Innenstädte nicht mehr allein in der Funktion als Einkaufsort liegen wird. „Die Zentren führen Menschen zusammen, hier werden Dienstleistungen nachgefragt, und es gibt etwas zu erleben.“ Das Förderprogramm des Landes biete die große Chance, Impulse für die Innenstadt zu setzen.     

Wer davon profitieren möchte, sei es als Vermieter oder Mietinteressent, sollte jetzt handeln. Bereits acht Leerstände konnten dank des Förderprogramms behoben und Vermietungen in verschiedenen Bereichen vermittelt werden. „Eine hervorragende Quote“, wie WFG-Geschäftsführer Jörg Hakenesch findet. Von Schreibwaren über Cafés bis Personaldienstleistungen reicht die Spanne der neu an den Start gehenden Geschäftslokale. Weitere Interessenten stünden bereit, Spannendes in die Innenstadt zu holen. Wirtschaftsförderer Matthias Panick deutet an, „das geht in Richtung unverpackte Lebensmittel.“

Weitere Auskünfte zum Förderprogramm des Landes erteilt bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Matthias Panick unter Tel. 02382 964302 (panick@stadt.ahlen.de).

Hintergrund:
Die in Höhe von 422.831 Euro soll zum Großteil Leerstände in der Innenstadt beheben und auch kleinere Unternehmen unterstützen, zu einer geringeren Miete ein Ladenlokal anzumieten. Bezugspunkt für die Förderung ist eine um 30 Prozent reduzierte Kaltmiete aus der letzten Vermietung. Die Stadt Ahlen tritt dann als Mieter der Immobilie auf, wenn ein potentieller Mieter gefunden wurde. Der neue Untermieter mietet die Immobile dann zu einen Mietzins von 20 Prozent der ursprünglichen Miete über die Stadt Ahlen an. Das anschließende Mietverhältnis zwischen der Stadt Ahlen und dem neuen Mieter ist auf eine Dauer von maximal zwei Jahren begrenzt. 

Foto: Es beherbergte zuletzt ein Optiker-Geschäft, davor gab es hier Wohnaccessoires zu kaufen: Das Gebäude Markt 1 bezieht demnächst Innsozial mit seinem Frühförderzentrum.

Es beherbergte zuletzt ein Optiker-Geschäft, davor gab es hier Wohnaccessoires zu kaufen: Das Gebäude Markt 1 bezieht demnächst Innsozial mit seinem Frühförderzentrum.


Foto: Baustellenrundgang mit (v.l.) Stadtplanungsleiter Markus Gantefort, Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Architekt Christian Tripp, Innsozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller, Architekt Michael Scharf.

Baustellenrundgang mit (v.l.) Stadtplanungsleiter Markus Gantefort, Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Architekt Christian Tripp, Innsozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller, Architekt Michael Scharf.


Foto: Fühlt sich von Stadt Ahlen und WFG gut beraten: Eigentümer Christoph Ludorff (r.) im Gespräch mit den Wirtschaftsförderern Matthias Panick (l.) und Jörg Hakenesch.

Fühlt sich von Stadt Ahlen und WFG gut beraten: Eigentümer Christoph Ludorff (r.) im Gespräch mit den Wirtschaftsförderern Matthias Panick (l.) und Jörg Hakenesch.


Foto: Erhalten bleibt die denkmalgeschützte Deckenkonstruktion.

Erhalten bleibt die denkmalgeschützte Deckenkonstruktion.


Foto: Es gibt noch viel zu tun: Architekt Michael Scharf (M.), Florian Schmeing (Gebäudemanager der Stadt Ahlen), Stadtplaner Dennis Thiele.

Es gibt noch viel zu tun: Architekt Michael Scharf (M.), Florian Schmeing (Gebäudemanager der Stadt Ahlen), Stadtplaner Dennis Thiele.