Schulcharakter bleibt bestehen

Die Nachnutzung der ehemaligen Feuerwehrausbildungsstätte Brockhausen ist gesichert und sorgt auf beiden Seiten für sehr zufriedene Gesichter. „Ich bin glücklich über die Entwicklung und die neuen Hausherren, die den Schulcharakter des Gebäudes erhalten möchten“, macht Bürgermeister Dr. Alexander Berger deutlich und verspricht „eine großartige Perspektive zum Wohle der Nachbarschaft und Umgebung“.

Dem stimmt Stadtbaurat Andreas Mentz uneingeschränkt zu: „Das ist ein Haus mit viel Potential, das noch weiterentwickelt werden kann.“

Gebäude und Grundstück übernimmt das von Prof. Dr. Dr. Josef Weglage entwickelte und geleitete Gesundheitszentrum Haus Walstedde. Er zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten des Hauses. Den Hinweis, die ehemalige Schule zu erwerben, habe ihm sein Schwiegervater gegeben, schmunzelt er beim Pressetermin vor Ort. „Wir wollen dieses architektonisch schöne Haus erhalten und eine Nutzung einbringen, die der ursprünglichen Funktion als Schule wieder sehr nahe kommt. Mit der geplanten Nutzung ergibt sich die Möglichkeit, das bundesweit viel beachtete Modellprojekt Haus Walstedde inhaltlich fortzuschreiben und eng mit den bisherigen und zukünftigen Infrastrukturen des Gesundheitscampus synergistisch zu verknüpfen. Das Haus passt gut zu unserer Idee, den Bildungsbereich des Gesundheitszentrums Haus Walstedde weiter auszubauen", erläutert Prof. Dr. Dr. Weglage das Konzept.

Hintergrund:
Das Gesundheitszentrum Walstedde im südlichen Münsterland wurde 2003 als multiprofessionelles Modellprojekt in den Mauern eines denkmalgeschützten Fachwerkbauernhofes von 1821 gegründet. Das Gesundheitszentrum betreut Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vorwiegend auf dem Gebiet der seelischen Gesundheit. Inzwischen betreuen sektorenübergreifend über 285 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Jahr ca. 9.000 Patienten. Unter dem "Dach" des Hauses Walstedde befinden sich eine Klinik, eine Tagesklinik, ein Familienklink und eine Schule für Kranke. Daneben gibt es unter diesem Dach ambulant tätige Kinderärzte und Kinderneurologen, Kinder-und Jugendpsychiater, eine Pädaudiologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeiter, Logopäden, Krankengymnasten, Ergotherapeuten sowie Heilpädagogen, psychologisch-technische Assistenten und Arzthelferinnen.

Die alte Feuerwehrschule in Ahlen soll ein weiterer wichtiger Baustein für ein umfassendes Angebot des Gesundheitszentrums Walstedde werden. Das Grundstück liegt an der westlichen Grenze der Stadt Ahlen. Vom Gesundheitszentrum Walstedde beträgt die Entfernung 2,4 km. Mit dem Auto ist die Feuerwehrschule vom Gesundheitszentrum in 7 Minuten, mit dem Fahrrad in 8 Minuten zu erreichen. Damit fügt sich das Objekt räumlich gut in das Gesundheitszentrum Walstedde ein. Das Gebäude wurde 1945 als ehemalige Volksschule Brockhausen in dem für die Zeit typischen Stil gebaut und bis 1969 auch so genutzt. Ab 1971 wurde hier die Ausbildungsstätte für die Freiwillige Feuerwehr eingerichtet.

Die Bildungsaktivitäten des Hauses Walstede sind vielfältig. Zu dem Bildungsbereich gehört z.B. die "Akademie Gegenwart". Hier werden Seminare und Symposien zu den Themen psychische Gesundheit und Werte- und Sinnfragen in unserer Gesellschaft angeboten. Das Haus Walstedde wird darüber hinaus die Aktivitäten im Bereich der fachlichen Aus- und Weiterbildung z.B. von Ärzten, Psychologen und   Kinder- und Jugendlichen Psychotherapieausbildung u.a. verstärken. Dazu wird die "Westfälische Weiterbildungsakademie" gegründet, die diese Aufgabe übernimmt. Die theoretische Ausbildung soll in der alten FWS stattfinden.

Die Schule für Kranke am Haus Walstedde ist ein wichtiger Baustein für den Heilungsprozess der Patienten des Gesundheitszentrums. Die Schule hat sich stark auf den Schwerpunkt Schulabsentisten konzentriert. Auch die Schule wird diese Räume zukünftig nutzen können. „Neben dem Bildungsschwerpunkt werden wir das Haus auch als Einrichtung für Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen nutzten. Aufgrund ihrer sozialen Lage und ihres Krankheitsbildes haben Kinder- und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen kaum Möglichkeiten, ihre Ferien jugendtypisch in Gruppen mit vielen Ferienaktivitäten zu verbringen. Wir wollen ihnen die Möglichkeit dazu verschaffen und gleichzeitig sinnvolle therapeutische Angebote damit verknüpfen. So werden damit auch die hoch belasteten Familien oder Pflegeeltern entlastet“, so Weglage.

Innerhalb des Gebäudes werden die bestehenden Strukturen im Wesentlichen erhalten. Im Erdgeschoss sollen die beiden Klassenräume weitestgehend erhalten werden. Die Räume im Dachgeschoss eignen sich gut als Schulung- und Seminarräume für Kleingruppen. Ggf. können dort auch Übernachtungen im Rahmen der Bildungsarbeit oder bei Ferienfreizeiten stattfinden. Im nördlichen Bereich des Hauses (alte Hausmeisterwohnung) sollen Seminar und Therapieräume sowie ein Büro eingerichtet werden. Die Räume im Kellergeschoss eigenen sich wegen der Größe, Höhe und Belichtung sehr gut als Werk- und Kreativräume und sollen auch so ausgestattet und genutzt werden. Das Außengelände eignet sich sehr zum kreativen Spielen, aber auch dazu, Naturerfahrungen zu machen. Der Bereich soll naturnah gestaltet werden und für die Jugendlichen zum Spielen, aber auch zur Besinnung einladen. Auf dem Außengelände sollen Obstbäume gepflanzt und Bienen gehalten werden. Alle Hecken und Bäume werden erhalten und dort, wo möglich, ergänzt. Auf dem Gelände soll ein Garten entstehen, der auch in die Therapien der Fachabteilungen des Hauses Walstedde eingebunden werden soll, ebenso wie die Bewirtschaftung der Obstbäume. Neben der Funktion als Raum für Naturerfahrungen und Besinnung sollen hier auch ein Spielbereich für die Schülerinnen und Schüler angelegt werden. „Insgesamt freuen wir uns auf das Haus und wir werden sicher noch weitere interessante Nutzungen entwickeln“, so Weglage abschließend.

Zufriedene Gesichter: (v.l.) Andreas Mentz, Prof. Dr. Dr. Josef Weglage, Dr. Alexander Berger, Paul Berlage

Zufriedene Gesichter: (v.l.) Andreas Mentz, Prof. Dr. Dr. Josef Weglage, Dr. Alexander Berger, Paul Berlage


Foto: Aus der ehemaligen Feuerwehrausbildungsstätte wird ein Teil von Haus Walstedde.

Aus der ehemaligen Feuerwehrausbildungsstätte wird ein Teil von Haus Walstedde.


Foto: Blick auf das Außengelände

Blick auf das Außengelände