Foto: Eine Veranstaltungsreihe rund um Hexenjagden damals und heute hat der Arbeitskreis Hexenverfolgungen vorbereitet: v.l. Heinz Aden, Martina Grebe, Christoph Wessels, Matthias Grevel, Dr. Ludger Kaulig, Gabriele Moser-Olthoff
Eine Veranstaltungsreihe rund um Hexenjagden damals und heute hat der Arbeitskreis Hexenverfolgungen vorbereitet: v.l. Heinz Aden, Martina Grebe, Christoph Wessels, Matthias Grevel, Dr. Ludger Kaulig, Gabriele Moser-Olthoff
Foto: Motiv „Hexenverbrennung“ der Ahlener Künstlerin Sabrina Zimmermann (aus dem „Daily Painting Projekt“ im Heimatmuseum, 2012)
Motiv „Hexenverbrennung“ der Ahlener Künstlerin Sabrina Zimmermann (aus dem „Daily Painting Projekt“ im Heimatmuseum, 2012)

Lernen aus den Schrecken der Hexenverfolgung – Veranstaltungsreihe im November

Auf das Schicksal von Frauen und Männern, die in Ahlen Opfer sogenannter Hexenprozesse wurden, will eine Veranstaltungsreihe im November aufmerksam machen. Zwei Ausstellungen und verschiedene Vorträge beleuchten die Umstände, die vor fünf Jahrhunderten auch in der Wersestadt zu großem Unrecht geführt haben. „Die Reihe soll dabei helfen, Muster zu erklären“, sagt Dr. Ludger Kaulig, der dem vorbereitenden Arbeitskreis „Hexenverfolgungen“ aus katholischer und evangelischer Kirche sowie Stadt Ahlen angehört. Für den katholischen Stadtpfarrer sei es ein klägliches Zeichen, wenn nicht aus den Geschehnissen gelernt und geschaut würde, wo es heute Verfolgung und Hetze bei uns und woanders gebe.

Der Rat der Stadt Ahlen hatte im Dezember 2017 beschlossen, die in der Zeit der Hexen- und Zaubererverfolgung während des 16. und 17. Jahrhunderts gequälten und ermordeten Menschen zu rehabilitieren. Vorausgegangen war ein Bürgerantrag, der maßgeblich von dem früheren Pfarrer Hartmut Hegeler vorbereitet worden war. Hegeler, der ebenfalls in dem Arbeitskreis mitarbeitet, gilt als einer der wenigen profilierten Forscher auf dem Gebiet der Hexenverfolgung. „Ein großes Kapitel der Geschichte mit dramatischen Abläufen, die nur gering wissenschaftliche Befassung gefunden haben“, zeigte sich AK-Mitglied und Pfarrerin Martina Grebe überrascht. Hegeler wird nicht nur einen Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung halten, am Buß- und Bettag zelebriert er zudem einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Bartholomäus-Kirche, in der zu den Öffnungszeiten eine Ausstellung über zeitgenössische Gegner der Verfolgung zu sehen sein wird.

Aber nicht nur die historischen Vorgänge will der Arbeitskreis in Erinnerung rufen. Ähnliche Phänomene würde es auch heute geben, etwa im Internet, denen es auf die Spur zu kommen gelte, wie Mitorganisator Heinz Aden feststellt: „Wo werden Feindseligkeiten geschürt, wo wird gegen Minderheiten gehetzt, was findet statt an geistiger Wegbereitung und Anfeindung?“ Die in der Regel auf Machtmissbrauch und Aberglaube fußende Hexenverfolgung der Vergangenheit werde zeitlich häufig im Mittelalter verortet. „So war es nicht“, widerspricht Pfarrer Matthias Grevel der landläufigen Meinung. Tatsächlich sei sie eine Erscheinung der frühen Neuzeit gewesen, „und zwar in katholischen wie in evangelischen Gebieten“, so der AK-Angehörige. Auch die Gegner seien sowohl Katholiken wie Protestanten gewesen.

Die Veranstaltungsreihe, die Bürgermeister Dr. Alexander Berger am 5. November um 19:30 Uhr im Heimatmuseum eröffnet, will den Beschluss des Rates „mit Inhalten und Leben füllen“, sagt Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels. Es handele sich um ein ernstes Thema, mit dem es sich auch heute noch zu beschäftigen lohne. Kulturamtsmitarbeiterin Gabriele Moser-Olthoff wird auf Anfrage vormittags Schulklassen durch die Ausstellung führen. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer können bereits jetzt mit ihr Termine unter Tel. 02382 59290 (moser-olthoffg@stadt.ahlen.de) vereinbaren. Das Heimatmuseum wird jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr die Ausstellung zeigen.

Das Programm der Veranstaltungsreihe:

Montag, 5. November, 19:30 Uhr, Heimatmuseum
Eröffnung der Ausstellung, Begrüßung und Vortrag von Dr. Alexander Berger und Hartmut Hegeler

Donnerstag, 8. November, 19 Uhr, Barthelhof
„Hexenverfolgung im geistlichen Staat – Das Kurfürstentum Köln“, Vortrag von Dr. Peter Arnold Heuser

Donnerstag, 15. November, 19:30 Uhr, Heimatmuseum
„Digitaler Hass – Hexenjagd im Internet“, Vortrag von Fabian Prochazka

Mittwoch, 21. November, 17 Uhr, Bartholomäus-Kirche
Ökumenischer Gottesdienst

Sonntag, 25. November, 17 Uhr, Heimatmuseum
Finissage mit Michael Kampmann: Texte und Musik, Büchertisch mit der aktuellen Ausgabe des Heimatbandes „Der beflügelte Aal“

Hintergrund:

Beschluss des Rates der Stadt Ahlen vom 14. Dezember 2017:
 
„Die Rehabilitierung der unschuldig gequälten und hingerichteten Opfer der Hexen- und Zaubererverfolgung in Ahlen während des 16. und 17. Jahrhunderts ist ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung. Der Rat der Stadt Ahlen verurteilt diese Gewalt, die an Frauen und Männern begangen wurde. Er gedenkt der Opfer, rehabilitiert sie öffentlich und gibt ihnen damit heute im Namen der Menschrechte ihre Ehre zurück.
 
Wenngleich die Stadt Ahlen nicht Rechtsnachfolgerin der damals politisch und kirchlich Verantwortlichen ist, so besteht dennoch eine ethische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien. Angesichts der lokalen Geschichte steht der Rat der Stadt Ahlen zu dieser Verpflichtung.“

Das „Ahlener Mammut“ war ein Publikumsmagnet

Sonderausstellung ist beendet: „Unser Mammut kehrte zurück“… für eine kurze Stippvisite ins Heimatmuseum

Mit einem nochmaligen Besucherrekord ist die Sonderausstellung zum Ahlener Mammut im Heimatmuseum der Stadt zu Ende gegangen. 568 Besucherinnen und Besucher nutzen am letzten Tag die Gelegenheit, das Originalskelett eines vor 41.000 Jahren in Ahlen beheimateten Wollhaarmammuts zu sehen.

Das 1910 in einer Tongrube am heutigen Mammutpfad entdeckte Skelett hat damit während der zweimonatigen Ausstellung exakt 5219 Menschen angezogen. „Ein absoluter Spitzenwert in der Geschichte aller Ausstellungen, die wir bislang im Heimatmuseum gezeigt haben“, zeigt sich Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels mit dem öffentlichen Zuspruch „mehr als zufrieden.“

Eingetreten sei das, was Bürgermeister Dr. Alexander Berger schon bei der Ausstellungseröffnung prophezeit habe. „Die Identifikation der Ahlener mit ihrem Mammut wird durch die Ausstellung noch stärker“, war Ahlens Bürgermeister überzeugt. Dazu beigetragen habe auch die Präsentation einer umfangreichen Dokumentation, die die Geschichte des Mammuts seit seinem Fund belegte. Stadtchronist Jürgen Rheker trug zahlreiche zeitgenössische Zeitungsartikel und Veröffentlichungen zusammen, die zeigten, wie wechselvoll über mehr als ein Jahrhundert der Umgang mit den Knochenresten war. „Diese Geschichten waren vielen Besuchern gar nicht bekannt und haben immer wieder zu regen Diskussionen Anlass gegeben“, hatte Wessels bei verschiedenen Führungen festgestellt. Überwiegend Heiterkeit haben rückblickend die viele Jahrzehnte zurückliegenden Versuche ausgelöst, dem Mammut bzw. einer Nachbildung zu dauerhaftem Ruhm in Ahlen zu verhelfen.

In den nächsten Tagen wird das Mammutskelett wieder fachmännisch zerlegt und in Kartons verstaut. Wann es wieder in der Pracht der letzten zwei Monate zu sehen sein wird, ist unklar. Seit seinem Fund vor einhundertacht Jahren ist das Münsteraner Geomuseum Eigentümerin des Skeletts, hat wegen der sich seit zehn Jahren hinziehenden Umbauarbeiten der Museumsräume aber derzeit keine Möglichkeit, das Prunkstück der Sammlung zu zeigen. Nur dank dieser Umstände wurde die Sonderausstellung in Ahlen möglich.
 
Ausdrücklich danken will Christoph Wessels seinen Mitarbeiterinnen Gabriele Moser-Olthoff und Petra Schäfer, die sich nicht nur während der Ausstellung, sondern schon bei ihrem Zustandekommen „mit viel Herzblut engagiert haben.“ Unzählige Besuchergruppen seien von Moser-Olthoff durch die Ausstellung geführt worden und haben dabei auch viel über die Lebensweise der eiszeitlichen Menschen erfahren. „Vor allem die Kinder- und Schülergruppen waren immer wieder baff, wenn sie vor dem über drei Meter großen Riesen standen.“ Für Christoph Wessels steht nach der erfolgreichsten Ausstellung, die das Heimatmuseum je gezeigt hat, fest: „Wer das Mammut sah, den hat es nicht kalt gelassen.“ Die Präsentation werde noch sehr lange im Gedächtnis der Ahlener Menschen bleiben.

Lebendige Geschichte – das Heimatmuseum Ahlen

Lebendige Geschichte - das Heimatmuseum Ahlen

Geschichte ist spannend, besonders, wenn sie so präsentiert wird…

Das Ahlener Heimatmuseum bietet die Möglichkeit, die Vergangenheit der Umgebung einmal ganz anschaulich kennenzulernen. Das ist gleichermaßen unterhaltsam wie interessant und macht Geschichte zu einem regelrechten Freizeitvergnügen.

Der Peters´sche Hof ist ein Vierständerhaus aus dem 17. Jahrhundert und damit ein beeindruckendes Zeugnis der münsterländischen Ackerbürgerkultur, direkt im Herzen der Ahlener Altstadt. Einen Schwerpunkt legt das Heimatmuseum auf die Darstellung der Stadtentwicklung. Hier wird durch zahlreiche Objekte erläutert, wie sich die Stadt Ahlen entwickelt hat. Gezeigt werden erste steinzeitliche Artefakte aus dem Ahlener Raum, frühe Siedlungsspuren, mittelalterliche Stadtstrukturen und die Entwicklung der Ahlener Industrialisierung.

Der neu eingerichtete museumspädagogische Raum bietet Schulklassen die Möglichkeit, Stadtgeschichte an diesem außerschulischen Lernort intensiv und anschaulich zu begreifen.

Im Sonderausstellungsraum „Alte Deele“ werden immer wieder interessante und anschauliche Ausstellungen zur Ahlener Stadtgeschichte präsentiert.  Zudem bietet die ackerbürgerliche Flettküche mit ihrer alten Kaminanlage eine sehr ansprechende Atmosphäre als Veranstaltungsort für standesamtliche Trauungen.

Adresse
Heimatmuseum der Stadt Ahlen
Wilhelmstraße 12
59227 Ahlen
Telefon: 0 23 82 / 59-290 oder 0 23 82 / 59-529

Öffnungszeiten

Das Heimatmuseum ist derzeit nur zu Sonderöffnungszeiten (Ausstellungen usw.) geöffnet. Diese Öffnungszeiten sind in der jeweiligen Beschreibung einer Ausstellung angegeben.

Trauungen und Schulklassenführungen finden dort nach Absprache mit dem Standesamt bzw. dem Heimatmuseum auch weiterhin statt.