Demokratiekonferenz zeigte, was Sprache bewirkt

Von der imposanten Anzahl an Interessierten, die an der jüngsten Demokratiekonferenz teilgenommen haben, zeigten sich Manfred Kehr und Lisa Kalendruschat von der „Partnerschaft für Demokratie“ äußerst beeindruckt. „Das überraschend große Publikum und die muntere Diskussionen haben wir so nicht erwartet“, freuten sich beide über die positive Resonanz.

Es mag wohl auch an der Aktualität des Themas gelegen haben, dass etwa 100 Zuhörerinnen und Zuhörer der Einladung in das Auditorium der Stadtbücherei folgten, um auf der „6. Ahlener Demokratiekonferenz“ mit illustren Referenten aus Kultur, Wissenschaft und Journalismus über die Bedeutung von Sprache in der Demokratie zu diskutieren.

In ihrem Grußwort machte stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss deutlich, dass Sprache immer auch Kommunikation bedeute. Im privaten Gespräch wie in der politischen Debatte seien es oft nur Nuancen, die Sinn und Absicht von Worten beeinflussten. Kabarettist Markus von Hagen nahm sich zu Anfang das Fontane-Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck“ vor und interpretierte Textpassagen im typischen Wahlkampfduktus verschiedener Parteien. Der Sprachwissenschaftler Dr. Steffen Pappert von der Universität Duisburg-Essen erläuterte, wie leicht sich durch Sprache manipulieren lasse und belegte seine These durch zahlreiche anschauliche Beispiele. Der Journalist Dr. Frank Biermann beschrieb die „Hassliebe“ seiner Branche zur AfD. Gleichzeitig stellte er fest, dass seine Kollegen und Kolleginnen angesichts unverblümter Drohungen inzwischen viel Zivilcourage aufbringen müssen, um „ihren Job zu machen“.

„Wir haben mit Absicht niemanden aus der Politik eingeladen, um einmal andere Perspektiven zur Geltung zu bringen“, begründete Manfred Kehr die Auswahl der Referenten. Gleichwohl suchte das Publikum in seinen Diskussionsbeiträgen immer wieder nach Erklärungen für das Phänomen des Rechtspopulismus. Auf die Frage, ob es einen Populismus auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums gebe, verwiesen Pappert und Biermann unisono auf Äußerungen linksgerichteter Regierungen in Südamerika.

Einen zweiten gelungenen satirischen Akzent setzte abschließend der Liedermacher Michael Holz, der eine große Wertschätzung für die deutsche Sprache als künstlerisches Medium zeigte. Wunderbar seine Einkaufshymne „Gehacktes gemischt, ein Kilogramm 3,30“. „Auch im kommenden Jahr planen wir wieder zwei Demokratiekonferenzen zu aktuellen Themen“, erklärte eine zufriedene Lisa Kalendruschat. Über das ablaufende Projektjahr werde die Partnerschaft für Demokratie gesondert Bilanz ziehen.

Die Demokratiekonferenz ist eine Veranstaltung der Partnerschaft für Demokratie „Eine Idee vom Glück“ in Kooperation der Stadt Ahlen, der AWO UB Hamm-Warendorf und des Bürgerzentrums Schuhfabrik. Gefördert vom Bundesministerium für Familien, Soziales, Frauen und Jugend.

Foto: Lieferten sich einen wort- und geistreichen Schlagabtausch über die Macht der Sprache: (v.l.) Dr. Steffen Pappert, Manfred Kehr, Dr. Frank Biermann, Markus von Hagen

Lieferten sich einen wort- und geistreichen Schlagabtausch über die Macht der Sprache: (v.l.) Dr. Steffen Pappert, Manfred Kehr, Dr. Frank Biermann, Markus von Hagen